In einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift Psychological Medicine veröffentlicht wurde, haben Prof. Dr. Annett Lotzin und ihr internationales Forschungsteam zentrale Faktoren untersucht, die die psychische Anpassung während der COVID-19-Pandemie beeinflussen. Die Studie, die auf Daten von über 15.000 Erwachsenen aus elf europäischen Ländern basiert, konzentriert sich auf Risikofaktoren für Symptome einer Anpassungsstörung. Dabei wurden potenziell 245 Faktoren analysiert, die in einer repräsentativen Stichprobe im Rahmen der internationalen ADJUST-Studie erhoben wurden. Die Verwendung von Mixed-Effects Random Forests, einer Methodik aus dem Bereich des maschinellen Lernens, markiert einen innovativen Ansatz in der psychologischen und epidemiologischen Forschung, wie medicalschool-hamburg.de hervorhebt.

Die Ergebnisse zeigen, dass mehrere Schlüsselfaktoren eng mit der Entwicklung von Anpassungsstörungssymptomen verbunden sind. Zu den identifizierten Merkmalen zählen unter anderem die Unsicherheit über die Dauer und Risiken der Pandemie, ein schlechter Gesundheitszustand, soziale Isolation sowie Konflikte im häuslichen Umfeld. Darüber hinaus erlebten viele Menschen einen Verlust an Alltagsstrukturen und litten unter Infektionsängsten und eingeschränkten sozialen Kontakten. Die Forschungsergebnisse bieten wertvolle Einblicke, die zur Entwicklung gezielterer Präventions- und Unterstützungsangebote für zukünftige Krisen beitragen sollen. Lotzin betont die Relevanz dieser Studie für die psychische Gesundheit in gesellschaftlichen Krisensituationen.

Entwicklung der psychischen Gesundheit während der Pandemie

Zusätzlich analysiert eine andere Untersuchung die psychische Gesundheit in der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland während der Pandemie und deren Verlauf im Vergleich zur Zeit vor COVID-19. Diese von rki.de veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass depressive Symptome während der ersten Welle der Pandemie anfänglich zurückgingen, um dann jedoch in den Herbst- und Wintermonaten wieder zu steigen. Von Herbst 2020 bis Frühjahr 2021 sowie erneut von Ende 2021 bis Frühjahr 2022 verzeichnete man einen Anstieg der symptomatischen Belastung.

Die Studie belegte, dass auffällige Symptome bei ca. 9 % der Bevölkerung im Zeitraum von März bis September 2020 auftauchten, verglichen mit 11 % im Jahr 2019. Diese Zahl stieg 2021 auf 13 % und erreichte zwischen März und Juni 2022 einen Höhepunkt von 17 %. Besorgniserregend ist, dass alle Geschlechter, Bildungs- und Altersgruppen betroffen sind, jedoch besonders Frauen, jüngere Erwachsene und Menschen über 65 Jahren. Eine auffällige Belastung mit depressiven Symptomen war vermehrt bei den Menschen mit niedrigem Bildungsniveau zu beobachten, während Personen mit höherer Bildung im Verlauf der Pandemie einen früheren und stetigen Anstieg zeigten.

Angstsymptome und subjektive psychische Gesundheit

Bei der Untersuchung der Angstsymptome wurde zwischen März und September 2021 ein auffälliger Wert von 7 % festgestellt, der bis März-Juni 2022 auf 11 % anstieg. Auch die subjektive Wahrnehmung der eigenen psychischen Gesundheit hat sich verschlechtert: Der Anteil der Menschen, die sich in sehr guter oder guter psychischer Gesundheit fühlen, sank von 44 % auf 40 %. Die Ergebnisse dieser umfassenden Querschnittsstudien unterstreichen die Notwendigkeit, der psychischen Gesundheit in Deutschland besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

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Insgesamt verdeutlicht die Forschung sowohl die unmittelbaren als auch die langfristigen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung. Die Erkenntnisse sollten nicht nur in der Bevölkerung Anklang finden, sondern auch die politischen Entscheidungsträger dazu anregen, entsprechende Maßnahmen zur Unterstützung der psychischen Gesundheit zu ergreifen, um auf künftige Krisensituationen besser vorbereitet zu sein.