Am Campus Jahnallee bekommt das Reparieren einen eigenen Ort: Die Grundschuldidaktik Werken der Universität Leipzig eröffnet am 14. Oktober 2026 eine Reparaturwerkstatt. Von 15:00 bis 17:00 Uhr geht es in Haus 3, Raum −120, in der Marschnerstraße 31 nicht nur ums Flicken, sondern auch ums Weiterverwenden und Gestalten.

Die Veranstaltung findet in Präsenz als Workshop beziehungsweise Seminar statt. Referentin ist Cyra Elter. Zur offiziellen Eröffnung kommt außerdem der Illustrator, Drucker und Reparateur Konrad Staisch. Ab dem 21. Oktober 2026 ist die Werkstatt regelmäßig mittwochs von 14:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Mitmachen können alle Angehörigen der Universität Leipzig. Kontakt ist per E-Mail möglich.

Ein Buch voller Dinge, die noch da sind

Staisch bringt Einblicke in seine gestalterische Arbeit mit – und sein Buch „Das, was da ist“. Die Stiftung Buchkunst zeichnete es 2026 als „Schönstes Buch“ aus. Im Eröffnungsworkshop zeigt Staisch, wie sich Reparatur- und Bauideen vermitteln lassen, ohne dass man dafür schon jahrelang an Werkbänken gestanden haben muss.

Das Buch erschien beim Ankerwechsel Verlag in Hamburg in der Kategorie Ratgeber – Sachbücher. Es zeigt, wie vorhandene Materialien für Bau-, Reparatur- und Kreativprojekte genutzt werden können: Papier schöpfen, Kerzen gießen oder einen Tisch bauen etwa. Illustrationen und sprachliche Gestaltung machen die Anleitungen praktisch zugänglich; zugleich geht es um gesellschaftliche Wege zu einer nachhaltigeren Zukunft, ohne erhobenen Zeigefinger. Auch Menschen ohne handwerkliche Erfahrung werden ausdrücklich angesprochen.

Die Jury der Stiftung Buchkunst hob die buchbinderische Gestaltung hervor. Der Band hat einen dicken Kartonumschlag, einen bedruckten, offenen Rücken und ein Aufschlagverhalten, das Arbeiten mit freien Händen erleichtert. Der 112-seitige Buchblock nutzt mehrere Papiersorten, die bereits in der Druckerei vorhanden waren. Sie treffen auf eine eigenständige Farbgestaltung und ein typografisches Wechselspiel aus Handlettering und Circular – modern, dynamisch, mit sichtbarer Struktur.

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Viele Papiere, offene Bindung

„Das, was da ist“ misst 25,5 × 18 cm, umfasst 112 Seiten und erschien in einer Auflage von 3.000 Exemplaren. Der Preis beträgt 32,00 Euro, die ISBN lautet 978-3-947596-24-9. Gebunden ist das Buch als Steifbroschur mit offener Fadenbindung; der Einband besteht aus 2 mm Colonia-Buchbinderpappe mit zweifarbigem Siebdruck in Blau und Rot.

Verwendet wurden verschiedene 150-g/m²-Papiersorten: Circle Offset White mit dem Blauen Engel von Papeterie Clairfontaine (IGEPA), Enviro Value mit dem Blauen Engel von Papeterie Clairfontaine (OVOL) und Fedrigoni Arcoprint Milk. Als Schrift kommt Circular Medium von Lineto zum Einsatz, gesetzt wurde in InDesign auf Mac, gedruckt im Offsetdruck.

Für Satz, Illustrationen, Gestaltung und Typografie zeichnet Konrad Staisch verantwortlich. Lektorat und Herstellung übernahmen der Ankerwechsel Verlag und Harriet Dohmeyer. Gedruckt wurde bei BEISNER DRUCK GmbH & Co. KG in Buchholz in der Nordheide, die Buchbindung erledigte die Buchbinderei S. R. Büge GmbH in Celle.

Reparieren als Forschungsthema

Die Leipziger Werkstatt steht damit in einem größeren Zusammenhang. Das Citizen-Science-Projekt „REPARA/KUL/TUR“ untersuchte Repair-Cafés, Offene Werkstätten und Maker-Spaces. Im Zentrum stand die Frage, wie Menschen Praktiken des Reparierens und Selbermachens lernen, aneignen und dauerhaft in ihren Alltag einbauen – also nicht nur einmal den kaputten Toaster retten und ihn danach wieder vergessen.

Gemeinsam mit Citizen Scientists aus der Repair- und DIY-Bewegung sollten Methoden entwickelt und erprobt werden, die Alltagserfahrungen und Veränderungen im Verhältnis zu Konsumgütern wissenschaftlich nutzbar machen. Der Ansatz war am „Co-Design“ orientiert: Forschungspartner und Beteiligte arbeiteten gemeinsam. Daraus sollten Strategien entstehen, die Reparieren und Selbermachen gesellschaftlich stärker verbreiten.

Nutzerinnen und Nutzer sowie Macherinnen und Macher von Makerspaces und Offenen Werkstätten konnten sich als Citizen Scientists beteiligen. Beteiligt waren das Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin (ZTG) als Verbundleitung und das Institut für Sozialinnovation e.V. (ISInova) in der Begleitforschung. Praxispartner waren der Verbund Offener Werkstätten e.V. (VOW) und BUND Berlin; Ansprechpartnerin beim VOW war Frauke Hehl.

Das Projekt lief von September 2017 bis Dezember 2019 und wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Förderbereich „Bürgerforschung“ gefördert. Es gehörte zu 13 Vorhaben, die bis Ende 2019 die Zusammenarbeit zwischen Bürgerinnen, Bürgern und Wissenschaftlern weiterentwickeln und gesellschaftliche Herausforderungen bearbeiten sollten. Weitere Informationen standen unter bmbf.de/de/mitmachen-und-forschen-4503.html und buergerschaffenwissen.de.

In Leipzig beginnt das praktische Angebot am 14. Oktober 2026 um 15:00 Uhr am Campus Jahnallee, Marschnerstraße 31, Haus 3, Raum −120. Werkzeug, Material und ein bisschen Neugier dürften fürs Erste reichen.

Quelle: Universität Leipzig
Buchdetails: Stiftung Buchkunst
Kontext: Verbund Offener Werkstätten e.V.