Am 20. Mai 2026 hat das Forschungsprojekt ForNeRo an der Technischen Universität München (TUM) einen bedeutenden Schritt in der medizinischen Robotik gemacht. Unter der Leitung von Prof. Dirk Wilhelm, dem Leiter des Lehrstuhls für medizinische Robotik an der TUM, untersucht das Projekt die Zusammenarbeit zwischen Robotern und Menschen während chirurgischer Eingriffe. Eine umfassende Analyse der Bewegungen von Chirurginnen und Chirurgen steht im Mittelpunkt dieser Forschung.
Für diese innovative Untersuchung wird ein modernes Sensorsystem eingesetzt, das entwickelt wurde, um die Bewegungen und Interaktionen im Operationssaal präzise zu erfassen. Diese Technologie ermöglicht es, Daten aus simulierten Operationen mit Assistenzrobotern zu sammeln und zu analysieren. Ein bedeutsames Element des Projekts ist die Verwendung von fünf Tiefenkameras, die im Experimental-OP ständig ein digitales Abbild des Operationssaals erstellen. Diese Kameras erzeugen 15 Mal pro Sekunde einen digitalen Zwilling des Geschehens, um ein detailliertes Bild der Abläufe im OP zu liefern.
Erfassung der Bewegungen und Daten im OP
Prof. Wilhelm trägt während der Erhebung einen speziellen Anzug mit Markern und ein Stirnband, die über ein Infrarot-Trackingsystem lokalisiert werden. Dies ermöglicht eine präzise Verfolgung seiner Bewegungen und Interaktionen im OP. Zudem werden die Gespräche des OP-Personals über Mikrofone aufgezeichnet und lokalisiert. Ein weiterer Aspekt der Forschung ist die Erfassung physiologischer Daten des Personals, um deren Stresslevel zu ermitteln.
Das primäre Ziel dieser Initiative ist die Verbesserung chirurgischer Prozesse und die effiziente Integration robotischer Assistenzsysteme im Operationssaal. Die Untersuchungen sollen dazu beitragen, das medizinische Personal zu entlasten und die Sicherheit der Eingriffe zu erhöhen. Bemerkenswert ist, dass dieses Sensorsystem deutschlandweit zum ersten Mal im realen OP-Umfeld eingesetzt wird.
Ethik und Einverständnis der Patienten
Ein zentraler Punkt bei der Erhebung der Daten im Operationssaal ist die Notwendigkeit des Einverständnisses. Sowohl die Patientinnen und Patienten als auch alle beteiligten Personen müssen ihr Einverständnis geben, bevor die Daten erfasst werden können. Dies stellt sicher, dass die ethischen Standards in der medizinischen Forschung eingehalten werden und das Vertrauen zwischen Patient und medizinischem Personal gewahrt bleibt.
Die Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt ForNeRo sollen langfristig dem zukünftigen Einsatz von Robotern im Operationssaal zugutekommen. Sie bieten die Basis für neue Technologien und Methoden, die nicht nur die Effizienz im OP steigern, sondern auch die Belastung des medizinischen Fachpersonals reduzieren können. Dieses Projekt könnte somit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Chirurgie und zur Integration von Technologie in die Medizin leisten.