Rogers bringen Punkrock, Haltung und Rambazamba nach Göttingen
Am Donnerstag, 8. April 2027, kommen Rogers nach Göttingen. Die Punkrock-Band aus Düsseldorf spielt ab 20:00 Uhr im Musa e. V., Hagenweg 2a, 37081 Göttingen. Seit 2006 steht die Gruppe auf Bühnen in Clubs, Hallen und bei Festivals – diesmal also in der Musa, wo es bei rotzigem Punkrock, hymnischen Refrains und modernen Sounds vermutlich schnell eng und laut wird.
Rogers schreiben über Mental Health, gesellschaftlichen Druck und Überforderung. Gleichzeitig positioniert sich die Band gegen Rechtsextremismus und Hass und macht sich nicht viel aus engen Genre-Schubladen. Das Album Rambazamba & Randale schaffte es in die Top 10 der deutschen Charts; in der Diskografie wird es mit Platz 9 als bislang höchste Chartplatzierung geführt.
Vom Proberaum zur großen Bühne
Gegründet wurde die Band 2006 von Sänger Chri Hoffmeier, Gitarrist Nico Feelisch und Bassist Artur Freund – zunächst unter dem Namen Notaufnahme. Nach mehreren wechselnden Schlagzeugern kam 2008 Simon Stratmann als festes Mitglied dazu. In dieser Besetzung spielte die Gruppe zuerst kleinere Konzerte und Festivals. Anfang Juni 2010 wurde aus Notaufnahme Jolly Roger, im Juli folgte die selbst produzierte EP Wohin es uns führt samt „Bereit zum (K)entern Tour 2010“ durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Auf der „Wellenreiter Tour“ trat die Band erstmals als Vorgruppe von Massendefekt auf. Später kamen gemeinsame Auftritte mit Sondaschule und Radio Havanna hinzu. Nach einem Headliner-Konzert im Autonomen Zentrum Köln am 28. Juli 2012 erhielt die Gruppe ein Vertragsangebot von People Like You Records. Kurz vor der Veröffentlichung der EP Faust hoch Anfang 2013 verkürzte sie ihren Namen zu Rogers. Die EP erreichte Platz 24 der offiziellen deutschen Metal-Rock-Charts.
Ende 2013 erschien das Debütalbum Flucht nach vorn. Dazu gehörten eine ausverkaufte Show im Düsseldorfer Tube und Auftritte im Vorprogramm von Pennywise und den Broilers. Das Lied Stiller Wunsch wurde als Single ausgekoppelt und bekam ein Musikvideo. 2014 folgten Konzerte und Tourneen mit Sondaschule und The Creepshow sowie Festivalauftritte bei Mair1, With Full Force und Open Flair.
Simon Stratmann verließ Rogers kurz vor dem Festivalsommer 2014 aus privaten Gründen. Die geplanten Festivalauftritte zog die Band trotzdem durch. Weitere Konzerte gab es unter anderem mit Marathonmann und Slime. Im Januar 2015 spielte Rogers in Düsseldorf ein ausverkauftes Single-Release-Konzert zu Steh auf. Nach rund zwei Monaten Studioarbeit erschien im Sommer desselben Jahres das zweite Album Nichts zu verlieren. Es folgten zahlreiche Festivals, eine Akustik-Tour und Tourneen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz – unter anderem mit The Bones und Sondaschule.
Für das Frühjahr 2016 kündigte Rogers die erste eigene Tour an: Gemeinsam mit Das Pack, Stereogold und Rivers Become Oceans ging es in zehn deutsche Städte. Bei den letzten drei Konzerten wurde Schlagzeuger Dom wegen einer kurzzeitigen Inhaftierung und weiterer polizeilicher Probleme vertreten. Am 8. Oktober spielte die Band in der ausverkauften ZAKK-Halle in Düsseldorf ihr bis dahin größtes eigenes Konzert.
Ende 2016 veröffentlichte Rogers Coverversionen von Madsens „Mit dem Moped nach Madrid“ und Maxims „Meine Soldaten“. Beide Videos überschritten zeitnah zwei Millionen Aufrufe. Nach weiteren Festivalauftritten und einer Tour im Vorprogramm von Callejon erschien am 8. September 2017 das dritte Studioalbum Augen auf. Die Release-Shows fanden in drei Düsseldorfer Clubs statt, mit den lokalen Vorbands Datenschmutz, NORDN und Vollkommen Egal. Das Album erreichte Platz 37 der deutschen Charts. Einer limitierten Erstauflage lag außerdem eine Bonus-CD mit eigenen Coverversionen älterer Titel bei, veröffentlicht unter dem Pseudonym Die Roberts.
Die anschließende „Einen Scheiß muss ich“-Tour wurde nach dem ersten Teil um einen zweiten Abschnitt erweitert. Am 12. Oktober trat Rogers gemeinsam mit Billy Talent und Feine Sahne Fischfilet im Vorprogramm der Toten Hosen in der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena auf. Danach verließ Gitarrist Nicolas Feelisch die Band auf eigenen Wunsch.
Im März 2019 erschien Mittelfinger für immer, das letzte Rogers-Album bei People Like You Records. Als Gäste wirkten unter anderem Ingo Nollmann von Donots und Matthias Tarnath von Nasty mit. Produzent und Gitarrist Elias Manikas vervollständigte die Besetzung. Das Album kam auf Platz 14 der deutschen Albumcharts.
Neue Besetzung, klare Kante
Im April 2023 veröffentlichte Rogers das Studioalbum Rambazamba und Randale erstmals mit Warner Music Germany als Label. Platz 9 bedeutete die bisher höchste Chartplatzierung der Band. Im August 2024 gab Rogers den Ausstieg des Gründungsmitglieds Artur Freund bekannt. Er wurde durch Max Küchenmeister ersetzt, der zuvor unter dem Künstlernamen Max Milian auftrat.
Musikalisch setzt Rogers auf melodische, mehrstimmige Arrangements, markante Melodien und moderne Klänge. Die Band bezeichnet sich als Punkrock-Gruppe, grenzt ihren zeitgemäßen Stil aber vom traditionellen Punk ab. Die Texte sind überwiegend persönlich oder sozialkritisch und kreisen um Druck, Überforderung und psychische Gesundheit.
In Texten, Ansagen und Interviews wendet sich Rogers gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und die politisch uneindeutige Deutschrock-Bewegung. Patriotismus bewertet die Band kritisch. Seit August 2013 unterstützt sie außerdem Sea Shepherd: Bei Konzerten gibt es Informationsmaterial, Flaggen und Spendenboxen. Im Sommer 2015 organisierte Rogers gemeinsam mit der Diakonie Düsseldorf einen Tagesausflug für syrische Geflüchtete im Alter von 20 bis 30 Jahren. Während eines Videodrehs konnten die Teilnehmer sich öffentlich mitteilen.
Von Slime bis Rogers: Punk mit Gegenwind
Deutsch-Punk entstand in Deutschland Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre, beeinflusst von der Punk-Bewegung aus Großbritannien und den USA. Zu den frühen Wegbereitern zählen Slime, 1979 in Hamburg gegründet, die Düsseldorfer Toten Hosen und Die Ärzte. Slime verband harten Sound mit politischen Texten; das Album „Schweineherbst“ von 1994 behandelt unter anderem Rassismus und soziale Ungerechtigkeit. Die Toten Hosen starteten Anfang der 1980er-Jahre und wurden mit Alben wie „Opium fürs Volk“ zu einer der bekanntesten Deutsch-Punk-Bands.
Politische und gesellschaftliche Themen gehören fest zum Genre: Rassismus, soziale Ungerechtigkeit, Umweltprobleme und politische Skandale tauchen immer wieder auf. Bands wie Slime, Die Ärzte, Dritte Wahl und WIZO nutzen ihre Musik zur Auseinandersetzung damit, oft direkt und ohne Samthandschuhe. Zu den genannten Klassikern zählen „Schweineherbst“ von Slime aus dem Jahr 1994, „Opium fürs Volk“ von Die Toten Hosen, „Nimm Drei“ von Dritte Wahl aus dem Jahr 1996 und „UUAARRGH!“ von WIZO aus dem Jahr 1994.
„Nimm Drei“ verbindet düsteren Metal mit Street Punk und nimmt Endzeitstimmung sowie gesellschaftliche Kritik auf. Überhaupt reicht die Deutsch-Punk-Szene von hartem Punkrock bis zu melodischeren Klängen, nimmt neue Stile und Einflüsse auf und bringt weiterhin neue Bands und Veröffentlichungen hervor. Alarmsignal führt diese politische Linie mit „Ästhetik des Widerstands“ von 2022 fort und thematisiert gesellschaftliche Kritik und politische Missstände.
Infos für den Abend
Der Vorverkauf kostet 34,95 Euro. Das Kulturticket gilt nur zusammen mit einem gültigen Studentenausweis der Universität Göttingen oder der PFH Göttingen mit dem Aufdruck „Semesterticket“. Ermäßigungsberechtigungen müssen an der Abendkasse durch einen gültigen Ausweis nachgewiesen werden. Studierende der HAWK sind von der Vergünstigung ausgeschlossen.
Das Azubiticket gilt ausschließlich in Verbindung mit dem beim Landschaftsverband Südniedersachsen erworbenen Ausweis und ist keine allgemeine Vergünstigung für Auszubildende
