In Sachsen-Anhalt bleibt der Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz vorerst unbesetzt – jedenfalls übernimmt ihn nicht das Land selbst. Die 16 Regierungschefinnen und Regierungschefs der Bundesländer beschlossen am 24. September 2026 einstimmig, dass Rheinland-Pfalz die MPK ein weiteres Jahr leitet. Heute, am 27.09.2026, ist die Entscheidung auch an der Uni Magdeburg Gesprächsthema.

Turnusgemäß hätte Sachsen-Anhalt den Vorsitz zum 1. Oktober 2026 übernehmen sollen. Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) bat nach der Landtagswahl darum, auf die Aufgabe zu verzichten. Bei der Wahl am 6. September wurde die AfD mit deutlichem Abstand stärkste Kraft; für eine Regierungsbildung fand sich bislang kein Koalitionspartner. Schulze verwies deshalb auf die unklare politische Lage.

Rheinland-Pfalz bleibt am Steuer

Rheinland-Pfalz führt die MPK bereits seit dem 1. Oktober 2025. Nach eigenen Angaben stimmte sich das Land mit den anderen Ländern über das weitere Vorgehen ab. Die Staatskanzlei in Mainz teilte den einstimmigen Beschluss mit. Ministerpräsident und MPK-Vorsitzender Gordon Schnieder (CDU) erklärte, Rheinland-Pfalz verfüge durch den laufenden Vorsitz über die nötigen Strukturen und sei deshalb bereit, ihn ein weiteres Jahr fortzuführen.

Sachsen-Anhalt wird damit in der jährlich wechselnden Reihenfolge übersprungen. Die weitere Reihenfolge bleibt unverändert: Schleswig-Holstein soll den Vorsitz planmäßig am 1. Oktober 2027 übernehmen. Dort wird im April 2027 ein neuer Landtag gewählt.

Die AfD reagierte scharf. Der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Stefan Möller sprach von „undemokratischen Mitteln“ gegen einen Machtverlust. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund werde dadurch nicht den MPK-Vorsitz übernehmen. Möller kritisierte außerdem die Ministerpräsidenten der ostdeutschen Länder, die den Beschluss mitgetragen hätten.

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Was die MPK eigentlich macht

Die Ministerpräsidentenkonferenz besteht aus den Regierungschefinnen und Regierungschefs der 16 Bundesländer. Sie tagt regulär viermal jährlich, koordiniert die Zusammenarbeit der Länder und formuliert gemeinsame politische Positionen. Dazu gehört auch, Länderinteressen gegenüber dem Bund zu vertreten.

Das klingt nach Sitzungsroutine, reicht aber weit in den Alltag hinein. Die MPK bereitet unter anderem wichtige Staatsverträge wie den Medienstaatsvertrag vor. Das vorsitzende Land organisiert die Konferenzen, koordiniert die Länderinteressen und vermittelt bei Bedarf zwischen den Ländern. Anschließend werden die Themen mit dem Bund abgestimmt.

Anders als der Bundesrat ist die MPK kein formelles Verfassungsorgan. Die Länder können deshalb selbst bestimmen, wer sie dort vertritt. Genau diese größere politische Beweglichkeit macht den Vorsitz in einer unsicheren Lage zugleich praktisch und heikel.

Eine lange Reihe mit vielen Wechseln

Wie oft die Spitze der Länderrunde schon gewechselt hat, zeigt die historische Übersicht der Vorsitzenden und Stellvertreter des Bundesrates. Die Reihe beginnt mit Hans Ehard (CSU, Bayern), der vom 1.10. bis 13.12.1954 amtierte. Auf ihn folgten Wilhelm Hoegner (SPD) vom 13.12.1954 bis 30.9.1955, Otto Suhr (Berlin) vom 1.10.1955 bis 30.9.1956 und Fritz Steinhoff (SPD, Nordrhein-Westfalen) vom 1.10.1956 bis 30.9.1957.

Danach kamen Heinrich Hellwege (DP, Niedersachsen), 1.10.1957–30.9.1958, Georg August Zinn (SPD, Hessen), 1.10.1958–30.9.1959, Peter Altmeier (CDU, Rheinland-Pfalz), 1.10.1959–30.9.1960, Kai-Uwe von Hassel (CDU, Schleswig-Holstein), 1.10.1960–30.9.1961, Kurt Georg Kiesinger (CDU, Baden-Württemberg), 1.10.1961–30.9.1962, sowie Wilhelm Kaisen (SPD, Bremen), 1.10.1962–30.9.1963.

Es folgten Franz-Josef Röder (CDU, Saarland), 1.10.1963–30.9.1964, Paul Nevermann (SPD, Hamburg), 1.10.1964–9.6.1965, Herbert Weichmann, 9.6.–30.9.1965, Alfons Goppel (CSU, Bayern), 1.10.1965–30.9.1966, Willy Brandt (SPD, Berlin), 1.10.–1.12.1966, Heinrich Albertz, 14.12.1966–30.9.1967, Heinz Kühn (SPD, Nordrhein-Westfalen), 1.10.1967–30.9.1968, und Georg Diederichs (SPD, Niedersachsen), 1.10.1968–30.9.1969.

Georg August Zinn (SPD, Hessen) stand vom 1.–3.10.1969 an der Spitze, Albert Osswald vom 3.10.1969–30.9.1970. Danach übernahmen Helmut Kohl (CDU, Rheinland-Pfalz), 1.10.1970–30.9.1971, Gerhard Stoltenberg (CDU, Schleswig-Holstein), 1.10.1971–30.9.1972, Hans Filbinger (CDU, Baden-Württemberg), 1.10.1972–30.9.1973, Hans Koschnick (SPD, Bremen), 1.10.1973–30.9.1974, Franz-Josef Röder (CDU, Saarland), 1.10.1974–30.9.1975, Hans-Ulrich Klose (SPD, Hamburg), 1.10.1975–30.9.1976, und Alfons Goppel (CSU, Bayern), 1.10.1976–30.9.1977.

Die Folge setzte sich mit Dietrich Stobbe (SPD, Berlin), 1.10.1977–30.9.1978, Johannes Rau (SPD, Nordrhein-Westfalen), 1.10.1978–30.9.1979, Ernst Albrecht (CDU, Niedersachsen), 1.10.1979–30.9.1980, Holger Börner (SPD, Hessen), 1.10.1980–30.9.1981, Bernhard Vogel (CDU, Rheinland-Pfalz), 1.10.1981–30.9.1982, Uwe Barschel (CDU, Schleswig-Holstein), 14.10.1982–30.9.1983, und Lothar Späth (CDU, Baden-Württemberg), 1.10.1983–30.9.1984, fort.

Hans Koschnick (SPD, Bremen) amtierte vom 1.10.1984 bis 18.9.1985, Klaus Wedemeier vom 18.–30.9.1985. Danach folgten Oskar Lafontaine (SPD, Saarland), 1.10.1985–30.9.1986, Klaus von Dohnanyi (SPD, Hamburg), 1.10.1986–30.9.1987, Franz Josef Strauß (CSU, Bayern), 1.10.1987–30.9.1988, Eberhard Diepgen (CDU, Berlin), 1.10.1988–16.3.1989, Walter Momper (SPD), 16.3.–30.9.1989, sowie Johannes Rau (SPD, Nordrhein-Westfalen), 1.10.1989–30.9.1990.

Gerhard Schröder (SPD, Niedersachsen) folgte vom 1.10.1990 bis 30.9.1991, Hans Eichel (SPD, Hessen) vom 1.10.1991 bis 30.9.1992, Kurt Biedenkopf (CDU, Sachsen) vom 1.10.1992 bis 30.9.1993 und Rudolf Scharping (SPD, Rheinland-Pfalz) vom 1.10.1993 bis 30.9.1994. Reinhard Höppner (SPD, Sachsen-Anhalt) hatte den Vorsitz vom 1.10.1994 bis 30.9.1995, Heide Simonis (SPD, Schleswig-Holstein) vom 1.10.1995 bis 30.9.1996.

Es schlossen sich Bernhard Vogel (CDU, Thüringen), 1.10.1996–30.9.1997, Erwin Te