Die Kunstkammer, ein faszinierendes Relikt aus der Spätrenaissance, stellt eine bedeutende Sammlung von Wissen und Wundern dar. Sie ist nicht nur ein Ort der Ästhetik, sondern auch ein Forschungszentrum. Laut Informationen von der Universität Bonn wurden Objekte in Kunstkammern traditionell in zwei Hauptkategorien unterteilt: „Artificialia“, die künstlichen Objekte, und „Naturalia“, die natürlichen Sammlungsgegenstände. Diese Sammlungen waren ein Ausdruck der Neugier und des Wissensdurstes der Zeit.
Besonders gut dokumentiert sind historische Kunstkammern wie die im Schloss Ambras sowie im Kunsthistorischen Museum in Wien. Diese Institutionen spielen eine Schlüsselrolle in der Historie der Kunstkammern, die oft mit wissenschaftlichen Instrumenten ausgestattet waren, um die Forschung voranzutreiben. Eine der neuesten Initiativen in diesem Bereich ist die Kunstkammer Pohl-Goldschmidt, die nun erstmals öffentlich ihre außergewöhnliche Sammlung präsentiert.
Die Sammlung Pohl-Goldschmidt
Die Sammlung, die sich seit mehreren Generationen im Privatbesitz befindet, umfasst eine Vielzahl hochwertiger künstlerischer und materieller Objekte. Ein besonderer Fokus liegt auf wissenschaftlichen mathematischen Instrumenten der Renaissancezeit, die von renommierten Herstellern gefertigt wurden. Diese Objekte sind nicht nur beeindruckend, sondern auch von großer wissenschaftlicher Relevanz. Professor Dr. Dr. h.c. Michael Hoch, Rektor der Universität Bonn, hebt hervor, wie viel die Präsentation für die Universität und die Besucher bringt.
Die Hersteller dieser Kunstkammerstücke waren oft Wissenschaftler, Ingenieure oder Mathematiker. Ein Beispiel ist das Triens von Christoph Schissler, das die Ideen von Petrus Apianus zur Fertigung eines Instruments umsetzte. Schissler stellte zwei gravierte und vergoldete Kupferinstrumente her, die zur Vermessung von Sternbahnen dienten. Die Direktorin des Arithmeums, Professor Dr. Ina Prinz, betont außerdem die erstmalige Präsentation vieler dieser einzigartigen Objekte und den Mehrwert für die Besucher.
Bildung und Veranstaltungsangebote
Die Ausstellung wurde von Professor Dr. Ina Prinz und Professor Dr. Patrick Rocca kuratiert und bietet umfangreiche didaktische Programme. Das Arithmeum-Team erarbeitete ein Führungsprogramm, ein didaktisches Video und interaktive Workshops für Erwachsene sowie Programme für Kinder und Schulklassen. Karol Pohl, der Sammler hinter der Sammlung, freut sich über die Gelegenheit, jungen Menschen die Artefakte näherzubringen.
Ein Katalog zur Ausstellung wird veröffentlicht und zusätzliche Programme sowie Führungen sind als Individualangebote buchbar. Diese Angebote stehen im Kontext der Kunstkammer-Tradition, die im 14. Jahrhundert in Europa entstand. Damals begannen Fürsten und wohlhabende Bürger, umfangreiche Sammlungen zusammenzustellen. Diese umfassten nicht nur Kunstwerke, sondern auch Naturobjekte wie Tierpräparate und mineralische Raritäten.
Die Sammlungen spiegelten ein Streben nach Kuriosität und Wissen wider und waren oft eine Demonstration von Macht. Laut Wikipedia ist die Kunst- und Wunderkammer auch ein Zeichen des Staunens, das von den Entdeckungsfahrten des 15. bis 17. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst wurde. Diese Reisen führten zu einer Begegnung mit neuen Kulturen und Nouvelles Objekte und manifestierten sich in den Sammlungen von Kunst und Natur.
Die Kunstkammer Pohl-Goldschmidt, mit ihrer Vielzahl an einzigartigen und wertvollen Objekten, ist ein vielversprechender Neuzugang in der Welt der Sammlungen. Sie bringt das Erbe der Kunstkammern zurück ins Bewusstsein und schafft neue Möglichkeiten für wissenschaftlichen Austausch und interaktive Bildung.