Am 10. Juni 2026 wurde Prof. Dr. Sebastian Conrad, ein renommierter Historiker, mit dem Schader-Preis ausgezeichnet, der mit 15.000 Euro dotiert ist. Die Auszeichnung wurde ihm am 9. Juni 2026 in Darmstadt verliehen. Diese Ehrung richtet sich an Gesellschaftswissenschaftler, die wesentliche Beiträge zur Lösung gesellschaftlicher Probleme leisten. Prof. Dr. Dorothea Kübler, Sprecherin des Senats der Schader-Stiftung, hob den Einfluss von Conrad auf gesellschaftliche Debatten sowohl in Deutschland als auch international hervor. Die Schader-Stiftung fördert seit 1988 den Dialog zwischen Gesellschaftswissenschaften und Praxis.
Conrad ist Professor für Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin und hat seit 2010 den entsprechenden Lehrstuhl inne. Zuvor war er an Institutionen wie dem Europäischen Hochschulinstitut in Florenz und der New School in New York tätig. Seine Forschung fokussiert sich auf Globalgeschichte und Kolonialgeschichte sowie die Geschichte der Geschichtsschreibung. Er leitet den Master-Studiengang „Global History“ und ist außerdem Sprecher des Graduiertenkollegs „Global Intellectual History“.
Einfluss auf die gesellschaftlichen Diskurse
In seiner Preisträgerrede betonte Conrad die Notwendigkeit, Demokratie gemeinsam zu fördern. Er warnte vor der zunehmenden Polarisierung im öffentlichen Diskurs. In seiner Forschung hat er sich intensiv mit dem Kolonialismus und dessen Auswirkungen auf die Globalisierung und die Nationalstaatsbildung beschäftigt. Conrad betrachtet die Kolonialgeschichte als eine Projektionsfläche für die bestehenden Ungleichheiten, die mit der Globalisierung verbunden sind. Seine Arbeiten haben somit maßgeblich zur Versachlichung der Debatten um den Postkolonialismus beigetragen.
Die deutsche Erinnerungskultur, besonders nach 1989, spielt eine zentrale Rolle in Conrads Forschung. Diese ist angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen, wie dem Anstieg gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, von großer Bedeutung. Historische Rückblicke sind essenziell für das Verständnis der eigenen Geschichte und der Aufklärung über Menschenrechte, um Wiederholungen vergangener Katastrophen zu verhindern. Das Gedächtnis an die Verfolgten des NS-Regimes bleibt weiterhin ein zentrales Thema der deutschen Gesellschaft.
Akademischer Werdegang und Auszeichnungen
Sebastian Conrad wurde am 19. März 1966 in Heidelberg geboren und hat an der Universität Bonn sowie an der Osaka Gaikokugo-Universität und der Freien Universität Berlin studiert. Seine Promotion im Jahr 1999 an der Freien Universität Berlin befasste sich mit der Geschichtsschreibung in Japan und der Bundesrepublik Deutschland und erhielt den Dissertationspreis der Ernst-Reuter-Gesellschaft.
Conrad ist auch Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Academia Europaea. Für sein Werk „Die Königin. Nofretetes globale Karriere“, das 2024 veröffentlichte wurde, erhielt er eine Nominierung für den Deutschen Sachbuchpreis. Sein Überblickswerk „Deutsche Kolonialgeschichte“ (5. Auflage 2023) bewertet die deutsche Kolonialpolitik neu und zeigt die Relevanz von Geschichtswissenschaften für aktuelle gesellschaftliche Diskurse auf. Dies spiegelt sich in der breiten Rezeption seiner Werke wider.
Die Auszeichnung mit dem Schader-Preis ist ein bedeutender Schritt in Conrads Karriere und verstärkt seine Rolle als Einflussnehmer auf wichtige gesellschaftliche Themen. Mit seinem Engagement und seinen Forschungen trägt er entscheidend dazu bei, dass die deutsche Erinnerungskultur und die Debatten um gesellschaftliche Herausforderungen nicht in Vergessenheit geraten. Seine Sichtweise und Analysen fördern ein umfassenderes Verständnis der komplexen Zusammenhänge zwischen Geschichte, Gesellschaft und Identität.