TU Chemnitz startet nach Jahrzehnten neues Lehramtsstudium für Oberschulen
Neuer Schwung für die Lehrkräftebildung in Chemnitz: An der TU Chemnitz beginnt erstmals seit den 1990er-Jahren wieder ein Studiengang zur Ausbildung von Oberschullehrern. 45 Studierende starten am Montag in das neue Lehramtsstudium. Die Universität verbindet damit die Hoffnung, mittelfristig mehr Lehrkräfte in der Region zu halten.
Begrüßt wurden die Erstsemester von Rektor Gerd Strohmeier bei der Eröffnung des akademischen Jahres. Dazu gehörte unter anderem eine Lasershow – ein eher ungewöhnlicher Auftakt für ein Studium, bei dem sonst schnell Stundenpläne, Prüfungsordnungen und Praktikumsfragen den Ton angeben.
45 Erstsemester, viele Wege nach Chemnitz
Für Sascha Hirsch ist der Weg nach dem Abschluss noch nicht in Stein gemeißelt. Er kann sich aber vorstellen, anschließend als Oberschullehrer in der Region zu arbeiten. Seine Freundin Sophie Mann absolviert derweil ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Grundschule.
Marie Katzschner entschied sich aus einem anderen Grund für Chemnitz: Die familiäre Größe des Studiengangs gab den Ausschlag. Zwischen 45 Kommilitoninnen und Kommilitonen kennt man sich vermutlich schneller – und merkt auch schneller, wenn jemand in der Vorlesung fehlt.
Ein Rahmen für MINT und Oberschulen
Die neue Ausbildung steht im Zusammenhang mit einem Eckpunktepapier, das am 11. September 2023 Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow, Kultusminister Christian Piwarz und TU-Chemnitz-Prorektor Prof. Dr. Maximilian Eibl unterzeichneten. Ziel ist, mehr Studierende erfolgreich bis zum ersten Staatsexamen zu führen und ihnen anschließend eine berufliche Perspektive in Südwestsachsen zu bieten.
Vorgesehen sind zwei neue Schwerpunkte. Der bestehende passende Bachelorstudiengang soll so gestaltet werden, dass eine Anerkennung für das Oberschullehramt möglich wird. Außerdem prüft die TU Chemnitz einen Studiengang „Staatsexamen MINT Lehramt an Oberschulen“ – in Kooperation mit der Universität Leipzig oder der TU Dresden. Die dazugehörigen Praktika sollen in Südwestsachsen stattfinden.
Das Eckpunktepapier schafft laut TU Chemnitz erstmals einen konzeptionellen Rahmen für die Ausbildung von Oberschullehrkräften in MINT-Fächern an der Universität. Gemeint sind Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Gerade dort ist die Suche nach Lehrkräften weiterhin schwierig.
Ein weiterer Baustein heißt „Primarstufe Plus“. Die TU Chemnitz entwickelt dafür einen zweisemestrigen Masterstudiengang, der Grundschullehrkräften zusätzliche berufliche Möglichkeiten eröffnen soll. Absolventinnen und Absolventen des Grundschullehramts können zunächst im Fach Mathematik die Befähigung für das Oberschullehramt Mathematik erwerben. Auch Mathematiklehrkräfte, die bereits an Grundschulen arbeiten, sollen den Studiengang absolvieren können.
Geld für den Aufbau, Druck bei den Stellen
Für die Konzeption werden 2023 und 2024 insgesamt 285.000 Euro bereitgestellt. Für die Umsetzung ab dem Wintersemester 2024/2025 sind jährlich mehr als 530.000 Euro vorgesehen. Kultusminister Piwarz zufolge lassen sich Stellen an Grundschulen inzwischen zunehmend besetzen. Schwieriger bleibe die Lage an Oberschulen und in MINT-Fächern.
Das Maßnahmenpaket soll die Lehrkräfteausbildung attraktiver, durchlässiger und stärker an der Region ausrichten. Die zuständigen Ministerien und Universitäten wollen weitere Verbesserungen gemeinsam prüfen. Die Grundschullehramtsausbildung an der TU Chemnitz besteht bereits seit zehn Jahren.
Mit Blick auf den Mangel an MINT-Fachlehrkräften in der Region Chemnitz passt die Universität ihren entsprechenden Bachelorstudiengang an. Dadurch soll eine Anerkennung für das Lehramt an Oberschulen ermöglicht werden. Auch die Prüfung des Studiengangs „Staatsexamen MINT Lehramt an Oberschulen“ in Kooperation mit der Universität Leipzig oder der TU Dresden gehört zu diesem Vorhaben.
Sachsen hält die Studienplätze hoch
Der Bedarf ist nicht nur ein Chemnitzer Problem. In Sachsen besteht bis mindestens 2030 ein hoher Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern. Seit 2011 hat die Sächsische Staatsregierung deshalb die Studienkapazitäten erhöht, um den Einstellungsbedarf mit eigenen Lehramtsabsolventinnen und -absolventen zu decken. Im Sofortprogramm „Start 2020“ stieg die Zahl zuletzt von 2.400 auf 2.700 Studienplätze.
Dazu kamen Maßnahmen zur Verbesserung des Studienerfolgs, der Qualitätssicherung und der regionalen Verteilung. Obwohl die Zahl der Studierenden wegen geburtenschwacher Jahrgänge insgesamt sinkt, wurden die Lehramtsstudierendenzahlen stabilisiert und leicht gesteigert. Beteiligt sind die TU Dresden, die Universität Leipzig, die TU Chemnitz, die Hochschule für Musik Dresden sowie die Hochschule für Musik und Theater Leipzig.
Die hohen Studienplatzzahlen sollen beibehalten werden, ohne die Qualität des Studiums zu beeinträchtigen. Weitere Maßnahmen konzentrieren sich auf Lehrämter und Fächer, in denen bislang zu wenige Absolventinnen und Absolventen nachkommen: auf das Lehramt an Oberschulen, das Lehramt an berufsbildenden Schulen und die MINT-Fächer.
Für die regionale Ausgestaltung sollen lehrkräftebildende Universitäten außerdem mit Hochschulen für angewandte Wissenschaften zusammenarbeiten. Zum Wintersemester 2025/26 ist ein gemeinsamer Studiengang „Lehramt an Oberschulen mit Sonderpädagogik“ der Universität Leipzig und der Hochschule Zittau/Görlitz geplant. Angeboten werden soll er an Standorten der Hochschule Zittau/Görlitz.
Ein weiteres Kooperationsmodell gibt es bereits zwischen der TU Dresden, der Westsächsischen Hochschule Zwickau, der Hochschule Mittweida und der Hochschule Zittau/Görlitz. Im Studienangebot „Ingenieurpädagogik“ werden ein Ingenieurstudium an Hochschulen für angewandte Wissenschaften und pädagogische Inhalte verbunden. Danach ist ein Wechsel in das Studium für das Lehramt an berufsbildenden Schulen an der TU Dresden möglich.
In Chemnitz sitzen derweil die ersten 45 Studierenden im neuen Studiengang – mit ziemlich unterschiedlichen Vorstellungen vom späteren Berufsalltag. Manche denken an eine Schule in der Nähe, andere erst einmal an die nächste Prüfung. Und irgendwo dazwischen liegt die Hoffnung der Universität, dass aus einem Studienort auch ein beruflicher Lebensmittelpunkt wird.
