In Mecklenburg-Vorpommern bleibt die politische Stimmung in Bewegung. Kurz nach der Landtagswahl legt die AfD laut einer Insa-Umfrage im Auftrag des „Nordkuriers“ weiter zu: 39 Prozent der Befragten würden sie wählen. Bei der Landtagswahl am 20.09.2026 waren es 38,2 Prozent. Die SPD kommt nun auf 32 Prozent, nach 35,5 Prozent bei der Wahl.

Die Linke verbessert sich von 6,5 auf 9 Prozent. Die Grünen sinken leicht von 5,7 auf 5 Prozent. CDU und BSW erreichen ebenfalls jeweils 5 Prozent; beide Parteien waren bei der Landtagswahl knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Ob die derzeit verhandelte rot-rot-grüne Koalition damit eine Mehrheit hätte, bleibt deshalb offen. Schon kleine Verschiebungen können entscheiden, wer tatsächlich in den Landtag einzieht.

Schwesig bleibt im Fokus

Die online durchgeführte Insa-Umfrage umfasst 1.000 Befragte und gilt als repräsentativ. Die statistische Fehlertoleranz liegt laut Insa bei plus/minus 3,1 Prozentpunkten. Zahlen nahe der Fünf-Prozent-Marke sollte man also nicht wie in Stein gemeißelt behandeln.

Auch die politische Zukunft von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig wurde abgefragt. Einen Wechsel in die Bundespolitik und einen SPD-Bundesvorsitz lehnen 42 Prozent eher oder klar ab: 20 Prozent sind eher dagegen, 22 Prozent absolut dagegen. 39 Prozent befürworten einen SPD-Bundesvorsitz Schwesigs, davon 18 Prozent eher und 21 Prozent absolut.

Bei einer möglichen Kanzlerkandidatur Schwesigs für die planmäßig 2029 stattfindende Bundestagswahl fällt das Bild ähnlich gemischt aus. 45 Prozent sprechen sich eher oder klar dagegen aus: 16 Prozent eher, 29 Prozent absolut. 39 Prozent würden eine Kandidatur befürworten, 21 Prozent mäßig und 18 Prozent stark. Warum Befragte eine Kanzlerkandidatur ablehnen, erfasste die Umfrage nicht.

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Schwesig hatte im Landtagswahlkampf erklärt, für eine weitere Amtszeit in Schwerin bleiben zu wollen und nicht für Parteiämter in Berlin zur Verfügung zu stehen. Der Berliner Ruf gehört damit vorerst eher ins Reich der Umfragefragen als in ihren eigenen Terminkalender.

Eine zweite Umfrage, ein anderes Kräfteverhältnis

Eine am 17.09.2026 veröffentlichte Wahlumfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF-Politbarometers zeichnet ein anderes Bild. Befragt wurden zwischen dem 14. und 17.09.2026 telefonisch und online 1.395 Wahlberechtigte. 21 Prozent waren unentschlossen oder wollten nicht wählen. Die Fehlertoleranz lag bei etwa 1 bis 3 Prozentpunkten, die durchschnittliche Abweichung der Balken bei ±1,2 Prozentpunkten.

In dieser Sonntagsfrage lag die SPD bei 37 Prozent, drei Punkte mehr als am 11.09.2026. Die AfD kam auf 36 Prozent, ein Punkt weniger. Die Linke erreichte 9 Prozent, ebenfalls ein Minus von einem Punkt. Die CDU lag bei 6 Prozent, ein Punkt weniger, die Grünen unverändert bei 5 Prozent. Das BSW blieb bei 4 Prozent, die Sonstigen bei 3 Prozent.

Die theoretische Sitzverteilung wurde nach Hare/Niemeyer berechnet. Der Landtag hat mindestens 71 Sitze; berücksichtigt wurden Parteien mit mehr als fünf Prozent. Überhang- und Ausgleichsmandate blieben außen vor. SPD und AfD kämen zusammen auf 55 von 71 Sitzen, also 77,5 Prozent.

  • SPD + AfD: 55 Sitze (77,5 %)
  • SPD + Linke + CDU: 40 Sitze (56,3 %)
  • SPD + Linke + Grüne: 39 Sitze (54,9 %)
  • AfD + Linke + CDU: 39 Sitze (54,9 %)
  • AfD + Linke + Grüne: 38 Sitze (53,5 %)
  • SPD + CDU + Grüne: 37 Sitze (52,1 %)
  • AfD + CDU + Grüne: 36 Sitze (50,7 %)
  • SPD + Linke: 35 Sitze (49,3 %)
  • SPD + CDU: 33 Sitze (46,5 %)
  • SPD + Grüne: 32 Sitze (45,1 %)
  • AfD + CDU: 32 Sitze (45,1 %)

Die Berechnungen können sich ändern, wenn Parteien die Fünf-Prozent-Hürde nicht schaffen oder das BSW beziehungsweise andere Parteien sie erreichen. Genau dort wird es politisch ungemütlich: Ein Prozentpunkt auf dem Papier kann in Schwerin schnell über Sitze und Koalitionsmöglichkeiten entscheiden.

Der Blick zurück macht den AfD-Sprung sichtbar

Im Vergleich zur Landtagswahl 2021 hat die AfD 2026 von 16,7 auf 38,2 Prozent zugelegt, ein Plus von 21,5 Punkten. Die SPD fiel von 39,6 auf 35,5 Prozent, also um 4,1 Punkte. Die Linke sank von 9,9 auf 6,5 Prozent, die Grünen von 6,3 auf 5,7 Prozent. Die CDU verlor besonders stark: von 13,3 auf 4,9 Prozent, ein Minus von 8,4 Punkten.

Das BSW trat 2021 noch nicht an und erreichte 2026 4,8 Prozent. Die Tierschutzpartei kam auf 1,1 Prozent nach 1,7 Prozent im Jahr 2021. Die FDP fiel von 5,8 auf 1,0 Prozent.

Die Chronik der Forschungsgruppe Wahlen zeigt, wie schnell sich die Werte verändern können. Am 17.09.2026 wurden SPD 37, AfD 36, CDU 6, Linke 9, Grüne 5, BSW 4 und Sonstige 3 Prozent ausgewiesen. Am 11.09.2026 waren es SPD 34, AfD 37, CDU 7, Linke 10, Grüne 5, BSW 4 und Sonstige 3 Prozent.

Am 23.09.2021 lag die SPD bei 39 Prozent, die AfD bei 16, die CDU bei 14, die Linke bei 11, die Grünen bei 7, die FDP bei 5,5 und die Sonstigen bei 7,5 Prozent. Am 17.09.2021 wurden SPD 38, AfD 17, CDU 15, Linke 11, Grüne 6, FDP 6 und Sonstige 7 Prozent gemessen. Noch am 02.09.2016 standen SPD und AfD bei 28 beziehungsweise 22 Prozent, die CDU bei 22, die Linke bei 13, die Grünen bei 6, die FDP bei 3 und die Sonstigen bei 6 Prozent. Am 26.08.2016 waren es SPD 28, AfD 21, CDU 22, Linke 13, Grüne 6, NPD 3 und Sonstige 7 Prozent.

Bei früheren Forschungsgruppe-Wahlen-Umfragen lag die mittlere Abweichung bei den letzten ausgewerteten Wahlen bei 1,2 Prozentpunkten. Die maximale Abweichung betrug 5,8, die minimale 0 Prozentpunkte. Am geringsten war die durchschnittliche Abweichung bei der Landtagswahl in Bayern mit 0,6 Punkten, am höchsten bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 2,41 Punkten. Ausgewertet wurde jeweils die letzte Umfrage innerhalb von 30 Tagen vor der Wahl.

Wahlumfragen bilden die politische Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung ab, sie sind keine Prognosen. Rohdaten werden unter anderem nach Parteibindung, politischen Grundüberzeugungen, taktischen Überlegungen und früheren Wahlergebnissen gewichtet. Der statistische Fehler liegt typischerweise bei etwa 1 bis 3 Prozentpunkten. An der Universität Leipzig bleibt damit vor allem eine Frage auf dem Tisch: Wie stabil sind die Zahlen, wenn die nächste politische Kurve kommt?