In den USA schließen am 4. November 2026 die ersten Wahllokale für die Kongresswahlen. In Teilen von Indiana und Kentucky endet die Stimmabgabe um 18:00 Uhr Ortszeit – das entspricht 00:00 Uhr MEZ. Für Wählerinnen und Wähler in Bielefeld heißt das: Während hier der Abend beginnt, läuft die Abstimmung in anderen Teilen der Vereinigten Staaten noch lange weiter.

Der Grund sind die mehreren US-Zeitzonen. In weiten Teilen Alaskas und auf Hawaii bleiben die Wahllokale bis 06:00 Uhr MEZ geöffnet. Erste Ergebnisse werden im Laufe der Nacht erwartet. Wann die Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus und im Senat feststehen, ist allerdings offen. Bei einem knappen Ergebnis kann sich die Entscheidung über mehrere Tage ziehen.

Republikanische Mehrheit steht auf dem Spiel

Bei den Midterms steht die knappe republikanische Mehrheit in beiden Kongresskammern auf dem Spiel. Die Wahlen gelten als Stimmungstest für Präsident Donald Trump – rund zwei Jahre nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus. Umfragen stellen eine mögliche Niederlage der Republikaner in Aussicht, Trump selbst zeigt sich dennoch zuversichtlich.

Die Wahlbeteiligung zeichnet sich als hoch ab. Laut Election Lab der University of Florida stimmten bereits fast 61 Millionen Menschen vor dem Wahltag ab. Bei den Midterms 2022 waren es knapp 46 Millionen Wählerinnen und Wähler. Das ist ein deutlicher Unterschied, noch bevor die Stimmen aus den Wahllokalen dazukommen.

Das US-Parlament besteht aus Repräsentantenhaus und Senat. Bei den Zwischenwahlen werden alle Sitze im Repräsentantenhaus und rund ein Drittel der Sitze im Senat neu vergeben. Beide Kammern sind am Gesetzgebungsverfahren beteiligt, ihre politischen Gewichte funktionieren aber ziemlich verschieden.

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435 Wahlkreise, 100 Senatoren

Das Repräsentantenhaus wird alle zwei Jahre vollständig neu gewählt. Die Kammer umfasst 435 Abgeordnete, die einzelne Wahlkreise vertreten. Wie viele Abgeordnete ein Bundesstaat entsendet, richtet sich nach seiner Einwohnerzahl. In der Regel gewinnt die Person mit den meisten Stimmen im Wahlkreis. In Georgia und Louisiana kann es jedoch zu Stichwahlen kommen, wenn niemand mehr als 50 Prozent erreicht.

Derzeit haben die Republikaner im Repräsentantenhaus die Mehrheit. Die Mehrheitspartei bestimmt die politische Agenda und stellt den Vorsitz. Das US-Mehrheitswahlrecht begünstigt dabei große Parteien gegenüber kleineren – ein Umstand, der kleinere politische Angebote schnell an den Rand drängt.

Im Senat wird rund ein Drittel der 100 Sitze alle zwei Jahre für jeweils sechs Jahre neu gewählt. 2026 kommen zwei Nachwahlen hinzu; in insgesamt 35 Bundesstaaten wird jeweils ein neuer Senatssitz vergeben. Auch dort haben die Republikaner derzeit die Mehrheit.

Jeder der 50 Bundesstaaten entsendet zwei Senatoren, unabhängig von seiner Bevölkerungszahl. Wyoming mit rund 588.000 Einwohnern stellt damit genauso viele Senatoren wie Kalifornien mit rund 39 Millionen Einwohnern. Der Senat bestätigt unter anderem Regierungsmitglieder und Richter des Supreme Courts. Senatoren haben längere Amtszeiten und können unter bestimmten Umständen allein die Verabschiedung von Gesetzen blockieren.

Bei einem Abstimmungsergebnis von 50:50 entscheidet die Stimme des Vorsitzenden; standardmäßig ist das der Vizepräsident, derzeit der Republikaner JD Vance.

Warum „Calls“ nicht dasselbe sind wie das Endergebnis

Eine zentrale US-Wahlbehörde, die nach Schließung der Wahllokale landesweit Live-Ergebnisse veröffentlicht, gibt es nicht. Die Nachrichtenagentur Associated Press, kurz AP, verfolgt die Auszählung, sammelt Ergebnisse und erklärt Sitze für entschieden. Das ZDF übernimmt die AP-Daten und die sogenannten „Calls“ über die Deutsche Presse-Agentur, dpa.

Ein „Call“ bedeutet, dass Medien einen Staat oder Sitz aufgrund vorliegender Ergebnisse und Hochrechnungen als entschieden einstufen, obwohl noch nicht alle Stimmen ausgezählt sind. Vollständige Auszählungen können teilweise mehrere Wochen dauern. Die ersten Wahllokale schließen um 0 Uhr deutscher Zeit am 4. November.

Das ZDF berichtet in mehreren Sendungen über die Midterms, unter anderem im „heute journal“ am 3. November 2026 ab 21:45 Uhr. An der Uni Bielefeld dürfte der Blick in dieser Nacht bei vielen trotzdem eher auf Laptopbildschirme als auf die Uhr gehen.

Midterms als politischer Stimmungstest

Zwischenwahlen, auf Englisch Midterm Elections, finden alle vier Jahre zur Mitte der vierjährigen Amtszeit des Präsidenten statt. Der Wahltermin ist der bundesweite Wahltag: der Dienstag nach dem ersten Montag im November. Gewählt werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie ein turnusmäßiger Teil des Senats, also 33 oder 34 der insgesamt 100 Sitze. Für 2026 gelten zusätzlich die genannten zwei Nachwahlen.

In vielen Bundesstaaten stehen gleichzeitig weitere Wahlen an: Gouverneurswahlen, Wahlen zu den Parlamenten der Bundesstaaten, Abstimmungen über weitere staatliche Ämter und Wahlen von County-Verwaltungen. In 34 der 50 Bundesstaaten werden die Gouverneure im Vierjahresrhythmus gleichzeitig mit den Zwischenwahlen gewählt. Vermont und New Hampshire wählen ihre Gouverneure alle zwei Jahre – also sowohl bei Präsidentschafts- als auch bei Zwischenwahlen.

Midterms können die Mehrheitsverhältnisse im Kongress verändern und werden häufig als politischer Stimmungstest für die Bundesregierung in der zweiten Hälfte der Präsidentschaft betrachtet. Häufig verliert die Partei des Präsidenten zwei Jahre nach dessen Wahl Sitze im Kongress. Sicher ist das aber keineswegs.

Nach der Präsidentschaftswahl 2000 hatten die Republikaner im Repräsentantenhaus und die Demokraten im Senat jeweils eine knappe Mehrheit. Der Republikaner George W. Bush wurde Präsident. Bei den Zwischenwahlen 2002 erzielten die Republikaner in beiden Kammern deutliche Zugewinne und gewannen die Mehrheit im Senat zurück.

Nach George W. Bushs Wiederwahl 2004 verfügten die Republikaner über Mehrheiten in beiden Kongresskammern. Bei den Zwischenwahlen 2006 übernahmen die Demokraten in beiden Kammern die Mehrheit. Wenn eine Partei bei einer Wahl überdurchschnittlich viele Mandate hinzugewinnt, wird das als Wave Election bezeichnet. Eine solche Verschiebung kann auch gleichzeitig mit einer Präsidentschaftswahl auftreten.

Historisch war der Ausgang nicht immer sofort so eindeutig, wie er auf den ersten Blick schien. Die Wahlen von 1930 ergaben zunächst eine knappe republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus. Vor der Konstituierung des 72. Kongresses starben jedoch mehrere gewählte Abgeordnete. Nach Nachwahlen konnten die Demokraten die Kammer mit Unterstützung weiterer Abgeordneter organisieren.

Bis zur Ratifizierung des 17. Zusatzartikels zur US-Verfassung im Jahr 1913 wurden Senatoren grundsätzlich von den Parlamenten der Bundesstaaten bestimmt. 1914 fanden erstmals sämtliche regulären Senatswahlen als Volkswahlen statt. Historische Übersichten zu Parteizugehörigkeiten und Mehrheitsverhältnissen stammen unter anderem aus den Archiven des Repräsentantenhauses und des Senats.

Bei Angaben zu Sitzveränderungen wird verglichen, wie viele Sitze die Partei des amtierenden Präsidenten bei der jeweiligen Wahl gegenüber ihrem Ergebnis bei der vorherigen allgemeinen Wahl gewann. Die Angaben beziehen sich auf die unmittelbaren Wahlergebnisse und die Mehrheitsverhältnisse im jeweils folgenden Kongress. In der Wahlnacht selbst bleibt deshalb einiges vorläufig – und irgendwo zwischen Indiana, Hawaii und Alaska wird noch abgestimmt.