In den USA stehen am 3. November 2026 die Zwischenwahlen an – ziemlich genau zur Hälfte der Amtszeit von Präsident Donald Trump. Für die Regierung sind diese Midterms mehr als ein Pflichttermin im Kalender: Sie gelten als Stimmungstest und könnten die Machtverhältnisse im Kongress verschieben.

Trump selbst steht dabei nicht zur Wahl. Trotzdem kann das Ergebnis seinen politischen Handlungsspielraum empfindlich verändern. Die Demokraten hoffen, im Kongress eine Mehrheit oder zumindest eine deutlich stärkere Stellung zu gewinnen und Trumps politische Agenda auszubremsen. Die Republikaner wiederum wollen ihre Macht ausbauen oder wenigstens festigen. Die politische Landschaft ist stark polarisiert, und laut dem zugrunde liegenden Bericht lehnt eine Mehrheit der Bevölkerung Trumps Arbeit als Präsident seit einiger Zeit ab.

Ein Zwischenzeugnis für Trump

Bei den Wahlen 2024 gewannen die Republikaner die Präsidentschaft sowie Mehrheiten in beiden Kongresskammern. Nun wird sich zeigen, ob diese Konstellation trägt. Gewählt werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus, außerdem 33 der 100 Senatssitze sowie zwei Sitze in Nachwahlen.

Im Repräsentantenhaus wird alle zwei Jahre die gesamte Kammer neu bestimmt. Die 435 Abgeordneten vertreten Wahlkreise; bevölkerungsreichere Bundesstaaten stellen mehr Abgeordnete. Aktuell verfügen die Republikaner knapp über die Mehrheit: 218 Republikaner stehen 214 Demokraten gegenüber, dazu kommen zwei freie Sitze und ein unabhängiger Abgeordneter, der den Republikanern nahesteht. Die Mehrheitspartei bestimmt die politische Agenda und den Vorsitz der Kammer – dort entscheidet sich also schnell, in welche Richtung der politische Zug fährt.

Anders funktioniert der Senat. Jeder der 50 Bundesstaaten stellt zwei Senatoren, unabhängig von der Einwohnerzahl. Wyoming hat damit ebenso viele Senatoren wie Kalifornien. Der Senat bestätigt unter anderem Regierungsmitglieder und Richter des Supreme Courts. Bei einem Stimmenstand von 50:50 entscheidet die Stimme des Vorsitzenden, normalerweise des Vizepräsidenten JD Vance.

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Derzeit sitzen 53 Republikaner, 45 Demokraten und zwei unabhängige Senatoren im Senat, die den Demokraten nahestehen. Von den 33 regulär zur Wahl stehenden Sitzen werden momentan 22 von Republikanern und 13 von Demokraten gehalten. Bei Kongresswahlen gilt in den USA das Mehrheitswahlrecht, was die großen Parteien begünstigt.

Geschichte, Spaltungen und der Blick über den Atlantik

Wie tief die Konflikte reichen, welche historischen Grundlagen die Vereinigten Staaten prägen und welche Folgen die Zwischenwahlen für die transatlantischen Beziehungen haben könnten, soll Prof. Dr. Manfred Berg einordnen. Der Historiker von der Universität Heidelberg ist Experte für die Geschichte der Vereinigten Staaten.

Sein Buch „Amerikas Demokratie: Eine kurze Geschichte von der Unabhängigkeit bis Donald Trump“ erschien am 16. Mai 2026 bei Klett-Cotta. Das Gespräch mit Berg wird von Jens Wolters moderiert. Die Ausstrahlung bei „SWR1 Leute“ ist für den 4. November 2026 in SWR1 Baden-Württemberg geplant – also am Tag nach der Wahl, wenn die ersten Ergebnisse und langen Nächte bereits ihre Spuren hinterlassen haben.

Zwischenwahlen, auf Englisch „Midterm Elections“, finden alle vier Jahre zur Mitte der vierjährigen Amtszeit eines Präsidenten statt. Sie können die Mehrheitsverhältnisse im Kongress verändern und gelten als politischer Stimmungstest für die amtierende Bundesregierung in der zweiten Hälfte der Präsidentschaft. Häufig verliert die Partei des Präsidenten zwei Jahre nach der Präsidentschaftswahl Sitze.

Das ist allerdings keine eiserne Regel. Nach den Wahlen von 2000 hatten die Republikaner eine knappe Mehrheit im Repräsentantenhaus, während die Demokraten knapp im Senat führten; der Republikaner George W. Bush wurde zum Präsidenten gewählt. Bei den Zwischenwahlen 2002 gewannen die Republikaner in beiden Kammern deutlich hinzu und erlangten die Mehrheit im Senat zurück. Nach Bushs Wahlsieg 2004 kontrollierten sie beide Kongresskammern, 2006 übernahmen dann die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat. Ein überdurchschnittlich großer Mandatsgewinn einer Partei heißt „Wave Election“ – eine politische Welle, die sogar gleichzeitig mit einer Präsidentschaftswahl auftreten kann.

Mehr als nur Kongresspolitik

In vielen Bundesstaaten stehen am selben Tag weitere Entscheidungen an: Gouverneurswahlen, Wahlen zu den Parlamenten der Bundesstaaten sowie Abstimmungen über staatliche und kommunale Ämter. Viele Bundesstaaten wählen außerdem ihre County-Verwaltungen. 34 der 50 Bundesstaaten bestimmen ihre Gouverneure alle vier Jahre zeitgleich mit den Zwischenwahlen. Vermont und New Hampshire wählen ihre Gouverneure sogar alle zwei Jahre – jeweils zusammen mit Präsidentschafts- und Zwischenwahlen.

Auch historisch hat sich das Verfahren verändert. Bis zur Ratifizierung des 17. Zusatzartikels zur US-Verfassung im Jahr 1913 wurden Senatoren grundsätzlich von den Parlamenten der Bundesstaaten bestimmt. 1914 fanden erstmals alle regulären Senatswahlen als Volkswahlen statt.

Bei historischen Angaben zu Sitzveränderungen wird verglichen, wie viele Sitze die Partei des amtierenden Präsidenten bei der aktuellen Wahl gewann, verglichen mit ihrem Ergebnis bei der vorherigen allgemeinen Wahl. Die Angaben zur Kontrolle des Repräsentantenhauses und des Senats beziehen sich auf den jeweils folgenden Kongress. Das kann in der Rückschau für manche Stolperstelle sorgen: Die Wahlen von 1930 ergaben zunächst eine knappe republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus. Nach dem Tod mehrerer gewählter Abgeordneter und anschließenden Nachwahlen konnten die Demokraten die Kammer mit Unterstützung weiterer Abgeordneter organisieren.

Für den Beitrag verantwortlich ist Tobias Schwerdt. Erstveröffentlicht wurde er am 29. Oktober 2026 um 9:28 Uhr. Heute, am 31.10.2026, richtet sich der Blick an der Uni Heidelberg bereits auf die Frage, ob Trumps Zwischenzeugnis in ein paar Tagen eher blau, rot – oder ziemlich zerknittert ausfällt.