Hamburger Schülerinnen und Schüler bekommen Anfang 2027 Wissenschaft aus erster Hand: Beim Format „Wir wollen’s wissen“ kommen Forschende direkt in Klassenzimmer und sprechen mit Jugendlichen über ihre eigenen Forschungsthemen. Auf dem Tisch liegen Fragen, die ziemlich nah am Alltag sind – etwa, wie künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändert, welche Kompromisse Demokratien brauchen, warum Schlafprobleme zunehmen oder was die Tiefsee mit dem Klima zu tun hat.

Das Angebot der Universität Hamburg richtet sich grundsätzlich an Schulklassen ab Jahrgangsstufe 9. Einige Vorträge sind auch für die Klassenstufen 7 und 8 geeignet; sie sind im Programm entsprechend gekennzeichnet. Die Teilnahme ist für Schulen kostenlos. Lehrkräfte können Veranstaltungen ab sofort über die Website der Universität buchen und sich dort außerdem für eine Terminerinnerung zu „Wir wollen’s wissen“ sowie für Veranstaltungshinweise der Universität Hamburg anmelden.

Zwei Schulwochen, rund 250 Termine

Die Veranstaltungen finden vom 18. bis 22. Januar sowie vom 1. bis 5. Februar 2027 an Hamburger Stadtteilschulen und Gymnasien statt. Rund 75 Vortragende bieten insgesamt etwa 250 Termine an. Vortrag und Austausch dauern zusammen eine Doppelstunde beziehungsweise zwei Schulstunden – genug Zeit also, damit es nicht bei einem Vortrag von vorne bleibt.

Vorab stimmen die Vortragenden Aufbau und Inhalte mit den Lehrkräften ab. Die Beiträge orientieren sich am Kenntnisstand der jeweiligen Klassen oder Kurse und werden an die Zielgruppe angepasst. Teilweise kommen Experimente dazu. Anschließend können die Jugendlichen mit den Referentinnen und Referenten über das Forschungsthema sprechen oder ganz allgemeine Fragen zur Wissenschaft loswerden – auch solche, die man sich im Hörsaal vielleicht nicht sofort trauen würde.

Das Themenspektrum reicht von Biologie, Chemie, Geowissenschaften, Geschichte, Informatik, Kunst und Mathematik über Pädagogik, Politik-Gesellschaft-Wirtschaft, Philosophie, Physik und Psychologie bis zu Religion, Sprachen und Theater. Auch Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie weitere Natur-, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften sind vertreten. Die Vorträge behandeln aktuelle Forschung, die Forschenden bringen dabei ihre eigenen Themen mit.

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Von der Universität bis zur Tiefsee

Beteiligt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hamburg, des Deutschen Elektronen-Synchrotrons DESY, des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie sowie des Leibniz-Instituts für Virologie. Auf diese Weise landen sehr unterschiedliche Forschungswelten im Klassenzimmer: von mathematischen Fragen bis zu medizinischen Themen, von gesellschaftlichen Debatten bis zum Blick in die Tiefsee.

„Wir wollen’s wissen“ wird seit 2018 angeboten. Das Format ist Teil der Exzellenzstrategie der Universität Hamburg und soll den Austausch zwischen Universität und Öffentlichkeit stärken. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern. Weitere Informationen und die Anmeldung stehen unter www.uni-hamburg.de/wissen-fuer-alle/wir-wollens-wissen.html.

Wissenschaftskommunikation braucht viele Wege

Das Hamburger Schulformat steht in einem größeren Feld: Wissenschaft wird längst nicht nur über Fachzeitschriften oder Konferenzen vermittelt. Die Andrea von Braun Stiftung fördert grenzüberschreitende Zusammenarbeit und den Austausch zwischen unterschiedlichen Fach- und Wissensgebieten sowie Nachhaltigkeit. Dabei bezieht sie akademische Disziplinen, Kunst, Kultur, Handwerk und traditionelles beziehungsweise überliefertes Wissen und Können ein.

Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, kurz BMFTR, unterstützt Wissenschaftskommunikation vorwiegend im Rahmen der Wissenschaftsjahre. Jedes Jahr gibt es ein Schwerpunktthema; 2026 steht die „Medizin der Zukunft“ im Mittelpunkt. Die Carl-Zeiss-Stiftung befürwortet die öffentliche Kommunikation geförderter Projektergebnisse und stellt ihren Förderpartnern dafür zusätzliche Mittel über das Modul „CZS Wissenschaftskommunikation“ bereit.

Auch andere Einrichtungen setzen eigene Akzente. Die Daimler und Benz Stiftung fördert einmalig die Konzeption und Durchführung einer Veranstaltung zum Thema „Innovative Wissenschaftsvermittlung“ mit bis zu 30.000 Euro. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt unterstützt lösungsorientierte Projekte zum Umweltschutz, besonders von kleinen und mittleren Unternehmen in Umwelttechnik, Umweltforschung und Umweltkommunikation sowie im Natur- und Kulturgüterschutz.

Bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft werden im Wettbewerb die besten Forschungsvorhaben an Hochschulen und Forschungsinstituten ausgewählt und finanziert. Im Rahmen dieser Forschungsförderung kann zusätzlich ein Budget für Kommunikation beantragt werden. Die Europäische Union fördert Forschung und Innovation über ihr Rahmenprogramm; „Horizon Europa“ ist die zentrale EU-Initiative für Forschung und Entwicklung und unterstützt wissenschaftliche Forschung, Innovation und Technologietransfer in Europa.

Für den Journalismus gibt es beim Heidelberger Institut für Theoretische Studien das Programm „Journalist in Residence“, das Wissenschaftsjournalismus fördert. Die Klaus Tschira Stiftung widmet sich Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik sowie der Wertschätzung für diese Fächer – vom Kindergarten über Schulen und Hochschulen bis zu Forschungseinrichtungen.

Die MVV Stiftung Zukunft unterstützt Projekte zur Energiewende, darunter Vorhaben zu Klimaschutz und nachhaltiger Energieversorgung. Außerdem fördert sie neue Formen der Beteiligung der Zivilgesellschaft am Transformationsprozess hin zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Die Schader-Stiftung arbeitet seit rund 30 Jahren an der Förderung der Gesellschaftswissenschaften. Ihr Ziel: mehr Praxisbezug und ein stärkerer Dialog mit der Praxis, unter anderem über das Schader-Forum in Darmstadt.

Die VolkswagenStiftung fördert Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftstransfer von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die im Rahmen einer Förderinitiative der Stiftung unterstützt werden. „Wissenschaft im Dialog“ wiederum lädt im Hochschulwettbewerb junge Forschende aller Fachrichtungen ein, kreative und interaktive Ideen zur Wissenschaftskommunikation einzureichen. In Hamburg geht es derweil ganz bodenständig weiter: Klassenzimmertür auf, Forschende rein, Fragen raus.