Zum Beginn der Vorlesungszeit an der TU Berlin ist die Wohnungssuche für viele Studierende noch lange nicht vorbei. Besonders Erstsemester geraten zwischen Studienzusage und dem Einzug in eine dauerhafte Wohnung unter Druck. Sie konkurrieren ohne Ortskenntnisse auf einem angespannten Markt – mitunter direkt nach der Anreise, während der Koffer noch im Flur steht.

Eine vorübergehende Entlastung soll ein erweitertes Wohnstipendienprogramm von Airbnb und der Technischen Universität Berlin bringen. Bis zu 250 neu zugezogene Erstsemester erhalten Gutscheine für befristete Unterkünfte, bevorzugt in Privatzimmern. Airbnb erhöht dafür die Fördersumme auf 400.000 Euro. Gestartet war das Programm im vergangenen Wintersemester; nun steht es Erstsemestern aller Fachrichtungen aus dem In- und Ausland offen.

Ein paar Wochen Luft

Die geförderten Studierenden sollen einige Wochen sicher wohnen können, Besichtigungen wahrnehmen und in Ruhe nach einem dauerhaften Zimmer suchen. Rechnerisch entfallen auf jede und jeden bis zu 1.600 Euro. Angesichts der Preise für Kurzzeitunterkünfte reicht das allerdings nur für eine Übergangszeit. Für viele andere bleiben Massenbesichtigungen, Zwischenmieten und die Suche nach freien Zimmern.

Beim Studierendenwerk Berlin warten mehr als 3.300 Studierende auf einen Wohnheimplatz. Im Wintersemester 2025/26 studierten mehr als 200.000 Menschen in Berlin, dem standen knapp 10.000 Wohnheimplätze des Studierendenwerks gegenüber. Die durchschnittliche Wohnheimmiete beträgt 352 Euro inklusive Strom und Internet. Neue Studentenwohnungen an mehreren Standorten ändern daran bislang wenig: Die Nachfrage übersteigt das Angebot weiterhin deutlich.

Politisch umstritten sind auch Kurzzeitvermietungen. Plattformen müssen seit diesem Jahr monatlich Daten zu Kurzzeitvermietungen an die Bundesnetzagentur melden. In einer von Airbnb beauftragten EU-weiten Umfrage nannten 24 Prozent der Befragten Ausbildung oder Studium als Grund für die Nutzung einer Kurzzeitunterkunft; 27 Prozent suchten eine langfristige Wohnung.

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Warteliste, Neubau und ein bisschen Bewegung

Die Zahlen des Studierendenwerks für 2024 zeigen eine hohe, wenn auch gegenüber 2023 gesunkene Nachfrage. Zum 1. Februar warteten 3.890 Studierende auf einen Platz, im Vergleichsmonat 2023 waren es 4.514. Zum 1. Oktober stieg die Zahl auf 4.598, blieb aber unter dem Vorjahreswert von 4.929. Als möglicher Zusammenhang wird das gestiegene Angebot durch neue Berlinovo-Wohnheimplätze genannt. Der operative Leerstand lag 2024 bei 4,9 Prozent und war durch Sanierungen bedingt.

Am Aristotelessteig ist ein Neubau mit 176 Wohnheimplätzen geplant. 2024 wurde die grundsätzliche Förderfähigkeit im Programm „Junges Wohnen“ anerkannt. Das Land stellte 11,96 Mio. Euro aus SIWA-Mitteln in Aussicht. Die restliche Finanzierung soll über ein zinsfreies Darlehen beziehungsweise einen Baukostenzuschuss erfolgen. Noch Voraussetzung ist der Erbbaurechtsvertrag, der 2024 zwischen den zuständigen Senatsressorts abgestimmt wurde.

Währenddessen lief der Betrieb nicht immer geräuschlos. Im Mittelpunkt standen die Sicherung der Wohnqualität und die Betriebssicherheit. Zu Jahresbeginn wurden Schädlingsbefälle bekämpft, in mehreren Wohnheimen kam es zu Einbrüchen. Im Sommer und Herbst häuften sich Diebstähle im Osten Berlins, darunter der Diebstahl von Feuerlöscharmaturen. Der Schaden belief sich auf mehrere hunderttausend Euro. Technische Sicherungen wurden verstärkt, die Mieterinnen zu erhöhter Aufmerksamkeit aufgefordert.

Wer dort wohnt – und was es kostet

89 Prozent der vermieteten Einheiten waren 2024 möbliert. Die Durchschnittsmiete lag bei 336,56 Euro, nach 346,59 Euro im Jahr 2023. Je nach Ausstattung und Sanierungsstand kosteten die Plätze zwischen 210 und 573 Euro. Insgesamt wurden 9.985 Mietverträge abgeschlossen, darunter 5.137 Folgemietverträge.

79,9 Prozent der Bewohnerinnen stammten aus dem Ausland. Die größten Herkunftsgruppen waren Asien mit 38,7 Prozent, die EU einschließlich Deutschland mit 30,1 Prozent und Afrika mit 15,4 Prozent. Die durchschnittliche Wohndauer stieg auf 2,76 Jahre, gegenüber 2,55 Jahren im Jahr 2023. Für manche wird aus dem Übergang also doch ein längerer Abschnitt – bis der Berliner Wohnungsmarkt sie wieder loslässt.

Der größere Berliner Engpass

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen hat den Wohnraumbedarfsbericht 2025 veröffentlicht. Er untersucht die Entwicklung des Berliner Wohnungsmarkts und richtet den Blick unter anderem auf die Wohnraumversorgung von Empfängerinnen und Empfängern von Transferleistungen, Haushalte mit niedrigem Einkommen sowie Personen mit spezifischem Wohnbedarf.

Laut Bericht reicht das derzeitige Wohnungsangebot nicht aus, um die Nachfrage der verschiedenen Zielgruppen zu decken. Für mehr bezahlbaren Wohnraum seien neben Maßnahmen zum Mieterschutz weitere Bauvorhaben erforderlich. Landeseigene Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften und private Projektentwickler sollen weiterhin bezahlbare Wohnungen in allen Berliner Stadtteilen bauen. An der TU Berlin klingt das für viele Erstsemester erst einmal weit weg – während sie im nächsten Besichtigungsflur schon wieder ihre Unterlagen aus der Tasche kramen.