Würzburg lädt am Samstag, 3. Oktober 2026, zu kostenlosen Themenführungen durch die Forschungs- und Wissenslandschaft der Stadt ein. Anlass ist das Jubiläum „125 Jahre Nobelpreis“. Am 2. Oktober 2026 entscheidet die Exzellenzkommission außerdem über bis zu fünf zusätzliche Exzellenzstandorte im Rahmen der Exzellenzstrategie. Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg beteiligt sich aktuell an der Bewerbung im Exzellenzwettbewerb.

Unabhängig vom Ausgang dieser Entscheidung will die Stadt zeigen, welchen Stellenwert Würzburg als Standort für Spitzenforschung, Wissenschaft und Zukunftstechnologien hat. Der Thementag bringt Innovation und Wissenschaft in die Innenstadt – nicht im Hörsaal, sondern zwischen Häuserfassaden, Mainbrücke und Stadtverkehr.

Von Röntgen bis Stadtentwicklung

Zwischen 10 und 16 Uhr starten jeweils zur vollen Stunde kostenlose Rundgänge am Falkenhaus. Eine Führung dauert zwei Stunden und wird von geschulten Gästeführerinnen und Gästeführern geleitet. Auf dem Programm stehen Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft sowie Stadtentwicklung.

Die Route führt unter anderem zur Röntgengedächtnisstätte und endet mit einem „Brückenshoppen“ auf der Alten Mainbrücke. Wer mitgehen möchte, sollte nicht einfach spontan auftauchen: Die Teilnehmerzahl ist aus logistischen Gründen begrenzt, die Vergabe erfolgt nach dem Prinzip „First come, first serve“. Eine vorherige Online-Buchung ist erforderlich.

Der historische Bezug liegt auf der Hand. Wilhelm Conrad Röntgen entdeckte am 8. November 1895 im Physikalischen Institut der Universität Würzburg die „X-Strahlen“, die im Deutschen später nach ihm „Röntgenstrahlen“ genannt wurden. 1901 erhielt der deutsche Physiker und Hochschullehrer dafür den ersten Nobelpreis für Physik.

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Der Mann hinter den Strahlen

Röntgen wurde am 27. März 1845 in Lennep, heute ein Stadtbezirk von Remscheid, geboren und starb am 10. Februar 1923 in München. Er war das einzige Kind des Tuchfabrikanten und Tuchhändlers Friedrich Conrad Röntgen und dessen aus Amsterdam stammender Ehefrau Charlotte Constanze, geborene Frowein. Nach eigenen Angaben war er mit dem Schreinermeister Abraham Roentgen und dessen Sohn David Roentgen verwandt.

1848 zog die Familie nach Apeldoorn in die Niederlande. Bis 1861 besuchte Röntgen dort Primar- und Sekundarschulen, bis 1862 eine private Grundschule des Lehrers Martinus Herman van Doorn. Im Dezember 1862 ging er nach Utrecht und besuchte ab 1863 eine private technische Vorbereitungsschule. Eine irrtümliche Beschuldigung, eine Karikatur seines Klassenlehrers angefertigt zu haben, führte dazu, dass er ohne Abschluss verwiesen wurde. Die niederländische Universitätszulassungsprüfung „examen admissionis“ bestand er anschließend nicht.

Als Gasthörer belegte er 1865 an der Universität Utrecht Kurse in Biologie, Mathematik, Physik und Chemie. Am 23. November 1865 begann er an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Sein Diplom als Maschinenbauingenieur erhielt er dort am 6. August 1868. Danach studierte er bei August Kundt Physik, arbeitete als dessen Assistent und promovierte im Juni 1869 an der Universität Zürich zum Dr. phil. mit der Arbeit „Studien über Gase“.

1870 folgte Röntgen Kundt als Assistent nach Würzburg. Dort veröffentlichte er seine erste wissenschaftliche Arbeit in den „Annalen der Physik und Chemie“ und trat im Juli 1870 der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft in Würzburg bei. Am 19. Januar 1872 heiratete er in Apeldoorn Anna Bertha Ludwig (1839–1919). Zum 1. April 1872 wechselte er mit Kundt an die Kaiser-Wilhelm-Universität Straßburg.

In Straßburg habilitierte er sich 1874 und wurde Privatdozent. Eine Habilitation in Würzburg war zuvor wegen seines fehlenden Abiturs abgelehnt worden. Ab April 1875 war er außerordentlicher Professor für Physik und Mathematik an der Landwirtschaftlichen Akademie Hohenheim, ab Oktober 1876 erneut außerordentlicher Professor in Straßburg. Zum 1. April 1879 erhielt er eine ordentliche Professur in Gießen und damit erstmals ein festes Gehalt.

1887 nahmen die Röntgens die sechsjährige Josephine Berta, eine Tochter von Anna Röntgens Bruder, in ihren Haushalt auf und adoptierten sie später. 1888 wurde Röntgen Nachfolger von Friedrich Kohlrausch an der Universität Würzburg; am 1. Oktober 1888 trat er dort seine Stelle als ordentlicher Professor an. Berufungen nach Jena, Utrecht, Freiburg und Leipzig lehnte er ab. 1890/91 war er Dekan der Physikalischen Fakultät in Würzburg, 1893 und 1894 wurde er zum Rektor der Universität gewählt.

Ein Leuchten hinter schwarzer Pappe

Vor seiner Entdeckung beschäftigte sich Röntgen mit Kathodenstrahlen in luftleeren Röhren, wie sie unter anderem Heinrich Hertz und Philipp Lenard untersucht hatten. Ende Oktober 1895 begann er eigene Experimente mit einer Hittorf-Crookesschen Röhre. Am Abend des 8. November bemerkte er, dass ein mit Bariumplatinzyanür beschichtetes Papier leuchtete – sogar dann, wenn die Entladungsröhre mit schwarzer Pappe umschlossen war.

Röntgen schloss daraus, dass von der Röhre eine bislang unbekannte Strahlung ausging. Nach sechswöchiger Arbeit fertigte er am 22. Dezember 1895 eine Aufnahme der linken Hand seiner Frau an. Knochen und Ehering waren deutlich zu erkennen. Anna Bertha Röntgen war damit der erste Mensch, von dem eine Röntgenaufnahme angefertigt wurde.

Am 28. Dezember 1895 reichte Röntgen seinen ersten Forschungsbericht „Über eine neue Art von Strahlen“ zum Druck ein. Der Bericht wurde umgehend veröffentlicht und bald ins Englische, Französische, Italienische und Russische übersetzt. Am 1. Januar 1896 verschickte er erste Sonderdrucke und Aufnahmen an Kollegen. Über Franz Exner und Ernst Lecher gelangten die Aufnahmen nach Wien; am 5. Januar 1896 berichtete die Wiener Zeitung „Die Presse“ erstmals öffentlich über die Entdeckung.

Am 12. Januar 1896 stellte Röntgen seine Entdeckung bei einem Vortrag vor Kaiser Wilhelm II. vor. Am 23. Januar präsentierte er sie in Würzburg vor einem großen Publikum aus Wissenschaft und Gesellschaft. Der Anatom Albert Kölliker schlug vor, die „X-Strahlen“ in „Röntgen’sche Strahlen“ umzubenennen; die Versammlung nahm diesen Vorschlag an. Bis Januar 1896 veröffentlichte Röntgen drei Forschungsberichte zu den neuen Strahlen, seine zweite Mitteilung reichte er am 9. März 1896 bei der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft in Würzburg ein.

Die Folgen waren enorm, gerade für die medizinische Diagnostik. Albert Hoffa führte die klinische Untersuchung mit Röntgenstrahlen in seiner Würzburger orthopädischen Privatklinik ein. Im März 1896 richtete Hermann Gocht am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ein Röntgeninstitut ein. Das Würzburger Juliusspital erwarb etwa ein Jahr nach der Entdeckung ein Röntgengerät; 1898 wurde für dessen Betrieb eine Dynamomaschine angeschafft. Das Bremer St. Joseph-Stift gehörte drei Jahre nach der Entdeckung zu den ersten deutschen Kliniken mit einem Röntgeninstitut.

Vom Labor in die Welt

Für die Entwicklung und Herstellung der ersten Röntgenröhren arbeitete Röntgen mit Glaswerken und Glasbläsern im Thüringer Wald zusammen. Erste Röhren wurden in Stützerbach und Gehlberg hergestellt. Die Firmen Gundelach und Schilling in Gehlberg gehörten bis etwa Anfang der 1920er Jahre zu den weltweit führenden Herstellern. Die Einführung der Glühkathode durch William Coolidge 1913 veränderte die technische Entwicklung; die Herstellung von Röntgenröhren in Gehlberg wurde 1925 eingestellt.

Damals wusste man noch nichts von der Gesundheitsgefahr der Strahlung. Die Strahlendosen lagen deutlich über heutigen Werten, viele beteiligte Arbeiter erkrankten an Krebs und starben früh. Heute ist die medizinische Diagnostik weiterhin das wichtigste Anwendungsgebiet, während die Strahlenbelastung reduziert und die Bildqualität verbessert wurde. Die Computertomographie ermöglicht mithilfe mathematischer Verfahren dre