Am 7. November wird es für Alina Schimps und Berta Leubner ernst: Die beiden 23-Jährigen starten in Dresden bei der Rallye „Dresden–Dakar–Banjul“ Richtung Westafrika. Heute, am 4. November 2026, sitzen sie in Halle vermutlich zwischen Taschen, Werkzeug und den letzten offenen To-dos. Beide sind seit Jahren befreundet, wohnen und studieren gemeinsam an der Uni Halle – Alina Grundschullehramt, Berta Agrarwissenschaften.

Vor ihnen liegen je nach Route 7.000 bis 7.500 Kilometer und 19 Rallye-Tage. Der Veranstalter nennt für den November-Termin den 7. November 2026 als Start, die Einreise nach Marokko am 11. November, Mauretanien am 18. November und die Ankunft in Gambia am 26. November. Am 29. November sollen die Fahrzeuge versteigert werden, am 30. November folgt die Abschlussparty. Änderungen bleiben vorbehalten, der Rückflug wird individuell organisiert.

Vom Mercedes zum ausgebauten Crafter

Ursprünglich wollten die Studentinnen mit einem Mercedes C 190 losfahren. Dann wurde es doch ein ausgebauter VW Crafter – mit mehr als 300.000 Kilometern und 14 Jahren Betriebserfahrung. Zuvor gehörte der Transporter zur Flotte eines Solarunternehmens. Technisch sei er weiterhin gut in Schuss, sagen die beiden. Ein frisch bestandener TÜV ist für die Rallye ohnehin Pflicht; zugelassen sind normale, technisch einwandfreie Straßenautos, außerdem Allradfahrzeuge und geschlossene Kasten-Transporter, sofern sie als Campingfahrzeuge genutzt werden. Lkw, Pritschenwagen und Planwagen dürfen nicht mit.

Im Inneren steht ein von Alinas Vater eingebautes Bett: zwei Meter lang, 1,40 Meter breit. Dazu kommen eine Außendusche und eine Campingtoilette. Gepäck, Ersatzteile und Werkzeug müssen ebenfalls hinein. Ein kleiner Tetris-Marathon auf vier Rädern.

Die Organisatoren verlangen Zelt und Campingausrüstung. Je nach Abschnitt können nachts Temperaturen zwischen −10 und +20 Grad herrschen, tagsüber zwischen 0 und 40 Grad. Zweckmäßige, vielseitige Kleidung ist deshalb angesagt. Lebensmittel bleiben entlang der Strecke grundsätzlich frisch und haltbar – außer auf Wüstenetappen. Wer europäische Kost bevorzugt, sollte sich in Spanien ausreichend eindecken; für die Einfuhr gelten die Regeln der jeweiligen Länder.

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Hefte, Bälle und ein Einrad

Neben dem eigenen Gepäck kommen Hilfsgüter für Kinder in Gambia mit: Schulhefte, Bücher und Malsachen, Kuscheltiere und Bälle, außerdem ein Einrad und Inliner. Die Spenden haben Alina und Berta selbst gesammelt. Befreundete Lehrkräfte bezogen ihre Schulklassen in kleine Sammelprojekte ein.

Der Veranstalter empfiehlt höchstens 25 Kilogramm Hilfsgüter. Wasser, Treibstoff und Lebensmittel für die Wüste brauchen zusätzlich Platz und Gewicht. Als mögliche kleine Geschenke werden unter anderem Stifte, Fußbälle, Fußballtrikots, Brillen und Sonnenbrillen, Taschenlampen, Handys und Basecaps genannt. Die Rallye ist allerdings kein Hilfsgütertransport; Einfuhrzölle oder Garantieleistungen für mitgebrachte Sachen übernimmt der Veranstalter nicht.

Nach der Rallye wollen die Hallenserinnen noch zehn Tage in Gambia bleiben. Sie möchten sehen, wie Spenden und Fahrzeuge verteilt werden, soziale Projekte und Schulen besuchen. Alina überlegt außerdem, dort möglicherweise ein Praktikum zu absolvieren. Die Fahrzeuge bleiben im Land und werden versteigert; der Erlös fließt in soziale Projekte. Verantwortlich für die Versteigerung ist eine in Gambia registrierte Hilfsorganisation, die auf Anfrage eine Spendenbescheinigung über den erzielten Erlös ausstellt. Ob diese von einem deutschen Finanzamt anerkannt wird, ist wegen des Hauptsitzes außerhalb Deutschlands möglicherweise nicht gewährleistet.

Eine WhatsApp-Nachricht als Startschuss

Dass die Reise überhaupt zustande kam, war eher ein Zufall. Bertas Vater entdeckte die Rallye in einem WhatsApp-Status. Berta leitete die Information an Alina weiter und schlug vor, sich zu melden. Kurz darauf wurden die beiden interviewt und für die Rallye eingeplant. So schnell kann’s gehen.

Finanziert wird das Abenteuer durch Unterstützung der Familien, eigene Nebenjobs und eine Crowdfunding-Aktion. Der größte Anteil kam über das Crowdfunding zusammen. Geld kostet vieles: der Crafter, Kraftstoff, Ersatzreifen, Werkzeug, Rückflugtickets und Verpflegung. Für die Rallye selbst beträgt die Startgebühr 980 Euro pro Person, davon sind bei Vertragsabschluss 400 Euro Anzahlung fällig, weitere 580 Euro sechs Wochen vor dem Start. Der Rückflug kostet ungefähr 200 bis 600 Euro pro Person. Als Erfahrungswert nennt der Veranstalter für ein Zweierteam rund 2.800 Euro pro Person – abhängig von den eigenen Ansprüchen und von Sponsorengeldern.

Dazu kommen Treibstoff für ungefähr 7.000 Kilometer, rund 120 Euro Maut in Europa laut Roadbook, etwa 40 Euro Maut in Marokko, Übernachtungen für 20 Nächte zu etwa 5 bis 100 Euro pro Nacht, die Mittelmeerfähre mit ungefähr 150 Euro pro Fahrzeug und 40 Euro pro Person sowie Versicherungen für Mauretanien mit etwa 60 Euro und für Senegal und Gambia mit etwa 70 Euro. Die Brücke über den Gambia-Fluss wird mit rund 10 Euro veranschlagt, Nationalparkgebühren mit etwa 30 Euro. Verpflegung und Übernachtungen hängen vom jeweiligen Anspruch ab. Grenzübertrittskosten sind in der Startgebühr enthalten und werden von den Organisatoren abgewickelt.

Unterwegs ist Euro-Bargeld besonders wichtig, gewechselt wird an den Grenzen. EC- und Kreditkarten funktionieren in Europa, teilweise in Marokko und für den Rückflug. Eigene Teamsponsoren dürfen organisiert werden, der Veranstalter empfiehlt regionale Partner. Eine Autorisierung im Interesse der Hauptsponsoren bleibt vorbehalten; derzeit gibt es dafür keine Einschränkungen.

800 Kilometer am Tag, zehn Stunden an der Grenze

Das Roadbook wird vor dem Start zugeschickt und enthält weitere Hinweise zu Strecke und Unterkünften. Die Route führt durch Deutschland, Frankreich, Spanien, Marokko, Mauretanien, Senegal und Gambia. Grundsätzlich ist sie nicht vorgeschrieben, individuelle Planung ist möglich. Pflichttreffpunkte gelten jedoch für alle Teams, und technische Hilfe gibt es nur entlang der vom Organisationsteam angegebenen Strecke.

Bis zu 800 Kilometer können an einem Tag anstehen. An Grenzen sind Wartezeiten von bis zu zehn Stunden möglich. Ab Dakhla sollen täglich mindestens vier bis sechs Liter Wasser getrunken werden. Im Senegal warten mindestens 600 Kilometer Offroad-Fahrt, außerdem eine Konvoifahrt mit mehr als 50 Fahrzeugen über etwa 500 Kilometer. Für rund 600 Kilometer Wüstenstrecke müssen je nach Fahrzeug 20 bis 40 Liter zusätzlicher Treibstoff in Kanistern mitgeführt werden. Tankstellen gibt es grundsätzlich.

Mindestens zwei Ersatzräder auf Felge plus ein weiterer Reifen, Luftpumpe oder kleiner Kompressor, ein Treibstoffkanister für mindestens 20 Liter, Abschleppseile, Warndreiecke, Warnweste, Erste-Hilfe-Kasten und Feuerlöscher gehören zur empfohlenen Ausrüstung. Wagenheber, Radkreuz, Werkzeug und verfügbare Ersatzteile ebenfalls. Einen Dachgepäckträger sollte man möglichst vermeiden; falls er nötig ist, muss er professionell befestigt werden. Einfach an der Regenrinne befestigte Modelle könnten den Belastungen nicht standhalten.

Vor dem Start ist ein allgemeiner Fahrzeugcheck Pflicht. Bei manchen Pkw braucht es einen geschraubten Ölwanne- oder Getriebeschutz, der für Reparaturen abmontierbar sein sollte. Überladen werden darf der Wagen nicht. Die Fähre von Spanien nach Marokko organisieren die Veranstalter, bezahlt werden die Tickets vor Ort. Für die normale Zulassung müssen Nummernschilder und Zulassungspapiere zur späteren Abmeldung nach Deutschland zurückgenommen werden; der Kfz-Brief kann in Deutschland bleiben, eine Kopie der Zulassung soll in Gambia verbleiben. Alternativ ist eine Zulassung mit Ausfuhrkennzeichen möglich – Informationen dazu gibt es bei der Zulassungsstelle.

Die Versicherungsbescheinigung, die inzwischen weiße statt „grüne Karte“, sollte für Marokko gelten. Falls die eigene Versicherung das Land nicht abdeckt, kann an der marokkanischen Grenze eine zusätzliche Police abgeschlossen werden. Das kostet dort etwa 50 bis 120 Euro für zehn Tage, abhängig vom Fahrzeug. Für Mauretanien, Senegal und Gambia werden die Autos an den jeweiligen Grenzen versichert; darum kümmern sich die Organisatoren.

Kein Navi, aber viel Zuvers