Heute, am 2. Oktober 2026, sorgt Galeria erneut für Unruhe. Die Warenhauskette hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Für Galeria ist es der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren – nach 2020, 2022 und 2024. Der Geschäftsbetrieb soll zunächst in allen bundesweit 83 Filialen weiterlaufen.

Auch in Freiburg ist die Nachricht spürbar. Die Stadt ist einer der fünf baden-württembergischen Standorte, deren Rentabilität bereits im Juli auf einer bundesweiten Liste mit 33 gefährdeten Warenhäusern stand. Am heutigen Tag liegt der Ortstermin dieses Berichts an der Uni Freiburg. Für die Beschäftigten bleibt trotzdem vieles offen: ob Insolvenzgeld gezahlt wird und welche Filialen möglicherweise schließen müssen.

1.500 Beschäftigte im Südwesten bangen

In Baden-Württemberg sind rund 1.500 Beschäftigte in zwölf verbliebenen Filialen betroffen. Neben Freiburg, Europaplatz, stehen Heilbronn, Mannheim, Offenburg und Singen auf der Liste der Standorte, deren Rentabilität geprüft werden sollte. Galeria wollte mit den Vermietern über Mietkonditionen und Anpassungen der Verkaufsflächen verhandeln. Ohne tragfähige Lösungen galt die Fortführung der jeweiligen Filialen als gefährdet.

Verdi-Landeschefin Maike Schollenberger fordert von Galeria verlässliche Informationen sowie die Einbeziehung der Beschäftigten und Betriebsräte. Nach Angaben von Verdi sind unter anderem ausbleibende Investitionen für die wiederholte finanzielle Schieflage verantwortlich. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) bezeichnete Warenhäuser als wichtige Anker für viele Innenstädte und verlangte rasch Klarheit sowie eine tragfähige Perspektive für Beschäftigte und Standorte.

Auch in Rheinland-Pfalz läuft der Betrieb zunächst weiter: Dort gibt es fünf Galeria-Filialen. Nach Informationen des Handelsblatts sind die Umsätze in den vergangenen Monaten massiv zurückgegangen. Ein Kredit über 160 Millionen Euro soll weitgehend aufgebraucht sein. Galeria erklärt, der Insolvenzantrag solle einen rechtlichen Rahmen schaffen, um die Lage zu ordnen, den Konzern zu stabilisieren und eine Zukunftsperspektive zu entwickeln. Konkrete Pläne zu Filialen und Arbeitsplätzen hat das Unternehmen bislang nicht genannt.

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Bundesweit galten schon vor dem neuen Antrag 33 Filialen als gefährdet. In Baden-Württemberg waren es fünf, darunter Freiburg und Mannheim, in Rheinland-Pfalz vier, darunter Koblenz und Mainz. Durch das Insolvenzverfahren könnte sich die Zahl der von Schließung bedrohten Standorte deutlich erhöhen. Für die Innenstädte wäre das keine Kleinigkeit: Bei möglichen Schließungen könnten leerstehende Warenhäuser in zentralen Lagen entstehen.

Viele Schließungen, viele verlorene Arbeitsplätze

Die Krise des aus Galeria Kaufhof und Karstadt hervorgegangenen Konzerns hat im Südwesten bereits tiefe Spuren hinterlassen. Geschlossen wurden unter anderem Filialen in Esslingen, Göppingen, Heidelberg am Bismarckplatz, Leonberg, Mannheim N7, Pforzheim und Reutlingen. In Stuttgart traf es die Eberhardstraße und Bad Cannstatt. Dadurch gingen mehrere hundert Arbeitsplätze verloren.

Galeria hat am 2. Oktober 2026 zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren Insolvenz angemeldet; rund 12.000 Mitarbeitende bangen nun um ihre Arbeitsplätze. Die Zahl wirkt umso härter, wenn man die Vorgeschichte betrachtet.

Karstadt und Kaufhof galten im 20. Jahrhundert als zentrale Warenhäuser mit breitem Sortiment. Ab den 1980er-Jahren verschärfte sich der Wettbewerb durch Einkaufszentren, Fachmärkte und neue Handelskonzepte. Später legten Internet und Online-Handel noch einmal nach.

Vom kleinen Geschäft zum Warenhauskonzern

Die Wurzeln reichen weit zurück. 1879 eröffnete Leonhard Tietz in Stralsund auf 25 Quadratmetern ein Geschäft für Garne, Stoffe und Knöpfe. Festpreise, Barzahlung und Rückgaberecht waren damals sein Konzept – und bildeten die Grundlage für Kaufhof. 1881 gründete Rudolph Karstadt in Wismar ein Tuch- und Konfektionsgeschäft. 1906 betrieb Karstadt bereits 24 Kaufhäuser in Norddeutschland.

Während des Wirtschaftsbooms ab den 1950er-Jahren florierten die Warenhäuser. Kaufhof erzielte zu seinem 100-jährigen Bestehen 7,4 Milliarden Mark Umsatz. Karstadt betrieb zu seinem 100-jährigen Bestehen 155 Warenhäuser und beschäftigte rund 75.000 Mitarbeitende.

Dann begann die Kette aus Fusionen und Übernahmen: 1980 stieg Metro bei Kaufhof ein, 1994 übernahm Kaufhof den Konkurrenten Horten. Karstadt übernahm Hertie; 1997 beteiligte sich Quelle an Karstadt.

2005 trat der frühere Bertelsmann-Manager Thomas Middelhoff bei KarstadtQuelle an. Seine Pläne für eine europaweite Expansion wurden nicht umgesetzt. 2006 verkaufte Middelhoff die Warenhausgebäude für 3,7 Milliarden Euro an einen Goldman-Sachs-Fonds. Karstadt musste anschließend hohe Mieten zahlen.

Vier Insolvenzen in sechs Jahren

Nach der Umwandlung von KarstadtQuelle in Arcandor wurde im September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet. 13 Karstadt-Filialen schlossen, mehr als 1.000 Mitarbeitende verloren ihre Jobs.

2010 kaufte der Privatinvestor Nicolas Berggruen Karstadt. Das Insolvenzverfahren wurde aufgehoben, rund 40.000 Gläubiger verzichteten auf zwei Milliarden Euro. Die Filialmieten wurden reduziert, Mitarbeitende stimmten Lohnkürzungen zu.

2014 übernahm René Benkos Signa-Holding Karstadt für einen symbolischen Euro. Ein Jahr später kaufte die kanadische Hudson’s Bay Company Kaufhof. 2018 fusionierten Karstadt und Kaufhof. 2019 übernahm Signa alle Kaufhof-Anteile und wurde alleiniger Eigentümer von 174 Filialen. Der Umsatz lag in diesem Jahr bei 4,5 Milliarden Euro.

Die erste Insolvenz von Galeria Karstadt Kaufhof folgte 2020. Wegen der Corona-Pandemie mussten alle Filialen schließen, das Unternehmen erwartete einen Umsatzverlust von einer Milliarde Euro. Im Schutzschirmverfahren waren zunächst 40 Warenhäuser und mehrere Karstadt-Sports-Filialen zur Schließung vorgesehen. Gläubiger verzichteten auf mehr als zwei Milliarden Euro. Ende September 2020 wurde das Insolvenzverfahren aufgehoben; fast 130 Filialen blieben erhalten, rund 16.000 Mitarbeitende behielten ihre Jobs.

Ende 2022 war Galeria erneut zahlungsunfähig und beantragte wieder ein Schutzschirmverfahren. Am 1. Februar 2023 eröffnete das Amtsgericht Essen das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Gläubiger verzichteten erneut auf mehr als eine Milliarde Euro. Laut Insolvenzplan sollten 47 der damals 129 Filialen schließen.

Im Januar 2024 stellte Galeria erneut einen Insolvenzantrag. Als Grund wurde die Schieflage der Signa-Gruppe genannt; zugesagte Sanierungsgelder seien nicht geflossen. Galeria hatte damals 92 Filialen und 12.800 Mitarbeitende. Im April 2024 kündigten die US-Investmentgesellschaft NRDC und Bernd Beetz’ Beteiligungsfirma BB Kapital SA die Übernahme an. Im Insolvenzverfahren waren zunächst 16 Filialschließungen und der Abbau von 1.400 Stellen vorgesehen.

Die Namen „Karstadt“ und „Kaufhof“ verschwanden aus dem Firmennamen; seit Juli 2024 heißt das Unternehmen nur noch Galeria. Im August 2024 übernahmen NRDC und BB Kapital SA Galeria und verlegten den Firmensitz von Essen nach Düsseldorf. Statt der geplanten 16 schlossen neun Filialen, rund 800 Mitarbeitende verloren ihre Jobs.

Im April 2026 berichteten erste Vermieter, Galeria zahle Mieten nicht. Im Juni erhielt das Unternehmen von Gordon Brothers einen Kredit über 160 Millionen Euro. Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser zu überprüfen. Nun, am 2. Oktober 2026, folgt der vierte Insolvenzantrag. In Freiburg, Mannheim und den anderen betroffenen Städten bleibt damit vorerst vor allem eines: Warten auf konkrete Antworten.