HoreKa 2: Karlsruhes neuer Supercomputer bringt 33 PFLOPS für Forschung und KI
Am KIT in Karlsruhe ist heute, am 25.09.2026, der Supercomputer HoreKa 2 offiziell in Betrieb gegangen. Das hybride System trägt auch die Bezeichnung HAICORE 3.0 und erreicht 33 PFLOPS. In der aktuellen TOP500-Liste würde das ungefähr Rang 70 bedeuten – noch steht HoreKa 2 dort allerdings nicht offiziell. Die Aufnahme wird voraussichtlich mit der Aktualisierung im November erfolgen.
Untergebracht ist der Rechner in einem eigens errichteten Gebäude auf dem KIT-Nordcampus. Die Infrastruktur ist für hohe Leistungsdichte und die Kühlung moderner CPU- und GPU-Systeme ausgelegt. Mehr als 42.000 Prozessorkerne, 250 TB Hauptspeicher und 300 NVIDIA-B200-GPUs stecken in dem Tier-2-Hochleistungsrechner. Viel Technik auf engem Raum, mit entsprechendem Aufwand beim thermischen Management und beim Energieverbrauch.
Zwei Architekturen, mehrere Rechenwelten
HoreKa 2 besteht aus getrennten Hardware-Inseln für x86- und ARM-Architekturen. Die x86-Knoten bieten breite Kompatibilität mit bestehender Software. Die ARM-basierten Knoten setzen auf NVIDIA-Grace-Prozessoren und sind auf hohe Energieeffizienz sowie bestimmte HPC- und KI-Anwendungen ausgelegt. Je nach Aufgabe kann ein Programm also dort laufen, wo die jeweilige Architektur besser passt.
Das System ist in mehrere Partitionen gegliedert: HoreKa Onyx dient als Standard-CPU-Bereich, HoreKa Blue bringt besonders viel Hauptspeicher mit, HoreKa Jade basiert auf NVIDIA-GB200-NVL4-Knoten. HoreKa Teal umfasst die H100- und H200-Knoten, während HoreKa Ruby auf NVIDIA-H200-Systeme setzt.
| Partition | Aufbau und Ausstattung | Betrieb |
|---|---|---|
| HoreKa Onyx | 164 Knoten mit je zwei AMD-EPYC-9655-Sockeln, 192 Kernen und 384 Threads, 768 GiB Hauptspeicher, 1,92 TB NVMe-SSD und InfiniBand NDR200; Partitionen: cpu, dev-cpu | seit 08/2026, operational |
| HoreKa Blue | 8 Knoten mit je zwei Intel-Xeon-Platinum-8368-Sockeln, 76 Kernen und 152 Threads, 4.096 GiB Hauptspeicher, sieben 3,84-TB-NVMe-SSDs und InfiniBand HDR 200; Partition: large | seit 02/2023, operational |
| HoreKa Jade | 75 GB200-NVL4-Knoten mit zwei NVIDIA-Grace-CPUs, 144 Kernen und 288 Threads, 960 GiB Hauptspeicher, vier NVIDIA-B200-GPUs mit jeweils 186 GB Speicher, 15,36-TB-NVMe-SSD und zweimal InfiniBand NDR200; Partitionen: gpu-b200, dev-gpu-b200 | seit 09/2026, operational |
| HoreKa Teal mit 4 H100-GPUs | 22 Knoten mit je zwei AMD-EPYC-9354-Sockeln, 64 Kernen und 128 Threads, 768 GiB Hauptspeicher, vier NVIDIA-H100-GPUs mit jeweils 94 GB Speicher, zwei 3,84-TB-NVMe-SSDs und vier InfiniBand-NDR200-Verbindungen; Partitionen: gpu-h100, dev-gpu-h100 | seit 05/2024, operational |
| HoreKa Teal mit 8 H200-GPUs | 1 Knoten mit zwei Intel-Xeon-Platinum-8568Y+-Sockeln, 96 Kernen und 192 Threads, 2.048 GiB Hauptspeicher, acht NVIDIA-HGX-H200-GPUs mit jeweils 141 GB Speicher, acht 3,84-TB-NVMe-SSDs und acht InfiniBand-NDR400-Verbindungen; Partition: gpu-h200-8 | seit 10/2025, coming soon |
| HoreKa Ruby | 13 Knoten mit je zwei AMD-EPYC-9454-Sockeln, 96 Kernen und 192 Threads, 768 GiB Hauptspeicher, vier NVIDIA-HGX-H200-GPUs mit jeweils 141 GB Speicher, 15,36-TB-NVMe-SSD und vier InfiniBand-NDR400-Verbindungen; Partition: gpu-h200 | seit 08/2025, operational |
Die Angaben zeigen auch die Bandbreite innerhalb des Systems: Je nach Ausführung verfügen die Knoten über 64 bis 192 CPU-Kerne beziehungsweise 128 bis 384 Threads, 768 bis 4.096 GB Arbeitsspeicher und lokale NVMe-Speicher mit 1,92 bis 15,36 TB Kapazität. Bei HoreKa Jade sind die 75 Knoten laut den technischen Angaben operational; die Inbetriebnahme ist seit 09/2026 dokumentiert. Für den H200-Knoten von HoreKa Teal lautet der Status dagegen „coming soon“, obwohl er seit 10/2025 geführt wird.
Ein Rechner, der sich nicht einfach anklicken lässt
Alle Knoten verwenden Red Hat Enterprise Linux 9.x. Verwaltet wird HoreKa 2 über das Slurm-Batchsystem. Für x86 und ARM gibt es getrennte Login-Knoten. Nur diese Systeme sind direkt zugänglich; dort können Nutzerinnen und Nutzer interaktiv arbeiten, Dateien verwalten, Software entwickeln sowie Programme für die jeweilige Zielarchitektur kompilieren und testen.
Die Rechenknoten selbst bleiben abgeschirmt. Jobs müssen über Slurm eingereicht werden. Ein einzelner Auftrag kann sich dabei über Hunderte Knoten und Zehntausende CPU-Kerne erstrecken. Das klingt zunächst nach einer Nummer aus dem Prospekt, wird aber spätestens beim ersten großen Rechenlauf sehr konkret.
Alle Knoten sind über InfiniBand NDR verbunden. Je nach Knotentyp sind bis zu 400 Gbit/s pro Port möglich, die Latenz liegt bei etwa 1 µs. Das Netzwerk ist für kommunikationsintensive Anwendungen und kollektive MPI-Operationen ausgelegt – also für jene Fälle, in denen nicht nur gerechnet, sondern ständig zwischen vielen Knoten Daten ausgetauscht werden.
Der Primärspeicher basiert auf parallelen IBM-Spectrum-Scale-/GPFS-Dateisystemen. Global verfügbare Verzeichnisse sind $HOME, $PROJECT und Workspace-Speicher. Zusätzlich besitzt jeder Knoten lokalen NVMe-SSD-Speicher, der während eines Jobs über $TMPDIR verfügbar ist. Für Jobs über mehrere Knoten kann ein temporäres BeeGFS-on-Demand-Dateisystem, kurz BeeOND, angefordert werden.
17 Millionen Euro für neue Rechenpower
Für die Beschaffung von HoreKa 2 kalkuliert das KIT rund 17 Millionen Euro. Ein Teil der Finanzierung läuft über das Nationale Hochleistungsrechnen, NHR. Bund und Länder tragen Beschaffung und Betrieb gemeinsam; die Mittel des NHR-Programms werden grundsätzlich jeweils zur Hälfte von Bund und Ländern bereitgestellt.
Am Standort Karlsruhe sind insbesondere das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst beteiligt. Nach Angaben des KIT beteiligt sich außerdem die Deutsche Forschungsgemeinschaft teilweise an der Finanzierung. Der integrierte HAICORE-3.0-Anteil wird über einen eigenen Förderrahmen der Helmholtz-Gemeinschaft finanziert.
Auch die Gebäudetechnik gehört zum Projekt: Das Rechenzentrum ist für dichte und energieeffiziente HPC-Systeme ausgelegt. Hohe Leistungsdichte, thermisches Management, die Kühlung der CPU- und GPU-Knoten und ein energieeffizienter Betrieb mussten von Anfang an zusammengedacht werden. Sonst wird aus Rechenleistung ziemlich schnell Abwärme – und davon gäbe es hier reichlich.
Karlsruhe im Schatten der Exascale-Rechner
Wie groß die Spannweite in Europas Supercomputing inzwischen ist, zeigt der Blick nach Jülich. JUPITER vom Forschungszentrum Jülich belegt in der aktuellen TOP500-Liste der schnellsten Supercomputer weltweit Platz 5 und ist zugleich der energieeffizienteste Rechner der Exascale-Klasse. Veröffentlicht wurde die Liste bei der internationalen Supercomputing-Konferenz ISC 2026
