Nachhaltigkeitsscouts Altmühlfranken: Auszubildende entwickeln Ideen für den betrieblichen Alltag
Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen haben am 16. Oktober 2026 17 Auszubildende aus Unternehmen und Institutionen die zweite Runde der Weiterbildungsreihe „Nachhaltigkeitsscouts Altmühlfranken“ begonnen. Der Auftakt fand am kunststoffcampus bayern in Weißenburg statt. Dort ging es zunächst um Grundlagen der Nachhaltigkeit, planetare Grenzen sowie die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Dimensionen nachhaltigen Handelns.
Organisiert wird die Reihe von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen, der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Expertinnen und Experten beider Hochschulen gestalten die Workshops. Für die Unternehmen und Institutionen ist die Teilnahme kostenfrei; die Organisation übernimmt die Wirtschaftsförderung des Landkreises.
Vom Workshop in den Betriebsalltag
Die Auszubildenden sollen Nachhaltigkeit nicht nur als großes, etwas sperriges Wort kennenlernen. Sie sollen sie im betrieblichen Alltag erkennen, eigene Verbesserungsideen entwickeln und neue Impulse in ihre Betriebe tragen. Ein Schwerpunkt liegt deshalb auf dem Austausch über Branchen- und Berufsgrenzen hinweg: Die Teilnehmenden können Erfahrungen teilen, voneinander lernen und Kontakte knüpfen. So soll in der Region ein Netzwerk für nachhaltiges Handeln entstehen.
Die Weiterbildungsreihe umfasst zwei ganztägige und einen halbtägigen Workshop. In einer früheren Ankündigung war der Auftakt bei Gutmann Aluminium Draht (GAD) in Weißenburg vorgesehen; die weiteren Workshops sollten am kunststoffcampus bayern stattfinden. Für die aktuelle Runde wurde der erste Workshop am kunststoffcampus bayern durchgeführt.
Am 13. November 2026 folgt der „Advanced-Workshop“. Zur Auswahl stehen die Themen Klimawandel, Energie und Umweltpsychologie. Der abschließende „Expert-Workshop“ ist für den 4. Dezember 2026 geplant. Dort sollen die Auszubildenden lernen, ihr erworbenes Wissen an andere weiterzugeben. Ihre Zertifikate als „Nachhaltigkeitsscouts Altmühlfranken“ erhalten sie am 7. Dezember 2026. Landrat Manuel Westphal überreicht die Zertifikate.
Ein Programm mit Rückhalt aus Hochschule und Politik
Das Programm ist Teil von „Mensch in Bewegung II“, einer Reihe von THI und KU. Gefördert wird es im Rahmen der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und den Freistaat Bayern. Für die Umsetzung ist die THI gemeinsam mit dem Forschungs- und Transferzentrum Nachhaltigkeit (ForTraNN) in Neuburg verantwortlich.
In der Ankündigung der THI hatten sich bereits 21 Auszubildende aus Unternehmen verschiedener Branchen angemeldet. Weitere Informationen gibt es unter www.altmuehlfranken.de/unna/angebote.
Warum Ausbildung für Nachhaltigkeit wichtig ist
Der Ansatz passt zur Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE. Sie soll Wissen und Handlungskompetenz zu Klimawandel, Energiewende, nachhaltigem Wirtschaften und globaler Gerechtigkeit vermitteln. Umwelt, soziale Belange und Wirtschaft werden dabei gleichberechtigt betrachtet. Dahinter steht das Ziel, künftigen Generationen ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge zu hinterlassen.
Die Bundesregierung orientiert sich an den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen und hat eine Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie sowie einen Nationalen Aktionsplan BNE verabschiedet. BNE soll strukturell in allen Bereichen des deutschen Bildungssystems verankert werden. Gerade die Berufsausbildung bietet dafür einen direkten Hebel: Dort erwerben junge Menschen Kompetenzen, die sie später jeden Tag im Beruf einsetzen können.
Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BBNE, soll für Umweltschutz und Nachhaltigkeit sensibilisieren, zu nachhaltigem Handeln motivieren und entsprechende berufliche Fähigkeiten fördern. Auszubildende sollen etwa die direkten und indirekten Folgen ihres Handelns für Umwelt sowie soziale und wirtschaftliche Lebens- und Arbeitsbedingungen heutiger und künftiger Generationen reflektieren und bewerten. Auch der Betrieb, seine Produkte und Dienstleistungen sollen auf Zukunftsfähigkeit geprüft werden.
Dazu gehört, Arbeit, Wirtschaft und Technik mitzugestalten, Energie und Ressourcen im Beruf und im Alltag nachhaltig zu nutzen und sich am betrieblichen wie gesellschaftlichen Dialog zu beteiligen. Nachhaltigkeit bleibt schließlich schnell abstrakt, wenn sie nur auf Folien steht. Ausbildungspersonal soll sie deshalb praktisch erfahrbar machen – mit lebendigen, praxisnahen Lernsituationen und auch mit echten Zielkonflikten, etwa zwischen ökologischen und wirtschaftlichen Interessen.
Die Standardberufsbildposition „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“ legt dafür berufsübergreifende Kompetenzen fest. In allen dualen Ausbildungsberufen sollen sie gemeinsam mit den jeweiligen berufsspezifischen Fertigkeiten, Kenntnissen und Fähigkeiten vermittelt werden. Auszubildende lernen dabei, Nachhaltigkeitsaspekte bei Produkten, Waren, Dienstleistungen sowie beim Einsatz von Materialien und Energie zu berücksichtigen, Ressourcen zu schonen, fairen Handel einzubeziehen und Abfälle umweltgerecht zu entsorgen oder wiederzuverwerten.
Im eigenen Arbeitsbereich sollen sie selbstständig Vorschläge für nachhaltiges Handeln entwickeln, Konflikte zwischen verschiedenen Nachhaltigkeitsdimensionen und -zielen erkennen, Optimierungsansätze abwägen und Alternativen aufzeigen. Für Ausbildungspersonal bedeutet das: Entscheidungen für nachhaltige Entwicklung anregen, etablierte Abläufe ruhig auch einmal infrage stellen und junge Menschen ermutigen, andere Wege auszuprobieren.
Bei der Planung solcher Lernsituationen helfen ganz praktische Fragen: Welche sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Aspekte spielen bei einer Tätigkeit eine Rolle? Welche lokalen, regionalen und globalen Auswirkungen haben Produkte und Dienstleistungen? Welche langfristigen Folgen entstehen bei ihrer Herstellung? Welche Materialien und Energien werden eingesetzt, wie lassen sie sich effizient und nachhaltig nutzen, und welche Produktlebenszyklen und Prozessketten müssen mitgedacht werden?
Auch die Gestaltungsmöglichkeiten im jeweiligen Beruf gehören dazu: Wie können Produkte, Dienstleistungen oder Produktionsabläufe nachhaltiger werden? Und welchen Beitrag können Beschäftigte im Betrieb zu einem nachhaltigeren Arbeitsleben leisten? Genau an dieser Stelle setzen die „Nachhaltigkeitsscouts Altmühlfranken“ an – zwischen Workshopraum, Arbeitsalltag und der nächsten Idee, die vielleicht schon am Montag im Betrieb ausprobiert wird.
