In Passau soll aus dem bisherigen Lenkungsausschuss Integration ein „Beirat für soziales Miteinander und Teilhabe“ werden. Der Ausschuss für Soziales und Senioren berät am 13. Oktober 2026 im Passauer Rathaus über die Einrichtung des neuen Gremiums. Heute, am 8.10.2026, ist an der Universität Passau vor allem interessant, wie eng die Hochschule künftig eingebunden werden soll.

Der geplante Beirat soll unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen, Erfahrungsaustausch ermöglichen und Kooperationen anstoßen. Welche Themen auf dem Tisch liegen, soll flexibel bleiben und sich am jeweiligen Bedarf orientieren. Vorgesehen ist, dass Oberbürgermeister Andreas Rother den Vorsitz übernimmt.

Ein Beirat mit wechselnder Besetzung

Bei der Zusammensetzung soll grundsätzlich nicht zwischen Ehrenamtlichen, Betroffenen und Fachkräften unterschieden werden. Der Teilnehmerkreis kann je nach Thema variieren. Fest dazugehören sollen jeweils eine Person aus den vier größten Stadtratsfraktionen, vier Vertreter der Wohlfahrtsverbände und eine von der Universität Passau entsandte Person.

Zusätzlich können örtliche Vereine, Betroffene, Behörden, Kirchen und andere geeignete Institutionen eingeladen werden. So sollen Kompetenzen und Erfahrungen aus der Stadtgesellschaft gebündelt und für konkrete Fragestellungen nutzbar gemacht werden. Geplant ist, gemeinsam Impulse zu setzen, Themen aufzugreifen und strukturiert weiterzuentwickeln – nicht bloß darüber zu reden und es dann liegen zu lassen.

Die Universität Passau soll dabei eng mitarbeiten. Besonders angeknüpft werden soll an bestehende Strukturen und Kompetenzen des Projekts „TraUBe“. Das Projekt untersucht die Entwicklung von Stadt, Gesellschaft und Infrastruktur in Passau. Im Mittelpunkt stehen nachhaltige Stadtentwicklung, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe.

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Was TraUBe in die Stadt bringen kann

Studierende sollen während ihres Studiums lernen, gesellschaftliche Entwicklungen in Passau zu verstehen und aktiv mitzugestalten. Gemeinsam mit der Stadtgesellschaft werden reale Herausforderungen in Praxisprojekten untersucht, mögliche Lösungen entwickelt und Lösungsansätze praktisch erprobt. Das klingt nach Arbeit – und ist es auch: Ergebnisse werden ausgewertet, reflektiert, in Konzepte überführt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ziel ist die Entwicklung und Verstetigung übertragbarer Strategien und Prozesse. Sie sollen nachhaltige Verbesserungen in der universitären Lehre, in der Stadt und in der Gesellschaft vor Ort ermöglichen, beispielsweise in städtischen Quartieren. Gearbeitet wird sowohl in ausgewählten Stadtteilen und Quartieren als auch mit Blick auf die gesamte Stadt und Region; verschiedene Clusterthemen dienen dabei als Orientierung.

Der Ausschuss soll empfehlen, dass der Beirat zunächst vorläufig seine Arbeit aufnimmt. Ende 2027 oder Anfang 2028 sollen die gesammelten Erfahrungen ausgewertet werden. Danach entscheidet das Stadtratsplenum über eine dauerhafte Einrichtung des Gremiums.

Teilhabe braucht zugängliche Strukturen

Teilhabe gilt als Ziel und zentrales Handlungsfeld kommunaler Integrationsarbeit. Kommunen tragen Mitverantwortung dafür, dass alle Menschen gleichberechtigten Zugang zu Informationen, Mitbestimmung und gesellschaftlichem Leben haben – unabhängig von Herkunft, Sprache, Geschlecht, Behinderung oder sozialem Status.

Dafür müssen Barrieren abgebaut, Beteiligungsmöglichkeiten geschaffen und kommunale Strukturen transparent und zugänglich gestaltet werden. Beispiele aus bayerischen Kommunen zeigen, wie das praktisch aussehen kann: Unterstützung bei der Einbürgerung gehört ebenso dazu wie barrierefreie Zugänge zu Informationen und Verwaltung.

Integrationsbeiräte vermitteln zwischen Zugewanderten und Verwaltung. Sie bringen die Perspektiven Zugewanderter in politische Entscheidungen ein, machen deren Bedürfnisse sichtbar und fördern so Mitbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe und eine inklusive kommunale Gemeinschaft. Informationen dazu gibt die AGABY.

In Kaufbeuren unterstützen ehrenamtliche Einbürgerungslots*innen Menschen auf dem Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft. Sie informieren über Voraussetzungen, begleiten den Antragsprozess und beantworten Fragen. In Ingolstadt helfen geschulte Ehrenamtliche beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen – vor Ort im Amt für Soziales.

Augsburg setzt mit dem Teilprojekt „Gleichberechtigte Teilhabe am Recht auf Information und Austausch“ auf „DIWA – Digitale Wege ins Amt“. Entwickelt werden Formate, die Verwaltungsinformationen für alle zugänglich machen. Kommunikationsbarrieren sowie unterschiedliche Sprach- und Informationsbedarfe sollen berücksichtigt werden, damit gesellschaftliche Teilhabe nicht an einem Formular oder einer schwer verständlichen Auskunft scheitert.

Auch die Kurz-Expertise „Mitgestalten, Mitbestimmen?! Kommunale Beteiligung von Zugewanderten in ländlichen Räumen“ der Robert Bosch Stiftung im Rahmen von „Land.Zuhause.Zukunft“ nimmt solche Fragen in den Blick. Sie untersucht Beteiligungsformen für und von Menschen mit Migrationsgeschichte in ausgewählten ländlichen Räumen, beschreibt Chancen, Potenziale und Herausforderungen und konzentriert sich auf Modelle, die von Kommunalverwaltungen initiiert, unter Beteiligung der Verwaltung umgesetzt werden oder einen Kontakt zur Verwaltung herstellen.

Das Netzwerk „Demokratie und Beteiligung“ befasst sich außerdem mit den Rahmenbedingungen wirksamer kommunaler Beteiligungspolitik. Seine Empfehlungen behandeln neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Bürgerschaft, Politik und Verwaltung. In Passau könnte der geplante Beirat dafür bald ein konkreter Ort werden – mit wechselnden Gästen, festen Ansprechpersonen und hoffentlich auch Ergebnissen, die außerhalb des Rathauses ankommen.

Quelle: Passauer Neue Presse
Hintergrund: Universität Passau – TraUBe
Kontext: VIA Bayern