Berlin, 16.10.2026. An der ESMT Berlin trifft eine Nachricht auf die nächste: Laut dem neuen UN-Bericht „Gender Snapshot 2026“ würde es 171 Jahre dauern, bis das Ziel der UN-Agenda 2030 zur Geschlechtergleichheit erreicht wäre. Das klingt nach einer Zahl, die man zweimal lesen muss. Frauen sind weiterhin vielfach von politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Macht ausgeschlossen.

90 Prozent der Verteidigungsministerien werden von Männern geleitet, mehr als 80 Prozent der Finanzministerien ebenfalls. Frauen stellen durchschnittlich 27,4 Prozent der Mitglieder nationaler Parlamente. In Unternehmen besetzen sie sechs Prozent der CEO-Positionen und rund ein Viertel der Sitze in Vorständen. Angela Langenkamp, Vorstandsvorsitzende von UN Women Deutschland, fordert deshalb politischen Willen, konsequentes Handeln und ausreichende Investitionen für die Gleichstellung.

25 Frauen, 25 Wege in die Zukunft

Business Insider zeichnet 2026 insgesamt 25 Frauen als „Zukunftsmacherinnen“ aus. Aus mehr als 150 Bewerbungen wurden Frauen aus Konzernen, dem Mittelstand, Startups und der Selbstständigkeit ausgewählt. Die Liste ist alphabetisch geordnet und ausdrücklich kein Ranking.

Sirid Böhm ist Programmleiterin der IPAI Foundation in Heilbronn. Sie verantwortet Programme zu Teilhabe, Fairness und gesellschaftlicher Wirkung von KI und war zuvor in der Unternehmensberatung sowie in Führungsrollen für Diversity, Equity und Inklusion tätig.

Elena Brandt, Partnerin bei Freshfields in Düsseldorf, berät zu Datenschutz, KI, Cybersicherheit und EU-Digitalgesetzen wie dem AI Act und dem Data Act. 2020 initiierte sie die Freshfields-Initiative „Female Talent for Tech“, die Frauen in der Techbranche fördern soll.

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Franziska Dekorsy ist Division-CEO des nuklearmedizinischen Praxisnetzwerks Rubi. Sie treibt den Ausbau moderner Diagnostikinfrastruktur voran, insbesondere von PET/CT für die Krebsdiagnostik, baute Rubi als eigene Marke auf und entwickelt weitere Standorte.

Fehime Demir arbeitet als Managerin im Volkswagen-Konzern mit Schwerpunkt Menschenrechte. Sie war am weltweiten Aufbau von Integritäts- und Compliance-Strukturen beteiligt und engagiert sich als Mentorin und Netzwerkerin für Frauen in Führungspositionen.

Gianna Di Lorenzo ist Mitgründerin und Strategieberaterin bei conSensio sowie Doktorandin und Forscherin an der ESMT Berlin. Sie forscht zu menschlichen Kompetenzen im Zeitalter von KI und entwickelt Verfahren, die Kompetenzen fair mit Jobanforderungen abgleichen und Potenziale jenseits von Lebensläufen erfassen.

Louisa Frühauf verbindet Schule und Wissenschaft: Sie ist Lehrerin, Lehrkräfte-Ausbilderin in Potsdam und Doktorandin an der TU Berlin. Ihre Themen sind Finanzbildung und Lehrkräftebildung. Außerdem schreibt sie Schulbücher und wirkt an bundesweiten Bildungsformaten zur Finanzbildung mit.

Romina Haller führt das Familienunternehmen Haller Raumgestaltung bei Ravensburg. 2024 übernahm sie gemeinsam mit ihrer Schwester die Leitung des Betriebs mit rund 60 Beschäftigten. Als Speakerin spricht sie über Unternehmensnachfolge, modernes Handwerk und Female Leadership.

Mit 26 Jahren wurde Isabelle Himbert Geschäftsführerin der Arno Arnold GmbH. Sie führt das 160 Jahre alte Familienunternehmen in sechster Generation, baute die internationale Präsenz unter anderem mit einem Produktionsstandort in China aus und initiierte mit HESSENMETALL das Netzwerk „Frauen in Führung“.

Kerstin Hochmüller ist CEO der Marantec Group für Antriebs- und Steuerungstechnik. Seit dem Generationswechsel 2013 entwickelt sie das Familienunternehmen zu einem „Open Champion“ und setzt dabei auf Kooperation sowie die gemeinsame Bewältigung mittelständischer Herausforderungen.

Verena Jaeschke führt gemeinsam mit ihrer Schwester die zweite Generation des GLS Campus Berlin. Ihr Schwerpunkt liegt auf der strategischen Weiterentwicklung und neuen Geschäftsfeldern. Das Unternehmen verbindet Sprachschule, Hotel und Eventgeschäft.

Reemda Jaeschke verantwortet dort Finanzen und Controlling. Beide Schwestern führen den GLS Campus Berlin in einem partnerschaftlichen Co-Leadership-Modell und gestalten den Generationenwechsel gemeinsam mit ihrer Mutter.

Alina Käufer ist Airbus-Pilotin, Mitglied der dritten Generation der TFC Käufer GmbH und Dozentin für Aviation Management. Sie beschäftigt sich mit Human Factors und moderner Trainingskultur. Ihr Plan: das Familienunternehmen weiterführen und zugleich als Pilotin tätig bleiben.

Lucy Larbi arbeitet in Hamburg als Unternehmerin, Leadership-Expertin und Unternehmensberaterin. Sie unterstützt Unternehmen bei modernen Führungs- und Organisationsstrukturen, initiierte AiDiA zur Förderung Schwarzer Unternehmerinnen, Unternehmer und Talente und ist Mitgründerin des westafrikanischen Fusion-Restaurants akan afrofusion.

Yuliya Maltseva ist Engagement-Managerin beim Rüstungs-Startup Stark Defence und Mitgründerin von Women in Defense Tech, einem internationalen Netzwerk für Frauen in der Verteidigungsindustrie. Ihre Arbeit dreht sich um internationale Kooperationen, Beschaffung sowie unbemannte Luft- und Abwehrsysteme.

Maria Möller, Mitgründerin und CEO von Talking Hands, entwickelt inklusive Lernmaterialien, vor allem Gebärden-Daumenkinos für Kinder. Damit sollen Sprachbarrieren abgebaut und Kommunikation unabhängig von individuellen Voraussetzungen ermöglicht werden.

Amelie Reigl ist Biologin, Wissenschaftskommunikatorin und Geschäftsführerin des Biotech-Startups TigerShark Science. Das Unternehmen entwickelt Hautmodelle aus menschlichen Stammzellen, die Tierversuche reduzieren sollen. Als „@dieWissenschaftlerin“ vermittelt Reigl Forschung in sozialen Medien.

Astrid Reintjes ist Mitgründerin und Co-CEO des E-Commerce-Unternehmens MissPompadour. Mit ihren Mitgründern entwickelte sie ein Geschäftsmodell für Farben, das Beratung, Community-Arbeit und Social Selling verbindet. Angesprochen werden unter anderem Frauen, die die Handwerksbranche bisher wenig erreicht hat.

Verena Schlüpmann ist Geschäftsführerin der Handels- und Digitalplattform K5. Mit der K5 Future Retail Conference organisiert sie jährlich ein Treffen mit rund 5.000 Entscheiderinnen und Entscheidern. Außerdem gründete sie den K5 Female Circle zur Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in Handel und Digitalwirtschaft.

Miriam Sternitzky verantwortet als Chief People Officer von Westwing die globale HR-Strategie für rund 1.300 Mitarbeitende in 26 Ländern. Sie beschäftigt sich mit moderner Führung, Unternehmenskultur und zukunftsfähigen Arbeitswelten.

Katrin Stockinger ist Managing Director der Beauty- und Lifestyle-Marke NOLES. Zu ihren Aufgaben gehören strategische Markenpositionierung, E-Commerce und Influencer-Marketing. Zuvor war sie unter anderem für die globale PR- und Influencer-Strategie von Westwing tätig.

Simone Strate ist kaufmännische Leiterin der Privat-Brauerei Strate in Detmold und führt die Familienbrauerei in fünfter Generation mit ihrer Mutter und ihrer Schwester. Seit Mitte der 1990er-Jahre verantwortet sie Finanzen, Personal und Einkauf. Die Brauerei produziert 28 Bierspezialitäten und ist besonders für Bügelverschlussflaschen bekannt.

Laura von der Heyden ist Ärztin und Geschäftsführerin des genetikum. Sie arbeitet an moderner humangenetischer Diagnostik, Beratung und Prävention, mit Schwerpunkten bei Krebsprävention und Frauengesundheit. Das Unternehmen entwickelt einen diagnostischen Test für Endometriose mit individuellem Risikoprofil.

Agnieszka Walorska gründete das Berliner KI-Startup mika und ist dessen CEO. Die Lösungen unterstützen kleine Unternehmen bei Buchhaltung, Steuern und Verwaltung. Walorska will Bürokratie durch Automatisierung reduzieren und Gründungen erleichtern. Zuvor baute sie ein Unternehmen auf und verkaufte es erfolgreich.

Pia Marie Westphal ist Mitgründerin und Geschäftsführerin der New York Bagel Bar. Im Gründerteam verantwortet sie vor allem Finanzen und Personal. Aus selbstfinanzierten Standorten ohne Investoren entwickelte sich eine wachsende Gastronomiemarke; innerhalb der nächsten fünf Jahre sind rund 50 Standorte in Deutschland geplant.

Julia Wildt führt als Geschäftsführerin die Friedrich Wildt GmbH in Ettenheim. Das 1947 gegründete Logistikunternehmen leitet sie in vierter Generation mit ihrer Familie. Europaweit bietet es Transport-, Lager- und Logistiklösungen an und beschäftigt rund 120 Mitarbeitende. Wildt engagiert sich für mehr Sichtbarkeit von Frauen in Führungspositionen und bringt mittelständische Perspektiven in wirtschaftliche Debatten ein.

Der Blick der Vereinten Nationen

Der „Gender Snapshot 2026“ ist die neueste Ausgabe einer jährlichen Reihe von UN Women und dem UN-Department of Economic and Social Affairs. Der