Am Freitag, 23. Oktober 2026, feiert das Museum der Universität Tübingen (MUT) sein 20-jähriges Bestehen. Auf dem Programm stehen kostenlose Führungen, ein Festsymposium und gleich zwei Eröffnungen. Der renovierte Uni-Pavillon an der Wilhelmstraße wird wieder geöffnet, außerdem nimmt das neue Sammlungszentrum unter der Mensa Wilhelmstraße seinen Betrieb auf.

Vier Jahre lang war der Pavillon geschlossen. Zuvor wurden dort unter anderem T-Shirts, Postkarten und weitere Produkte mit Uni-Logo verkauft. Vor vier Jahren übernahm das MUT das Gebäude vom Rektorat, renovierte es und gestaltete es neu. An der Fassade verweisen nun ein Vogelherdpferdchen, ein Mikroskop, Bücher, ein Zepter und eine Münzsammlung auf die unterschiedlichen Fakultäten.

Ein Pavillon als Schaufenster

Künftig sollen dort wieder Postkarten, Bücher und Bekleidung erhältlich sein – außerdem das Vogelherdpferdchen. Geplant ist zunächst eine Öffnung dienstags, donnerstags und freitags von 12 bis 14 Uhr. Dafür muss allerdings noch eine Stelle beantragt werden. Der Uni-Shop soll den bestehenden Verkauf und den Online-Versand ergänzen. Bestellungen von Uni-Produkten kommen nach Angaben des MUT sogar bis nach Kanada.

Der Pavillon soll zugleich als Schaufenster für Veranstaltungen zum 550-jährigen Bestehen der Universität dienen. Wiedereröffnet wird er um 18.30 Uhr gegenüber der Neuen Aula. Ein bisschen Geduld ist bis dahin nötig: Schon ab 12 Uhr beginnt das Tagesprogramm.

Unter dem Titel „Open Collections“ gibt es von 12 bis 15.30 Uhr kostenlose Kurzführungen durch ausgewählte Universitätssammlungen. Beteiligt sind die paläontologische, zoologische und mineralogische Sammlung, die graphische Sammlung, die geographische Kartensammlung, die Musikinstrumentensammlung und Sammlungen des Universitätsarchivs. Zusätzlich stehen die Ausstellung „Was bleibt. Evamarie Sanders Leben, Familie und Wissenschaft“ sowie Führungen zu Höhepunkten der Museen WeltKulturen und Alte Kulturen auf Schloss Hohentübingen auf dem Programm.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Wissenschaft im Audimax

Von 16 bis 18.30 Uhr findet im Audimax der Neuen Aula der Festakt statt. Das Festsymposium selbst ist für Vorträge zwischen 16 und 18 Uhr angesetzt. Nach Grußworten von Professorin Dr. Karin Amos, Prorektorin für Lehre und Studium der Universität Tübingen, sowie Professor Dr. Volker Wissemann, Vorsitzender der Gesellschaft für Universitätssammlungen e. V. und Professor an der Justus-Liebig-Universität Gießen, übernimmt Professor Dr. Ernst Seidl, Direktor des MUT, Einführung und Moderation.

Silke Ackermann, Direktorin des Museums für Wissenschaftsgeschichte sowie Professorin und Fellow des Linacre College an der Universität Oxford, spricht über „Activating university collections for public engagement and outreach“ – also über die öffentliche Nutzung universitärer Sammlungen. Philippe Cordez, stellvertretender Leiter der Abteilung für Museumsstudien und Forschungsförderung sowie Leiter des Bereichs Forschungsförderung des Dominique-Vivant-Denon-Zentrums am Louvre in Paris, widmet sich unter dem Titel „Objekte der Wissenschaft / Wissenschaft der Objekte: kunsthistorische Perspektiven“ dem Verhältnis von Wissenschaft und ihren Objekten.

Thomas Thiemeyer vom Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Tübingen fragt schließlich: „Jenseits von Sammeln und Bewahren: Wie politisch ist das Depot?“ Das Symposium beschäftigt sich damit mit Aufgaben, Potenzialen und Perspektiven universitärer Sammlungen – nicht gerade mit einem Thema, das im Keller bleiben müsste.

Mehr Raum für Bestände

Um 19.30 Uhr öffnet das neue Sammlungszentrum des MUT im Untergeschoss der Mensa Wilhelmstraße. Mehrere Führungen geben Einblick in die Räume. Das Zentrum dient der Aufbewahrung wissenschaftlicher Bestände und soll sie für Forschung und Lehre zugänglich machen.

Die Universität Tübingen verfügt über rund 80 wissenschaftliche Fachsammlungen – die größte Zahl wissenschaftlicher Sammlungen an einer deutschen Universität. Laut Artikel ist sie außerdem die einzige zentrale Kustodie mit zwei Provenienzforschungsstellen. Hinzu kommen Anteile an zwei UNESCO-Welterbe-Einträgen und an einem Guinnessbuch-Eintrag; weltweit ist Tübingen damit die einzige Universität mit dieser Kombination.

Das Jubiläumsprogramm steht unter dem Motto „Vergangenheit erschließen. Zukunft gestalten“. Weitere Informationen gibt es auf unimuseum.uni-tuebingen.de.

Sammlungen als Forschungsinfrastruktur

In den größeren Zusammenhang wissenschaftlicher Sammlungen in Deutschland passt die Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen. Sie besteht seit Mai 2012. Grundlage war die Empfehlung des Wissenschaftsrats zu wissenschaftlichen Sammlungen als Forschungsinfrastrukturen vom Januar 2011. Darin schlug der Wissenschaftsrat eine beratend und koordinierend tätige Einrichtung vor.

Angesiedelt ist die Koordinierungsstelle am Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik der Humboldt-Universität zu Berlin; finanziert wird sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Ein interdisziplinäres Team entwickelt Strategien, um Sichtbarkeit und Nutzbarkeit der Sammlungen zu verbessern. Die vielfältigen Bestände sollen unter Berücksichtigung ihrer lokalen Besonderheiten fächer- und standortübergreifend weiterentwickelt und vernetzt werden – als dezentrale Infrastrukturen für Forschung, Lehre und Bildung.

Laut der Koordinierungsstelle gibt es dafür weder in Deutschland noch international ein vergleichbares Projekt. In Tübingen wird am Freitag erst einmal aufgesperrt, herumgeführt, diskutiert und ziemlich sicher auch über das eine oder andere Objekt gestaunt.