Am Mittwoch, 7. Oktober 2026, wird es auf dem Dresdner Neumarkt stiller als sonst. Um 17 Uhr beginnt vor der Frauenkirche eine Mahnwache der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG). Sie erinnert an den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, an mehr als 1.200 Getötete und an die Menschen, die als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Mehr als 250 Menschen waren es.

Unterstützt wird die Veranstaltung von der Stiftung Frauenkirche Dresden. Als Redner angekündigt sind der Journalist und Autor Constantin Schreiber, Sachsens Kultusminister Conrad Clemens, Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch sowie Daniel Aschheim, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der israelischen Botschaft in Berlin. Schreiber stellt außerdem um 20:15 Uhr im Thalia Haus des Buches am Dr.-Külz-Ring sein Buch „Die Kraft des Islam“ vor.

Ein Angriff, der Israel überraschte

Der genaue Beginn der Hamas-Planung ist unbekannt. Das Konzept soll etwa 2014 entworfen worden sein, konkrete Vorbereitungen begannen demnach 2021. Bereits 2018 hatte die Hamas einen „gemeinsamen Raum“ palästinensischer Widerstandsbewegungen gegründet, um Operationen gegen Israel zu koordinieren. Dazu gehörten unter anderem die Izz-al-Din-al-Qassam-Brigaden der Hamas, die Al-Quds-Brigaden des Palästinensischen Islamischen Dschihad, Brigaden der Volksfront und der Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas, die Volkswiderstandskomitees, die Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden sowie Mudschaheddin- und Al-Ansar-Brigaden.

Laut den vorliegenden Angaben nahmen etwa 3.800 Hamas-Elitekämpfer und 2.200 Mitglieder anderer Gruppen am Angriff teil. Rund 1.000 weitere Personen blieben im Gazastreifen, um Raketenbeschuss und taktische Unterstützung zu leisten. Eine Studie von Daniel Sobelman beschreibt als mögliche Ziele einen Mehrfrontenkrieg mit Beteiligung der Hisbollah und weiterer Verbündeter, die militärische und gesellschaftliche Destabilisierung Israels und schließlich dessen Zusammenbruch. Iran und Hisbollah sollen vom Zeitpunkt und Ausmaß überrascht gewesen sein. Die Hamas könnte darauf gesetzt haben, ihre Partner durch vollendete Tatsachen in einen umfassenden Krieg zu ziehen.

Auch die Proteste gegen die israelische Justizreform und die gesellschaftliche Polarisierung wurden der Studie zufolge als Zeichen von Schwäche gelesen. Am 7. Oktober 2023 kündigte die Hamas gegen 6:30 Uhr Ortszeit die „Operation al-Aqsa-Flut“ an. Der Tag fiel auf Simchat Tora, den Abschluss der Sukkot-Festwoche, und lag nahezu 50 Jahre nach dem Beginn des Jom-Kippur-Krieges am 6. Oktober 1973. Hamas-Kommandeur Mohammed Deif nannte den Angriff im Radio den „Tag der größten Schlacht“.

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Die Hamas erklärte zunächst nahezu alle Israelis über 18 Jahren wegen der Wehrpflicht zu Angehörigen der Sicherheitskräfte und damit zu militärischen Zielen. Amnesty International wies das zurück: Damit ließen sich die Tötungen von Kindern, älteren Menschen, Ausländern, Beduinen, Gefangenen und unbewaffneten Personen nicht rechtfertigen.

Raketen, Grenzdurchbrüche, Infiltration

Um 6:29 Uhr begann der Angriff mit massivem Mörser- und Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. Bis 7 Uhr wurden mehr als 1.400 Raketen abgefeuert, nach Angaben der IDF in den ersten vier Stunden rund 3.000. Mohammed Deif sprach von 5.000 Raketen. Getroffen wurden unter anderem Aschkelon, Rischon LeZion, Tel Aviv und Mewasseret Zion; auch in Jerusalem und Be’er Scheva gab es Raketenalarm.

Raketeneinschläge töteten eine Frau im Gebiet Gderot, sieben Menschen nahe Kuseife und drei Mitglieder einer Familie in Netivot. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt. Die Luftabwehr war teilweise überfordert, viele Zivilisten mussten in Schutzräume. Währenddessen griffen bewaffnete Einheiten die Sperranlagen um den Gazastreifen an: Drohnen warfen Sprengsätze auf Beobachtungs- und Waffentürme, Scharfschützen zerstörten Überwachungskameras, ein Merkava-Kampfpanzer wurde durch eine Drohne außer Gefecht gesetzt.

Vorauskommandos sprengten an 114 Stellen Durchgänge in Grenzmauern und Zäunen; manche wurden später mit Baumaschinen erweitert. Berichte über einen Cyberangriff auf militärische Systeme dementierte die IDF. Um 6:37 Uhr gab die Gaza-Division das Codewort „Parash Peleshet“ aus – eigentlich war damit das Eindringen von höchstens einigen Dutzend Angreifern an maximal acht Stellen gemeint. Entlang der 59 Kilometer langen Grenze standen zu diesem Zeitpunkt nur 767 israelische Soldaten.

Bis etwa 9 Uhr drangen in zwei Wellen mehr als 1.700 Hamas-Mitglieder der Nukhba-Eliteeinheiten nach Israel ein. Sie kamen zu Fuß, auf Motorrädern, in Pick-ups, mit Motorschirmen und Schnellbooten. Bewaffnet waren sie unter anderem mit Kalaschnikows, Handgranaten, Panzerabwehrwaffen und Sprengstoff. Zwischen 7 und 8 Uhr wurden 34 Gebiete angegriffen, darunter Zikim, Erez, Nahal Oz, Sufa, Be’eri, Kissufim, Nir Oz, Urim und Kerem Schalom.

Die Angreifer eroberten zeitweise das Hauptquartier der Gaza-Division bei Reʿim und die Polizeiwache in Sderot. Die Basis Nahal Oz war zu Beginn laut einem späteren IDF-Bericht nur mit einem Wachsoldaten besetzt, Panzertruppen waren nicht einsatzbereit. Dort wurden 53 israelische Soldaten getötet, darunter 16 unbewaffnete Beobachterinnen; zehn weitere Soldaten wurden nach Gaza verschleppt. Mehrere ranghohe israelische Kommandeure starben in den ersten Stunden, darunter die Befehlshaber der Nachal-Brigade, der Multidimensional Unit und der Südbrigade der Gaza-Division. Neben Hamas-Kämpfern beteiligten sich Angehörige anderer bewaffneter Gruppen und Zivilpersonen aus Gaza.

Häuser, Schutzräume, Festivalgelände

Die israelische Regierung und die IDF waren auf den Angriff nicht vorbereitet. Noch am Vormittag begann die Militäroperation „Eiserne Schwerter“. Verteidigungsminister Joaw Galant ordnete die Einberufung von Reservisten an und rief zunächst im Umkreis von 80 Kilometern um Gaza den Notstand aus. In der Nacht wurde er auf ganz Israel ausgeweitet.

Bereits ab 6:33 Uhr meldete die israelische Marine einen Angriff über See. Fünf von sieben Hamas-Schnellbooten wurden zerstört, fünf bis acht Kampftaucher getötet. 16 Angreifer erreichten mit zwei Booten den Strand von Zikim und griffen Zivilisten, einen Kibbuz und IDF-Einrichtungen an.

Die Luftwaffe hatte anfangs wegen fehlender Informationen Schwierigkeiten, Ziele und eigene Truppen auseinanderzuhalten. Der erste gemeldete Drohnenangriff erfolgte um 7:15 Uhr bei Netiv HaʿAssara. Ab 7:55 Uhr wurden mutmaßliche Kommandozentralen, Kommandeure, Lager und Tunnelanlagen der Hamas angegriffen. Am 7. Oktober setzte Israel nach IDF-Angaben rund 530 Tonnen Bomben und insgesamt etwa 11.680 Kampfmittel ein. Ab etwa 8 Uhr unterstützten Kampfhubschrauber die Bodentruppen, ab 9:30 Uhr sollte die Luftwaffe weitere Infiltrationen und die Rückkehr von Angreifern nach Gaza verhindern. Transporthubschrauber brachten rund 1.700 Sicherheitskräfte ins Einsatzgebiet und evakuierten mehr als 150 Verletzte; ein Yasur-Transporthubschrauber wurde nach einer Landung durch Beschuss zerstört.

In den Grenzorten hielten lokale Sicherheitsteams teilweise stundenlang allein stand. In Zikim, Erez, Nir Am, Mefalsim, Sa’ad, En HaSchloscha, Magen, Tzohar und Kerem Schalom verhinderten sie ein Eindringen. In zahlreichen anderen Orten kam es zu Massakern: etwa in Netiv HaʿAssara, Kfar Aza, Nahal Oz, Alumim, Be’eri, Kissufim, Nirim, Nir Oz, Cholit, Sderot und Ofakim, am Strand von Zikim und beim Supernova-F