Bauhaus-Geschichte neu belebt: Schenkung bereichert Weimarer Archiv
Am 22. Juli 2026 hat das Archiv der Moderne (AdM) der Bauhaus-Universität Weimar eine bedeutende Schenkung erhalten, die auf eine spannende und innovative Zeit in der Geschichte des Bauhauses verweist. Die Schenkung umfasst verschiedene Kunstobjekte und Dokumentationsmaterialien, die im Rahmen des Projekts „Bauhaus Psychology – Workshop with Robert Wilson“ entstanden sind. Dieses Projekt wurde 2023 anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der ersten großen Bauhaus-Ausstellung von 1923 realisiert, und zwar in Kooperation mit dem Kunstfest Weimar sowie dem bauhaus.medien.bühnen Labor der Fakultät Medien.
Die Idee hinter dem Workshop stammt von Prof. Dr. Henning Schmidgen und fokussierte sich auf die faszinierende Persönlichkeit von Gertrud Grunow, einer der wenigen Frauen, die am Bauhaus wirkten. Grunow war nicht nur Meisterin am Bauhaus, sondern auch eine Pionierin in der Verbindung von Kunst und Psychologie, die zwischen 1919 und 1924 maßgeblichen Einfluss auf die Ausbildung und Lehre am Bauhaus hatte. Ihr Unterrichtsstil, der als „Harmonisierungslehre“ bekannt wurde, zielte darauf ab, die Wahrnehmung, Bewegung und das Gleichgewicht der Studierenden zu fördern und wurde von Kunstschaffenden wie Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer hoch geschätzt.
Ein Blick auf Gertrud Grunows Vermächtnis
Gertrud Grunow wurde am 8. Juli 1870 in Berlin geboren und starb am 11. Juni 1944 in Leverkusen. Während ihrer Zeit am Bauhaus war sie die einzige weibliche Meisterin und zeichnete sich durch ihren ganzheitlichen Ansatz im Unterricht aus. Sie lehrte die harmonische Nutzung aller Sinne und förderte individuelles, psychologisches Training sowie die Sensibilisierung für Farben und Klänge. Ihre Lehrmethoden hatten einen nachhaltigen Einfluss auf die Kunst- und Wissenschaftslandschaft in Deutschland und sind auch heute noch von Bedeutung.
Besonders hervorzuheben ist ihre Zusammenarbeit mit dem Psychologen Heinz Werner, einem Pionier in der Psychologie, der Grunows Ideen und Theorien unterstützte. In dem erwähnten Workshop wurden Themen wie die Rezeptionswege der Bauhaus-Psychologie diskutiert, und es fanden Verbindungen zwischen Gertrud Grunow und weiteren bedeutenden Persönlichkeiten wie dem Regisseur Robert Wilson und dem Entwicklungsforscher Daniel Stern statt.
Das Sammlungsstück und seine Bedeutung
Die Schenkung im Archiv der Moderne umfasst bedeutende Stücke, darunter eine signierte Zeichnung von Robert Wilson sowie Zeichnungen von Jenny Brockmann, die sich mit der Raumarchitektur im Oberlichtsaal beschäftigen. Zudem sind Diskursobjekte enthalten, die speziell für die Veranstaltung geschaffen wurden. All diese Materialien ergänzen die umfangreichen Dokumentationsunterlagen, die den Forschungs- und Lehrbetrieb an der Bauhaus-Universität Weimar bereichern sollen.
Der Workshop selbst fand im Sommer 2023 im Oberlichtsaal der Bauhaus-Universität Weimar statt und zog zahlreiche Besucher*innen an. Er war Teil eines Dialogs über die Rolle von Körper, Raum, Bewegung und Wahrnehmung in der modernen Welt. Das Erbe von Gertrud Grunow und ihre innovative Lehre bleibt auch nach all den Jahren ein zentrales Thema in der Diskussion über die Relevanz des Bauhauses für die heutige Zeit.
Die Schenkung unterstreicht nicht nur die Anziehungskraft des Bauhauses, sondern auch das Engagement der Universität Weimar, das Erbe dieser einzigartigen Institution lebendig zu halten und weiterzuentwickeln. Der Einfluss von Persönlichkeiten wie Gertrud Grunow wird weiterhin in der Lehre und der Praxis von Kunst und Design spürbar sein.
