Bielefelder Doktorand gewinnt Deutschen Studienpreis für Notfallforschung!
Der Deutsche Studienpreis der Körber-Stiftung geht in diesem Jahr an Dr. Philipp Jann für seine herausragende Dissertation zur psychosozialen Notfallversorgung. Diese Auszeichnung, die mit 25.000 Euro dotiert ist, stellt nicht nur einen persönlichen Meilenstein für den Forscher dar, sondern auch einen bedeutenden Beitrag zur Wissenschaft in diesem wichtigen Bereich. Dr. Jann promovierte an der Universität Bielefeld im Jahr 2025 und erreicht mit seiner Arbeit den 1. Platz in der Sektion Sozialwissenschaften.
In seiner Dissertation widmet sich Dr. Jann dem Thema der psychosozialen Notfallversorgung nach plötzlichen und gewaltsamen Todesereignissen. Sein Ziel war es, das Risiko von Trauer- oder Traumafolgestörungen bei Hinterbliebenen und Augenzeug*innen zu untersuchen. Dabei hat er weltweit erstmalige Daten erhoben, indem er betroffene Personen wenige Stunden bis Tage nach dem Ereignis befragte und sie dann erneut nach sechs Monaten kontaktierte. Die Ergebnisse zielen darauf ab, akute Risiko- und Symptommuster frühzeitig zu erkennen, um gezielte Hilfe bieten zu können.
Wichtigkeit der psychosozialen Notfallversorgung
Das Thema der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Laut der Bundesanstalt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe verfolgt die PSNV das Ziel, betroffenen Menschen, wie Angehörigen, Hinterbliebenen und Einsatzkräften, Unterstützung nach belastenden Ereignissen zu bieten. Insbesondere die ersten Stunden und Tage nach einem Vorfall sind entscheidend, um die psychosozialen Belastungen zu mindern und langfristige Folgen zu verhindern.
Die Qualitätssicherung in der PSNV erfolgt über festgelegte Standards, die im Rahmen eines Konsensus-Prozesses zwischen 2007 und 2010 entwickelt wurden. Insgesamt wurden 31 Qualitätsstandards und Leitlinien in sechs Themenfeldern verabschiedet. Diese Standards sind von großer Relevanz für die etablierte PSNV-Praxis und die Fach-Community. Ein zentraler Aspekt der PSNV-Philosophie ist die Aktivierung der personalen und sozialen Ressourcen der Betroffenen, was bedeutet, dass Unterstützungsangebote bereitgestellt werden, wenn persönliche Ressourcen fehlen oder nicht ausreichen.
Relevanz für die Gesellschaft
Die Erkenntnisse aus Dr. Janns Forschung sind nicht nur für Einzelfälle bedeutend, sondern haben auch weitreichende Implikationen für Großschadensereignisse wie Anschläge oder Naturkatastrophen. Die entwickelten Verfahren zur Identifikation von Hochrisikopersonen könnten dabei helfen, in Extremsituationen schneller zu handeln. Dies deckt sich mit den Sorgen und Bedürfnissen, die auch durch die Corona-Pandemie und die Hochwasserkatastrophe 2021 verstärkt wurden, als die psychosoziale Belastung für viele Menschen enorm war.
Laut dem Deutschen Roten Kreuz wurden in der PSNV des DRK über 100 Kriseninterventions- und Notfallnachsorgedienste eingerichtet, die bundesweit tätig sind. Diese Dienste bieten nicht nur psychosoziale Unterstützung, sondern auch umfangreiche Ausbildungsangebote für die Mitarbeitenden. Die Fachkräfte, die selbst aus Einsatzdiensten stammen, sorgen für die nötige Unterstützung und Entlastung für Betroffene.
Die Preisverleihung für den Deutschen Studienpreis findet im kommenden Dezember in Berlin statt. Dr. Janns Dissertation wurde bereits am 21. Juli als eine der 15 besten Arbeiten der Universität Bielefeld ausgezeichnet, was seine hervorragenden Leistungen weiter unterstreicht.
