Bremen feiert die deutsche Einheit zwischen Politik, Wissenschaft und Riesenrad
Heute, am 3. Oktober 2026, ist Bremen zum großen Treffpunkt der deutschen Einheit geworden: Bei sonnigem, sommerlichem Wetter feierten dort Hunderttausende Menschen den Tag der Deutschen Einheit. Das Fest steht unter dem Motto „Viele Stärken – Ein Land“. Gastgeber ist Bremen, weil das kleinste Bundesland derzeit die Bundesratspräsidentschaft innehat.
Auch an der Uni Hamburg dürfte der Blick heute immer wieder nach Bremen gehen. Dort ist das Programm dicht: Seifenkistenrennen, Kletterwand, Konzerte, Diskussionen, Führungen, Mitmach-Aktionen und Ausstellungen gehören zum Bürgerfest. Wer den Überblick behalten will, kann das Gelände aus einem Riesenrad betrachten. Außerdem informieren zahlreiche Stände über den Bundesrat und andere staatliche Institutionen.
Gottesdienst, Festakt und Selfies
Der offizielle Auftakt begann mit einem ökumenischen Gottesdienst im Bremer Dom. Danach folgte im Konzerthaus Glocke ein Festakt mit etwa 1.000 geladenen Gästen. Unter ihnen waren Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), mehrere Bundesminister, fast alle Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder sowie Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts.
Steinmeier erinnerte daran, dass die Herausforderungen der Gegenwart den historischen Glücksmoment der deutschen Einheit nicht verdrängen dürften. Vergessen wäre „Verrat“. Zugleich warnte er vor extremistischen Kräften, die Freiheit, Demokratie und Einheit gefährdeten. Rechtsextreme wollten das Andenken an die Holocaust-Opfer auslöschen, sagte der Bundespräsident. Die Politik müsse sich aber auch mit ihren eigenen Versäumnissen auseinandersetzen.
Seine Rede verband Steinmeier mit einem Blick auf die erfolgreich bewältigten Krisen der vergangenen Jahrzehnte. Gefragt seien politischer Wille und der Mut, Routinen zu verlassen: „Habt Mut zur Erneuerung!“ Am Ende sagte er: „Unser Deutschland ist ein gutes Land. Schaffen wir ein noch besseres!“ Dafür gab es langen Applaus.
Auf dem Weg vom Dom zur Glocke kamen Merz und Klöckner unter hohem Polizeischutz mit Bürgern in Kontakt. Hände wurden geschüttelt, Fotos gemacht. Klöckner nahm Smartphones von Besuchern entgegen und machte gemeinsam mit ihnen und Merz zahlreiche Selfies. Wer kein Bild mit dem Kanzler ergattern konnte, hatte immerhin die Möglichkeit, sich an einem „Selfie-Spot“ mit dem Rednerpult des Kanzlers fotografieren zu lassen. Ein bisschen staatsmännisch, ein bisschen Jahrmarkt.
Politik zum Anstehen und Anschauen
Das Bürgerfest sollte bis Sonntag dauern. Erwartet wurden mehr als 400.000 Besucher, insgesamt waren rund 800 Veranstaltungen geplant. Für das weitere Programm waren Auftritte der Fantastischen Vier, Flo Mega, MiA, Kamrad und Versengold vorgesehen.
Auf dem Festgelände präsentierten sich Bundesrat, Bundestag, Bundesregierung und Bundesverfassungsgericht. Beim Dialogforum der Bundesregierung bildete sich wegen des Besuchs von Verteidigungsminister Boris Pistorius eine lange Warteschlange. Pistorius beantwortete Fragen zu hybriden Anschlägen, Aufrüstung und Wehrpflicht. Wer nicht in den Saal kam, konnte die Diskussion per Videoübertragung von außen verfolgen.
Auf der „Ländermeile“ am Osterdeich zeigten die Bundesländer, was sie mitgebracht hatten: Thüringen bot ein Mini-Planetarium, am Berliner Stand legte ein DJ Musik auf, Hamburg veranstaltete ein Quiz und Niedersachsen servierte VW-Currywurst. Bremen selbst präsentierte sich auf mehreren Flächen mit Themen wie Mobilität, Häfen, Wissenschaft, Innovationen und Raumfahrt. Neben dem Rathaus ragte eine 17 Meter hohe Rakete in den Himmel.
Sommerfest mit Sicherheitskonzept
Für die Sicherheit waren Polizisten aus mehreren Bundesländern und die Bundespolizei im Einsatz, unter anderem an Bahnhöfen und am Flughafen. Mobile Sperren sicherten Straßen und Plätze, einige Bereiche wurden videoüberwacht. Nach Angaben der Polizei kam es zu keinen Behinderungen oder Störaktionen.
Zwischen Riesenrad, Currywurst und Rednerpult blieb damit Raum für die großen politischen Fragen ebenso wie für die kleinen Festmomente: Musik aus Berlin, ein Quiz aus Hamburg, Wissenschaft und Raumfahrt aus Bremen – und irgendwo dazwischen Besucher, die ihr Smartphone hochhalten, damit alle aufs Bild passen.
