Bremen im Ausnahmezustand: Großaufgebot sichert Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit
Heute, am 5. Oktober 2026, ist die große Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen bereits vorbei. Am Nachmittag hatte das Bürgerfest in der Innenstadt begonnen, mit Ständen und Bühnen auf dem Marktplatz, an der Schlachte, am Osterdeich und am Weserstadion. Bis Sonntagabend wurden rund 450.000 Besucherinnen und Besucher erwartet; nach den Angaben zur Veranstaltung waren es mehr als 400.000. Rund 600 Programmpunkte mit Shows, Konzerten und Informationen zum politischen System standen auf dem Plan, der Eintritt war frei.
Gleichzeitig war Bremen dicht gemacht worden. Viele Innenstadtstraßen blieben wegen der Sicherheitsmaßnahmen gesperrt, in der Innenstadt standen Poller und weitere Absperrungen. Rund um den Bremer Dom und das Konzerthaus „Die Glocke“ entstand für den Festakt und einen Gottesdienst mit den Staatsgästen eine abgesperrte Sicherheitszone, auch Teile des Domshofs waren nicht zugänglich. Die Senatskanzlei arbeitete dafür mit der Bremer Polizei und dem Bundeskriminalamt zusammen.
Großeinsatz zwischen Festgelände und Sperrzonen
Die Polizei Bremen plante ihren bislang größten Einsatz. Rund 2.400 Bremer Polizeibeamtinnen und -beamte standen grundsätzlich zur Verfügung, dazu wurden Tausende Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern und mehrere Hundert Beschäftigte weiterer Sicherheitsdienste erwartet. Für viele Polizeikräfte galt nach Angaben von Gewerkschaften eine Urlaubssperre. Das Sicherheitskonzept war etwa ein Jahr lang vorbereitet worden; Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt und weitere Stellen arbeiteten daran mit. Welche Maßnahmen im Detail vorgesehen waren, hielt der Senat teilweise unter Verschluss.
Die Aufgaben waren beträchtlich: zahlreiche Veranstaltungen und die vielen Besucher absichern, hochrangige Staatsgäste wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz schützen, Demonstrationen begleiten und den Verkehr regeln – und das alles auf engem Raum. Bremen hatte dafür vier Millionen Euro eingeplant. Gewerkschaften halten die Summe für zu niedrig und warnen vor langfristigen Folgen für den Polizeialltag.
Zur Planung gehörte auch Videoüberwachung. Die Polizei wollte Kameras ähnlich wie beim Bremer Freimarkt einsetzen. Zusätzlich war der Luftraum über Bremen vom 2. bis zum 4. Oktober teilweise gesperrt. Besucher sollten keine E-Scooter, gefährlichen Gegenstände oder Glasflaschen beziehungsweise Glasbehälter mitbringen; große Taschen und Rucksäcke sollten zu Hause bleiben. Auf dem Festgelände waren stichprobenartige Kontrollen vorgesehen. Awareness-Teams dienten als Anlaufstelle für Menschen, die sich unwohl fühlten oder diskriminiert beziehungsweise belästigt wurden.
Auch die Krankenhäuser stellten sich auf den Andrang ein. Bremer Kliniken übten Szenarien mit einer großen Zahl Verletzter und überprüften dabei die Zusammenarbeit sowie die Funktionsfähigkeit der Abläufe. Ein bisschen mulmig kann einem bei solchen Vorbereitungen schon werden, selbst wenn am Ende hoffentlich alles ruhig bleibt.
Protest angekündigt, konkrete Gefährdung nicht bekannt
Eine Demonstration gegen die Feierlichkeiten war angemeldet. Die „Basisgruppe Antifaschismus Bremen“ kündigte für Freitagabend einen Protest unter dem Motto „Kein Frieden mit der Nation. Gegen Nationalismus, Militarisierung und Sozialabbau“ an. Friedlicher Protest sei möglich, erklärte die Polizei; Straftaten und gezielte Störungen werde sie nicht hinnehmen.
Der Bremer Verfassungsschutz teilte mit, die Sicherheitsbehörden nähmen grundsätzlich jede Drohung ernst. Konkrete Hinweise auf eine spezifische Gefährdung gebe es derzeit nicht. Beobachtet werde besonders der gewaltorientierte Linksextremismus im Zusammenhang mit dem Tag der Deutschen Einheit.
Mitte September hatten Unbekannte bei Kühne und Nagel in der Bremer Überseestadt mehr als 60 Fensterscheiben beschädigt und die Parole „Kein Vergeben #3.10.“ an das Gebäude gesprüht. Auf einer Internetplattform erschien dazu ein Bekennerschreiben, das mutmaßlich aus der linksradikalen Szene stammt. Auch an einem Zollgebäude in der Bremer Neustadt wurde ein Graffiti mit Bezug zum 3. Oktober entdeckt. In Internetforen gab es Aufrufe zu Ausschreitungen, teilweise im Zusammenhang mit weiteren Sachbeschädigungen.
Was andere Großfeste zeigen
Wie ein solcher Einsatz ablaufen kann, zeigte im Vorjahr das Bürgerfest in Saarbrücken: Vom 2. bis 4. Oktober 2025 kamen dort rund 400.000 Menschen zusammen. Die Polizei Saarland registrierte ein für Großveranstaltungen typisches Einsatzaufkommen, schwerwiegende Störungen gab es nicht. Ein Drohnenpilot wurde gestoppt, weil er gegen das geltende Flugverbot verstieß.
Unterstützt wurde die Polizei Saarland von zahlreichen Kräften aus anderen Bundesländern und vom Bund. Rund 30 ehrenamtliche Mitglieder der DPolG und der JUNGEN POLIZEI aus mehreren Bundesländern betreuten die Einsatzkräfte vor Ort. Über die Landesgeschäftsstelle gab es Getränke, Snacks und kleine Aufmerksamkeiten; besonders gefragt war ein speziell für den Tag der Deutschen Einheit gestalteter DPolG-Patch. Die Dienstzeiten waren kurzfristig geplant worden. Die DPolG Saarland dankte anschließend den eingesetzten Polizeikräften und den beteiligten Partnerbehörden für ihren Dienst während der Festtage.
Uni Bremen wartet auf Förderentscheidung
An der Universität Bremen geht der Blick derweil wieder stärker auf die Wissenschaft. Die Hochschule wartet auf die Entscheidung der Exzellenzkommission. Bremen hatte sich gemeinsam mit der Universität Oldenburg um den Exzellenztitel beworben. Für die Hochschulen steht dabei viel auf dem Spiel: Der Titel würde zusätzliche Fördermittel bedeuten. Nach Angaben einer Sprecherin könnten in den kommenden sieben Jahren 150 Millionen Euro bereitgestellt werden.
Für Studierende klingt das zunächst nach einer Zahl aus einer anderen Welt. Dahinter stehen aber Labore, Forschungsprojekte, Stellen und die Frage, wie sichtbar der Wissenschaftsstandort Bremen künftig sein wird. Die Entscheidung lässt noch auf sich warten.
Umleitungen, Fußball und ein ungewöhnlich warmer Sommer
Auf der Bahnstrecke Hannover–Berlin ist seit heute wegen umfangreicher Bauarbeiten länger Schluss. Die Züge werden über Braunschweig und Magdeburg umgeleitet, die Reisezeit verlängert sich dadurch um mindestens 80 Minuten. Die Generalsanierung soll 14 Monate dauern. Wer also zwischen Hannover und Berlin unterwegs ist, braucht derzeit Geduld – und am besten einen großen Kaffee.
Sportlich begann die neue Ära der deutschen Nationalmannschaft mit einem 2:0 gegen Serbien. Es war das erste Spiel unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp. Die Tore erzielten Tom Bischof und Florian Wirtz. Am kommenden Sonntag folgt das Länderspiel gegen Griechenland.
Der vergangene Sommer war laut dem EU-Klimadienst Copernicus der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur lag 2,5 Grad über dem langjährigen Mittel. Dazu blieb es besonders trocken: Die Pegel vieler Flüsse und Seen sanken deutlich. Gerade an der Weser war das kein Detail, das man einfach wegwischen konnte.
Heute zeigt sich das Wetter im Weser-Ems-Gebiet teils sonnig, teils locker bewölkt und trocken. Im Osten ziehen letzte Regenwolken bis zum Vormittag über die Lüneburger Heide und die Elbe ab. Am Nachmittag wird es freundlich und trocken, mit Sonne und Quellwolken. Auf den Inseln werden 18 Grad erwartet, auf dem Festland 19 bis 20 Grad.
Aktuell sind es 11 Grad in Brinkum, 14 in Cloppenburg, 15 in Bremen und Bremerhaven sowie 17 Grad in Cuxhaven. In der Nacht bleibt es locker bewölkt bis klar und trocken, stellenweise bildet sich später Nebel. Die Temperaturen sinken auf Werte zwischen 12 und 6 Grad.
Morgen löst sich der Nebel auf. Zeitweise scheint die Sonne, dazu ziehen einige lockere oder dünne Wolken durch. Nachmittags bleibt es erneut freundlich und trocken, mit 18 Grad auf den Inseln und 19 bis 21 Grad im Binnenland.
