Bundibugyo-Ebola erreicht Nairobi: Der bislang größte Ausbruch in der DR Kongo weitet sich aus
An der Uni Saarland ist die Nachricht aus Ostafrika angekommen wie ein kalter Luftzug: Kenia hat den ersten Ebola-Fall des Landes bestätigt. Der Patient starb am Montagabend in Nairobi an einer Infektion mit dem hochansteckenden Bundibugyo-Virus. Der Mann hatte sieben Jahre in der Demokratischen Republik Kongo gelebt und gearbeitet, erkrankte vor etwa einem Monat und reiste anschließend auf dem Landweg nach Uganda.
Von Uganda aus flog er am Samstag nach Kenia. Angehörige brachten ihn nach der Ankunft direkt in ein Krankenhaus in Nairobi. Dort litt er unter Fieber, Schüttelfrost, starker Erschöpfung, Muskelschmerzen und Blutungen unter der Haut. In der Anfangsphase kann Ebola leicht mit Malaria verwechselt werden – ein entscheidender Punkt, denn bei fiebernden Menschen mit möglicher reiseassoziierter Infektion durch Erreger viral-hämorrhagischer Fieber soll zusätzlich immer an Malaria gedacht und diese unverzüglich behandelt werden.
Ein Ausbruch mit mehreren Brennpunkten
Das Bundibugyo-Virus grassiert seit Monaten in der Demokratischen Republik Kongo. Seit dem 15. Mai 2026 ist im Nordosten des Landes ein Ebolafieber-Ausbruch bekannt. Zentrum und mutmaßlicher Ursprung liegen in den Provinzen Ituri und Nord-Kivu; außerdem sind Süd-Kivu, Haut-Uele, Bas-Uele und Tshopo betroffen. Der erste bekannte Fall hatte laut der vorliegenden Übersicht am 24. April 2026 in Ituri Symptome entwickelt.
Die WHO erklärte die Lage am 16. Mai 2026, nach den Angaben des Robert Koch-Instituts am 17. Mai 2026, zur Gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite, kurz PHEIC. Nach Angaben der WHO handelt es sich um den bislang größten Ebolafieber-Ausbruch in der Geschichte der DR Kongo. Africa CDC bezeichnete ihn als den am schnellsten wachsenden Ebola-Ausbruch, der bisher beobachtet wurde.
Die Zahlen hängen vom Datenstand ab und können sich durch laufende Neubewertungen ändern. Für die DR Kongo nennt die Übersicht zum 29. September 2026 8.224 Erkrankungsfälle, darunter 347 wahrscheinliche Fälle, sowie 3.982 Todesfälle. Uganda verzeichnete zum 21. Juli 2026 20 bestätigte und einen wahrscheinlichen Erkrankungsfall sowie zwei Todesfälle. In Frankreich wurde zum 6. Juli 2026 ein importierter bestätigter Fall ohne Todesfolge registriert. Zusammen ergibt das 8.245 bestätigte und wahrscheinliche Erkrankungsfälle sowie 3.984 Todesfälle.
Eine frühere Zwischenbilanz hatte bis zum 13. September in der DR Kongo 7.258 Infektionen und 3.510 Todesfälle ausgewiesen. Nach Angaben der kongolesischen Gesundheitsbehörden sind inzwischen 4.148 Menschen an der Krankheit gestorben. Die Zahlen wirken widersprüchlich, stammen aber aus unterschiedlichen Übersichten und Zeitständen.
Der Fall-Verstorbenen-Anteil lag nach der genannten Übersicht bei 32,8 Prozent. Damit lag er unter den Angaben für das Zaire-Ebolavirus von 66,6 Prozent und für das Sudan-Ebolavirus von 48,5 Prozent. Für Bundibugyo werden meist 30 bis 40 Prozent Letalität genannt – niedriger als beim häufiger auftretenden Zaire-Stamm. Wie viele Menschen sterben, hängt bei Ebola wesentlich von der Qualität der unterstützenden medizinischen Behandlung ab.
Von Ituri bis Nairobi
Der Ausbruch könnte Monate vor seiner Entdeckung begonnen haben. Ein 59-jähriger Mann erkrankte am 24. April und starb am 27. April in einem Krankenhaus in Ituri. Bis zur öffentlichen Aufmerksamkeit am 5. Mai sollen bereits etwa 50 Menschen gestorben sein. An diesem Tag meldete die WHO eine unbekannte Krankheit mit hoher Sterblichkeit aus dem Bezirk Mongbwalu; innerhalb von vier Tagen waren vier Gesundheitsfachkräfte gestorben.
Am 15. Mai bestätigte das INRB in Kinshasa das Bundibugyo-Virus in acht von 13 Blutproben. Am selben Tag erklärte die DR Kongo den 17. Ebola-Ausbruch des Landes. In Uganda wurden am 15. und 16. Mai zwei Fälle bestätigt. Der dortige Ausbruch ist inzwischen für beendet erklärt worden – nun könnte die Durchreise des erkrankten Mannes erneut Folgen für Uganda haben. Das Land hatte sich erst Ende August für Ebola-frei erklärt.
In Kenia suchen die Behörden derzeit nach 28 Kontaktpersonen, darunter Angehörige des Verstorbenen und behandelndes medizinisches Personal. Zusätzlich fahnden sie nach 23 Passagieren und vier Besatzungsmitgliedern des Fluges. Die Nachbarländer der DR Kongo gelten wegen der hohen Bevölkerungsmobilität, enger Handels- und Reiseverbindungen sowie epidemiologischer Unsicherheit als stark gefährdet für eine weitere Ausbreitung.
Auch internationale Fälle wurden bekannt. Ein US-amerikanischer Arzt, der in einem Krankenhaus in Nyankunde arbeitete, infizierte sich vermutlich am 11. Mai und wurde am 20. Mai zur Behandlung in die Berliner Charité gebracht. Seine Familie wurde überwacht beziehungsweise aufgenommen. Im Juni wurde bei einem französischen Arzt nach seiner Rückkehr aus der DR Kongo eine Infektion festgestellt. Damit gehören die Demokratische Republik Kongo, Uganda und Frankreich zu den betroffenen Ländern.
Am 21. Mai wurde in Süd-Kivu ein Fall bestätigt. Ebenfalls an diesem Tag setzten Menschen mehrere Zelte eines Behandlungszentrums in Brand, nachdem ihnen der Zugang zu einem Leichnam verweigert worden war. Am 23. Mai brannte es erneut; 18 Verdachtsfälle flohen. Die WHO stufte das Risiko für die öffentliche Gesundheit in der DR Kongo am 22. Mai als „sehr hoch“, für Uganda und angrenzende Staaten als „hoch“ und global als „gering“ ein.
Ein seltenes Virus, eine schwierige Versorgung
Das Bundibugyo-Ebolavirus wurde zuvor nur bei Ausbrüchen 2007 und 2012 festgestellt. Damals gab es 131 beziehungsweise 38 laborbestätigte Fälle. Wegen seines seltenen Auftretens und der späten Identifizierung standen zu Beginn weder spezifische Impfstoffe noch eine zugelassene Therapie zur Verfügung. Für diesen Ebola-Erreger gibt es bislang keine zugelassenen Medikamente und Impfstoffe.
Das vermutete Tierreservoir sind Flughunde. Menschen können sich durch Kontakt mit Blut oder Sekreten infizierter Tiere anstecken; danach ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch über Körperflüssigkeiten oder kontaminierte Oberflächen möglich. Unsichere Bestattungen und unzureichende Infektionsprävention können die Verbreitung fördern. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis 21 Tage. Anfangs treten Fieber, Müdigkeit sowie Muskel-, Kopf- und Halsschmerzen auf, später können Magen-Darm-Symptome, Organfunktionsstörungen und hämorrhagische Symptome folgen.
Im Ausbruchsgebiet wurde eine Behandlungsstudie mit vielversprechenden Substanzen begonnen. Remdesivir und der Antikörpercocktail MBP134 sollen in einer klinischen Studie geprüft werden. Ein Impfstoffkandidat befindet sich in der Phase-1-Testung; ein Kandidat der University of Texas wurde noch nicht am Menschen getestet. Der zugelassene Impfstoff gegen das Zaire-Ebolavirus wirkt gegen Bundibugyo nicht.
Die Lage vor Ort ist ohnehin brüchig. Ituri wird seit Jahren von Konflikten zwischen Hema-nahen Milizen und Lendu um Land und Bodenschätze geprägt. Seit 1999 wurden dort mehr als 50.000 Menschen getötet, seit dem Wiederaufflammen des Konflikts 2017 wurden rund 500.000 Menschen vertrieben. Gesundheits-, Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur sind beschädigt. In Ituri und Nord-Kivu benötigen rund vier Millionen Menschen humanitäre Hilfe, zwei Millionen sind auf der Flucht und zehn Millionen von akutem Hunger bedroht.
Nach der Auflösung von USAID gingen Gesundheitspersonal und Vorräte an Schutzausrüstung zurück. Dazu kommt Misstrauen gegenüber externen Behörden. Bis Mitte August waren laut Africa CDC sechs Provinzen betroffen, 4.566 Infektionen und 2.128 Todesfälle bestätigt. Mercy Corps warnte vor einer möglichen Ausbreitung in den Südsudan, der an Ituri und Haut-Uele grenzt.
Was in Deutschland vorbereitet ist
Für Menschen in der Europäischen Union stuft das ECDC das Risiko als sehr gering ein. Die Wahrscheinlichkeit einer Einschleppung und einer Sekundärübertragung in Europa wird ebenfalls als sehr gering bewertet. Die WHO empfiehlt, keine Grenzen zu schließen und keine Reise- oder Handelsbeschränkungen zu verhängen. Das Auswärtige Amt warnt dennoch vor Reisen in die betroffene Region.
Das RKI stellt unter www.rki.de/ebolafieber
