Casper kommt zurück nach Bielefeld – und diesmal soll im Lokschuppen kein Song fehlen. Am 19. und 20. Dezember 2026 veranstaltet der Rapper dort die zehnte Ausgabe seines „Zurück Zuhause“-Festivals. Beide Abende stehen unter dem Motto „Zwei Nächte in voller Länge“ und feiern das 15-jährige Bestehen seines Albums „XOXO“.

Für Casper ist Bielefeld mehr als eine Konzertadresse. Er studierte hier, bezeichnet die Stadt als seine Heimat und kehrt nun nach eigener längerer Live-Pause zurück. Seit seinem ausverkauften Stadionkonzert 2024 hat er keine eigene Liveshow mehr gespielt. Damals, am 16. Juni 2024, kamen rund 28.000 Menschen in die Schüco-Arena: Blumen, eine aufwendige Bühnenshow und eine Party im Stadion inklusive.

Zwei Abende, ein komplettes Album

Im Lokschuppen, der etwa 3.000 Besucherinnen und Besuchern Platz bietet, wird Casper sein Major-Debütalbum „XOXO“ jeweils vollständig live spielen. Das Album erschien 2011 und verband Rap, Indie und emotionale Texte. Auf Instagram erklärte Casper, „XOXO“ habe für ihn und viele Fans eine große persönliche Bedeutung. Unter der Konzertankündigung schrieben Fans entsprechend, das Album habe ihr Leben verändert.

Der Vorverkauf startete am 21. Oktober – und nach wenigen Minuten war Schluss. Beide Konzerte waren ausverkauft. Nach dem schnellen Ansturm forderten Fans größere Veranstaltungsorte oder gleich eine Rückkehr in die Schüco-Arena. Ob kurzfristig weitere Konzerte des 44-jährigen Musikers angekündigt werden, ist unklar. Wer Casper im Dezember begleitet, steht ebenfalls noch nicht fest.

Beim Stadionkonzert 2024 waren unter anderem Thees Ullmann und die junge Indie-Sängerin Philine Sonny dabei. Thees Uhlmann ist auch auf dem Albumtitel „XOXO“ vertreten. Die Platte soll als Special Edition mit neuem Artwork erneut veröffentlicht werden.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Ein Album mit Umwegen

„XOXO“ war für Casper ein gewagter Schritt. Für die Arbeit daran zog er von Bielefeld nach Berlin. Fast drei Jahre nach seinem Debütalbum „Hin zur Sonne“ und nach seinem Wechsel zu Selfmade Records hatte er die Veröffentlichung zunächst für Herbst 2009 angekündigt. Dann verzögerte sich alles bis zum 8. Juli 2011.

Ein zwischenzeitlich nahezu fertiges Album verwarf Casper, weil er mit den Songs unzufrieden war. Nach dem Umzug nach Berlin und dem Wechsel zu Four Music stellte er „XOXO“ fertig. Er beschrieb die Platte als Zusammenfassung seiner musikalischen Einflüsse. Dafür gab es ein ziemlich strenges Regelwerk: keine Klischee-Elemente aus Rap, keine Kompositionen mit Crossover-Bezügen, keine Wie-Vergleiche; raptypische Elemente sollten möglichst vermieden werden.

Das Ergebnis landete in der ersten Verkaufswoche auf Platz eins der deutschen Albumcharts – es war Caspers erste Chartplatzierung. In Deutschland wurde „XOXO“ mit dreifachem Gold für mehr als 300.000 verkaufte Exemplare ausgezeichnet. In einer Übersicht werden außerdem insgesamt 1× Gold und 1× Platin mit 300.000 Verkäufen angegeben.

Von „Der Druck steigt“ bis „Kontrolle/Schlaf“

Die Titelliste beginnt mit „Der Druck steigt (Die Vergessenen Pt. 1)“ (3:30) und „Blut sehen (Die Vergessenen Pt. 2)“ (3:18). Es folgen „Auf und davon“ (3:43), „XOXO feat. Thees Uhlmann“ (4:03), „Michael X“ (5:00), „Alaska“ (4:37), „Das Grizzly Lied“ (4:02), „So perfekt feat. Marteria“ (3:41), „Die letzte Gang der Stadt“ (2:52), „230409“ (3:56) und „Lilablau“ (3:28).

Den Schluss bilden „Arlen Griffey (Prelude)“ (0:58) und „Kontrolle/Schlaf“ (5:21). Als Bonus ist „So perfekt (Drunken Masters Remix, exklusiv bei Amazon.de)“ mit 4:50 aufgeführt. Das Cover gestaltete der Grafikdesigner Hassan Haider, Sänger der Post-Hardcore-Band Patsy O’Hara. Deren Gitarrist Michael Zolkiewicz spielte live Gitarre für Casper.

Zwischen HipHop, Hardcore und Erneuerung

Die Reaktionen auf „XOXO“ fielen deutlich aus. Klaus Buchholz von The Gap bezeichnete das Album als Caspers musikalische Selbstverwirklichung zwischen verschiedenen Genres. Lisa Wörner von laut.de gab 5 von 5 Sternen und hob die persönliche Ausrichtung sowie Texte und Musik hervor.

In der taz schrieb Tobias Nolte, die Platte verbinde unter anderem HipHop und Hardcore sowie Zerstörung und Erneuerung. Thomas Winkler nannte „XOXO“ in der Zeit einen Befreiungsschlag, der dem Sprechgesang neue Bereiche erschließe. Im Dezember wird sich im Lokschuppen zeigen, wie sich dieser alte, noch immer aufgeladene Stoff live anfühlt – zweimal, jeweils von Anfang bis Ende.

Quelle: Neue Westfälische, Diffus, Wikipedia. Stand: 22.10.2026, Uni Bielefeld.