Am morgigen Samstag, dem 10. Oktober 2026, sind in Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Frankfurt und Bremen Demonstrationen und Kundgebungen angekündigt. Aufgerufen hat der Kongress der kurdischen demokratischen Gesellschaften in Europa (KON-MED). Anlass ist der 28. Jahrestag des 9. Oktober 1998 – jenes Tages, an dem nach Darstellung von KON-MED das internationale Komplott gegen Abdullah Öcalan begann. Auch der Kongress der demokratischen Gesellschaften Kurdistans in Europa (KCDK-E) und die Kurdische Frauenbewegung in Europa (TJK-E) mobilisieren europaweit.

In Hamburg soll die Kundgebung am 10. Oktober stattfinden; als Ort ist Med Hamburg angegeben. KON-MED fordert die Freiheit des in der Türkei inhaftierten Öcalan und eine demokratische Lösung der Kurdistanfrage. Eingeladen sind die kurdische Bevölkerung sowie alle, die sich für Demokratie, Menschenrechte und Frieden einsetzen. Die Aktionen sollen an die Ereignisse von 1998 erinnern und die demokratische Lösung der Kurdistanfrage öffentlich zum Thema machen.

Vom Weggang aus Syrien bis nach Kenia

Öcalan, Gründer der PKK, verließ Syrien am 9. Oktober 1998 – nach 19 Jahren im Land. Vorausgegangen war massiver Druck aus Ankara: Die Türkei hatte Truppen an der Grenze zusammengezogen und mit einer Invasion gedroht. Syrien forderte ihn daraufhin zum Weggang auf. Im Zusammenhang mit dem Adana-Abkommen wird die Ausweisung ebenfalls genannt. Öcalan wollte nach Europa, um dort eine politische Lösung der Kurdenfrage voranzutreiben.

Seine Reise führte von Damaskus über Zypern nach Griechenland und weiter nach Moskau. Das russische Parlament gewährte ihm politisches Asyl, während die Regierung nach einer anderen Lösung suchte. Am 12. November reiste er mit einem italienischen Parlamentsabgeordneten nach Italien und wurde dort aufgrund eines deutschen Haftbefehls festgenommen. In Europa lebende Kurden fuhren zu Tausenden nach Rom. Öcalan lebte in einer Villa in Infernetto bei Rom und stand unter Hausarrest.

Deutschland zog sein Auslieferungsersuchen am 23. November zurück. Im Dezember 1998 wurde Öcalan aus dem Hausarrest entlassen, im Januar 1999 verließ er Rom. Versuche, in Europa politisches Asyl und Unterstützung für eine politische Lösung zu erhalten, scheiterten. Auch in Italien und Griechenland fand er keine Aufnahme.

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Am 15. Februar 1999 wurde er in Kenia festgenommen und in die Türkei gebracht. Zuvor hatte er sich vorübergehend unter dem Schutz des griechischen Botschafters in Kenia aufgehalten. Nach der Darstellung von Kurdish Voice wurde er unter Beteiligung von Geheimdiensten der USA, Griechenlands, Kenias, Israels und der Türkei getäuscht, angelockt, unter Drogen gesetzt und mit verbundenen Augen verschleppt. Die Versionen und die rechtliche Bewertung sind umstritten: Rechtsexperten sehen mögliche Verstöße gegen kenianisches Recht und internationale Rechtsgrundsätze. Öcalan führte einen zyprischen Pass auf den Namen „Lazaros Mavros“ mit sich; die Republik Zypern wies die türkische Behauptung zurück, den Pass ausgestellt zu haben.

Kurdische Kreise sprechen von einer internationalen Verschwörung und nennen unter anderem CIA, MI5 und Mossad. Ob Entführung und Inhaftierung mit dem internationalen Recht vereinbar waren, ist bis heute umstritten. Jährlich protestieren Kurden und Unterstützer weltweit am 9. Oktober gegen seine Inhaftierung.

Ein Friedensappell, der nicht verfing

Schon am 28. August 1998 hatte Öcalan in einer Live-Sendung des Senders MEDTV per Telefon eine Waffenruhe erklärt und eine demokratische Lösung der Kurdenfrage vorgeschlagen. Er beantwortete Fragen von 25 Journalisten internationaler Medien und türkischer Mainstream-Medien; die Sendung fand in der türkischen Presse große Beachtung. Die von der PKK für den 1. September angekündigte Waffenruhe und der Friedensvorschlag stießen laut dem Bericht jedoch nicht auf eine positive Reaktion.

Danach erhöhte die Türkei den Druck auf Syrien. Am 15. September warnte Generalstabschef Atilla Ateş an der syrischen Grenze, die Geduld der Türkei sei erschöpft; kein Land dürfe Ansprüche auf türkisches Gebiet erheben. Am 1. Oktober erklärte Präsident Süleyman Demirel, auch die Geduld mit Syrien sei erschöpft. Vizepremierminister Mesut Yılmaz und Demirel äußerten sich in Hatay an der syrischen Grenze entsprechend.

Im Juni 1999 wurde Öcalan zum Tode verurteilt. Das Staatssicherheitsgericht Ankara verurteilte ihn am 29. Juni wegen Hochverrats; unter anderem europäischer Druck verhinderte die Vollstreckung. Nach der Abschaffung der Todesstrafe in der Türkei wurde das Urteil 2002 in lebenslange Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung umgewandelt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bewertete das Verfahren am 12. Mai 2005 als unfair und verpflichtete die Türkei, 120.000 Euro Anwaltskosten zu übernehmen. Eine Wiederaufnahme ordnete der Gerichtshof nicht an.

Seit dem 15. Februar 1999 sitzt Öcalan auf der Gefängnisinsel İmralı im Marmarameer, im Nordwesten der Türkei. In den ersten Jahren war er allein inhaftiert. Seit dem 15. November 2009 saß er mit fünf weiteren Gefangenen ein und durfte sie zehn Stunden pro Woche sehen. Über seine Anwälte veröffentlichte er Gesprächsprotokolle und schrieb zahlreiche Bücher.

Im Laufe der Jahre gab es kurze Phasen mit Familien- und Anwaltsbesuchen. Vom 6. Oktober 2014 bis September 2016 erhielt er keinen Besuch. Am 12. September 2016 besuchte ihn sein Bruder Mehmet Öcalan; bis Juli 2018 war dies der letzte bekannte Familienbesuch. Seine Anwälte hatten ihn vom 27. Juli 2011 bis 2019 nicht gesehen. Laut der PKK-nahen Nachrichtenagentur ANF wurden bis Oktober 2018 insgesamt 757 Besuchsanträge abgelehnt. Anfang Mai 2019 wurde erstmals seit 2011 wieder ein Anwaltsbesuch gestattet, am 17. Mai hob die türkische Regierung das Kontaktverbot auf. Am 27. Mai wurde berichtet, die vollständige Isolation sei beendet; daraufhin endete ein Hungerstreik kurdischer Gefangener und Aktivisten.

Die Angaben zur Isolation reichen dennoch bis in die jüngere Zeit: Kurdish Voice berichtet von vollständiger Isolation seit einem abgebrochenen Telefonat mit seinem Bruder im März 2021. Seine Anwälte hätten zuletzt im August 2019 Kontakt gehabt, der letzte persönliche Familienbesuch habe im März 2020 stattgefunden. Nach den Angaben der Wikipedia-Quelle durfte Öcalan 2024 erstmals seit Jahren wieder Familienbesuch empfangen. Seinen Anwalt Rezan Sarıca hatte er zuletzt 2020 gesehen. Ende Dezember 2024 besuchten die DEM-Abgeordneten Sırrı Süreyya Önder und Pervin Buldan Öcalan.

Am 1. März 2007 erklärten seine Anwälte, er werde vergiftet. Die PKK organisierte daraufhin Demonstrationen, Aktionen und Hungerstreiks. Eine unabhängige Ärztedelegation des CPT untersuchte ihn Ende März; am 6. März 2008 erklärte das CPT, keine Anzeichen einer Vergiftung gefunden zu haben. Im Oktober 2008 behaupteten die Anwälte neben psychischer Folter durch die langjährige Isolation auch körperliche Folter. In der Türkei kam es zu Demonstrationen und teilweise gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei, während die Proteste in Europa überwiegend friedlich verliefen. Im Juli 2024 forderten 69 Nobelpreisträger, darunter Elfriede Jelinek, seine Freilassung oder zumindest die Aufhebung der Isolationshaft.

Öcalan und die politische Vorgeschichte

Öcalan wurde als Sohn einer Türkin und eines Kurden geboren. 1969 schloss er eine Ausbildung an einer Berufsschule für Grundbuch und Kataster ab. 1971 begann er in Istanbul ein Jurastudium, nahm dort an Treffen der kurdisch-sozialistischen Organisation DDKO teil und vertrat erstmals die These, Kurdistan sei eine Kolonie. Eine Rede des Revolutionärs Mahir Çayan Ende 1971 beeinflusste seine weitere Politisierung. Öcalan brach das Jurastudium ab und studierte Politikwissenschaft in Ankara; er wurde Sympathisant der THKP-C Çayans.

Im April 1972 wurde er wegen der Teilnahme an einer Protestaktion gegen die Hinrichtung von THKP-C-Mitgliedern verhaftet. Im Gefängnis