Unzählige Menschen in Deutschland kümmern sich täglich um pflegebedürftige Angehörige. Oft vereinen sie dabei die Herausforderungen der Pflege mit den Anforderungen von Beruf und Familie. Diese Doppelbelastung führt nicht selten zu Dauerstress, Überforderung und einem Gefühl der Isolation, besonders bei jenen, die sprachliche oder kulturelle Barrieren überwinden müssen. Gerade für diese Gruppen sind die verfügbaren Unterstützungsangebote häufig nicht zugänglich, da sie nicht in den Alltag passen oder ignoriert werden. Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) hat daher im Rahmen des Verbundprojekts „Diversity-On“ ein innovatives digitales Selbsthilfeangebot entwickelt, das sich an pflegende Angehörige richtet und speziell Menschen mit türkischer Migrationsgeschichte in den Fokus rückt. Diese sind stellvertretend für andere schwer erreichbare Gruppen gewählt worden, um effektive Unterstützung zu gewährleisten.

Der einzigartige Ansatz basiert auf Storytelling. Dies bedeutet, dass Geschichten aus dem Alltag pflegender Angehöriger erzählt werden, die auf Interviews mit Betroffenen basieren und typische Pflegesituationen wie Zeitdruck oder familiäre Konflikte thematisieren. Diese Geschichten sind so konzipiert, dass sie offen bleiben und keine konkreten Lösungen anbieten. Stattdessen regen sie zur Reflexion und zum Austausch an, was eine tiefere Identifikation mit den Herausforderungen der pflegenden Angehörigen ermöglicht. Im Rahmen der Studie konnten neun unterschiedliche Pflegekonstellationen identifiziert werden, darunter beispielsweise überlastete Alleinpflegende, die sich in ihrer Rolle oft allein gelassen fühlen. Wie uni-wh.de berichtet, kommen diese Geschichten in moderierten Online-Gruppen zur Anwendung, wo sie gelesen und diskutiert werden. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass dieser Ansatz fruchtet und komplexe Situationen für die Betroffenen greifbarer macht.

Digitale Angebote für pflegende Angehörige

Das digitale Selbsthilfeangebot wird von den Ergebnissen der Studie flankiert, und die Anwendung geht über Geschichten hinaus. Wie die Verbraucherzentrale betont, können pflegende Angehörige neben diesen narrativen Formaten auch auf eine Vielzahl von digitalen Angeboten zugreifen, die Unterstützung bieten. Dazu zählen neben Apps auch Online-Pflegekurse, die flexibel von zu Hause aus besucht werden können. Diese Kurse sind in der Regel kostenfrei und werden meist von Pflegekassen angeboten.

Die Verbraucherzentralen geben nützliche Hinweise zur Auswahl von Pflege-Apps. Ein wichtiges Kriterium ist, dass die Apps deutschsprachig sind, aktuell (nicht älter als ein Jahr) und kostenfrei. Gute Apps bieten praktische Anleitungen, Informationen zur Pflegeversicherung sowie hilfreiche Checklisten. Es gibt eine stetig wachsende Vielfalt an Apps, die Informationen rund um das Thema Pflege bereitstellen und Anleitungen für typische Pflegesituationen anbieten. Viele dieser Anwendungen stammen jedoch aus dem Ausland, was oft zu schlechten Übersetzungen oder Inhalten führt, die nicht auf das deutsche Pflegesystem abgestimmt sind. Das macht einen geduldigen Umgang mit unpassenden Angeboten wie Tierpflege-Apps notwendig, die manchmal in den Suchergebnissen angezeigt werden.

Insgesamt zeigt sich, dass die Unterstützung für pflegende Angehörige an ihren realen Erfahrungen anknüpfen muss. Die entwickelten „Story-Pakete“ können flexibel in Selbsthilfegruppen oder Beratungen genutzt werden und sind in deutscher, türkischer und englischer Sprache kostenfrei verfügbar. Das Projekt „Diversity-On“, welches von Januar 2023 bis Dezember 2025 läuft und durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert wird, bietet einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Situation für pflegende Angehörige. Dabei wird es in Zusammenarbeit mit der Alice Salomon Hochschule Berlin und der Demenz Support Stuttgart gGmbH durchgeführt.

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