Frankfurts Gastro-Wandel zwischen Abschied, Fusionküche und neuen Lieblingsorten
Frankfurts Gastronomieszene ist in Bewegung: Lokale verschwinden, neue Konzepte rücken nach, und manche Türen gehen nur für kurze Zeit zu. Heute, am 4.10.2026, fällt dabei ausgerechnet ein Abschied auf diesen Tag: Für das „Les Deux Dienstbach“ ist eine Abschlussfeier angekündigt. Der Blick auf die vergangenen Entwicklungen zeigt, wie schnell sich die Stadt kulinarisch verändert – zwischen Fine Dining, Apfelwein, Fusionküche und Nachbarschaftsbar.
In der Frankfurter Innenstadt schloss Küchenchefin und Inhaberin Roswitha Stern ihr Restaurant „Pasta Davini“ aus gesundheitlichen Gründen. Das Haus war mehrfach in den Top-Platzierungen des Restaurantführers „FRANKFURT GEHT AUS!“ vertreten. Nach 14 Jahren endete auch die Geschichte des „Les Deux Dienstbach“ von Nathalie und Jennifer Dienstbach. Die Schwestern hatten zunächst ein Bistro in Wiesbaden betrieben und 2022 im Weingut Künstler in Hochheim ein Fine-Dining-Restaurant eröffnet. Nathalie lebt inzwischen in der Normandie, Küchenchef wurde Christian Aguilar. Jennifer Himmel nannte familiäre Gründe für die Schließung, schloss ein späteres „Les Deux 3.0“ aber nicht aus.
Abschiede, die bleiben
Noch bis zum 11. Oktober geöffnet ist „Sinn und Wandel“, das inklusive Café im Frankfurter Nordend. Es wurde 2023 eröffnet, beschäftigte zahlreiche Menschen mit Einschränkungen des Gehörsinns und war auch räumlich inklusiv gestaltet. Ende Oktober schließt außerdem „Trinitii“ der Gekko Group am Grüneburgweg. Der Betrieb war 2018 in der Moselstraße gestartet. Eine neue Trinitii-Location soll neben dem Gekko-Hotel Roomers Park View am Grüneburgpark entstehen.
Auch aus dem Jahr 2024 sind mehrere Schließungen in Erinnerung geblieben. Das Eiscafé „Lido“ im Nordend machte nach 23 Jahren im November zu. Die Nachbarschaft kannte es für seine familiäre Atmosphäre und die bunte Mischung der Gäste. Ursache war die Kündigung durch die Vermieterin; zwei weitere Jahre wären zwar möglich gewesen, hätten aber eine um 70 Prozent höhere Miete bedeutet. Betreiberin Regina Fischer hielt das finanziell für nicht tragbar. In den Räumen soll künftig eine Weinbar entstehen.
Im Frühjahr 2024 schloss das „Alte Zollhaus“ an der Friedberger Landstraße. Jasmin Hell hatte dort 43 Jahre lang die Küche geleitet, mit Rinderkraftbrühe mit Flädle und Kalbsleber auf der Karte. Ihre vier Kinder, inzwischen in anderen Berufen, übernehmen den Betrieb nicht. Hell ging in den Ruhestand und möchte künftig mehr Zeit mit ihrem Mann, ihren Kindern und sieben Enkelkindern verbringen.
Das „Felsenkeller“ in Frankfurt-Oberrad schließt nach 35 Jahren am 31. Dezember 2024. Helmut Braun, 68, gelernter Gourmetkoch, und seine Frau Petra, 65, ebenfalls Köchin und vor allem für den Hotelbetrieb zuständig, nannten ihr Alter und die körperliche Belastung als Gründe. Rehbraten und Weihnachtsgans gehörten zum Angebot. Eine Nachfolge für die Traditionsgaststätte war zunächst nicht gefunden.
Apfelwein, Bánh Mì und Smashburger
Wo etwas endet, wird andernorts aufgesperrt. In Bornheim eröffnete Gründerin Alisa Hager die Nachbarschaftsbar „Apfel & Wein“. Im Glas landen klassischer Apfelwein, Rosé-Apfelwein, Apfel-Secco und eine alkoholfreie Variante. Dazu kommen hessische Snacks wie Spunde- und Handkäs sowie klassische Weinbar-Gerichte – also genau die Art von Karte, bei der man eigentlich nur kurz bleiben wollte und dann doch noch etwas bestellt.
Im Frankfurter Ostend nahm „Trelos“ den Betrieb auf, eine griechisch inspirierte Resto-Bar von Markos Nestor Tsangalis und Carlo Weber. Tsangalis’ Vater hatte am selben Standort vor mehr als 20 Jahren das griechische Restaurant Jannis gegründet. Ein neuer Name, aber ein Ort mit Gedächtnis.
Bereits im April 2024 eröffnete „Die Waffel“ an der Bockenheimer Warte in der Leipziger Straße. Angeboten wird authentische afghanische Küche, darunter Mantu, Reisgerichte und Samosas. Dazu gibt es etwa Safran-Limonade mit Ingwer und Kardamom. Der Frankfurter Laden ist die vierte Filiale nach Mainz, Wiesbaden und Offenbach.
Am 5. April 2024 kam außerdem die Berliner Fast-Food-Kette „Goldies“ in die Frankfurter Innenstadt. Ihre Spezialität: Smashburger, bei denen das Patty flach gepresst und besonders knusprig gebraten wird. Die Gründer Vladislav Gachyn und Kajo Hiesl hatten 2017 ihre erste Berliner Filiale eröffnet, 2021 folgte ein zweiter Standort. In Frankfurt sorgte der große Andrang weiterhin für lange Warteschlangen.
Am 1. Oktober 2024 eröffnete in Bockenheim am Weingarten 3 „Maison de Bánh Mì“. Der Familienbetrieb wird von Thanh Phong Nguyen geführt und bietet täglich von 11.30 bis 18 Uhr sechs Bánh-Mì-Varianten an. Nguyens Mutter backt die Baguettes selbst; gefüllt werden sie unter anderem mit hausgemachter Paté, Mayonnaise, eingelegtem Gemüse und frischem Koriander. Eine vegetarische Variante enthält hausgemachten Seitan.
Mehr Platz für neue Mischungen
In der Taunusstraße 6 im Bahnhofsviertel eröffnete „Tokygon“ mit japanisch-vietnamesischer Fusionsküche. Sushi, vietnamesische Pho-Suppen und kreative Fusiongerichte stehen auf der Karte, dazu zahlreiche vegetarische und vegane Optionen. Das Restaurant bietet Platz für 150 Gäste und besitzt einen japanisch inspirierten Garten. Es ist der zweite Standort nach der bereits bestehenden Dependance in Wiesbaden.
Auch das „Atlantic Hotel“ ist an einen neuen Ort gezogen: An der Europa-Allee nahe der Messe eröffnete es, nachdem der Standort von der Hanauer Landstraße verlegt worden war. Das Hotel verfügt über 373 Zimmer, einen Fitness- und Spa-Bereich sowie eine finnische Sauna mit Skyline-Blick. Restaurant, Deli und die „20 High Skyline Bar“ sind öffentlich zugänglich. Dort serviert Bar-Manager Mo Kaba, zuvor in der ehemaligen Villa Kennedy tätig, japanisch inspirierte Cocktails.
Demnächst soll in der Textorstraße in Sachsenhausen die zweite Location von „atm by Deli & Grape“ aus dem Nordend eröffnen. Das Versprechen lautet: „Pastries, Pasta und Pullen“. Klingt nach einem Ort, an dem der Tag ziemlich unkompliziert beginnen oder ebenso unkompliziert verlängert werden kann.
Für koreanisches Fried Chicken steht die Frankfurter Restaurantkette „Chicken Onda“. Bei den Uber Eats Awards wurde sie zum besten Restaurant Hessens gewählt. Damit tritt Chicken Onda im bundesweiten Wettbewerb im Oktober als eines von vier Restaurants im Finale an.
Auch auf Verbandsebene gab es eine Entscheidung: Robert Mangold wurde am 7. September erneut zum Präsidenten des DEHOGA Hessen gewählt. Die Wahl fand im Rahmen der Landesdelegiertenversammlung statt.
Die vielen Wechsel erzählen von einer Stadt, in der vertraute Gasthäuser, inklusive Cafés und etablierte Restaurantnamen verschwinden können, während nebenan neue Filialen, Familienbetriebe und ziemlich wilde Küchenmischungen auftauchen. Heute Abend wird beim „Les Deux Dienstbach“ erst einmal Abschied gefeiert. Der Rest der Frankfurter Gastrogeschichte bleibt offen – und riecht vermutlich schon nach gebratenem Patty, frischem Koriander oder warmem Baguette.
