Am 19. und 20. Oktober 2026 wird die ESMT Berlin zum Treffpunkt internationaler Finanzakteure. Die Bundesregierung veranstaltet an der privaten Hochschule den „Invest in Germany Summit“. Eingeladen sind Unternehmen, Investoren, große deutsche Konzerne und Start-ups – mit dem Ziel, Kapital für die deutsche Wirtschaft zu gewinnen, unter anderem für die Energieinfrastruktur.

Organisiert wird der Gipfel vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Auftrag der Bundesregierung. Erwartet werden Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Martin Blessing, der Sonderbeauftragte des Bundeskanzlers für Investitionen. Veranstaltungsort ist die ESMT im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR gegenüber der Museumsinsel.

Fünf Millionen Euro für einen Gipfel

Im Haushalt des Bundeswirtschaftsministeriums sind für die Konferenz und den Aufbau eines neuen Standortmarketings insgesamt fünf Millionen Euro vorgesehen. Wie viel davon auf Catering, Veranstaltungsort und Öffentlichkeitsarbeit entfällt, ist noch offen. Nach Angaben der Bundesregierung sollen die Kosten erst nach der Veranstaltung endgültig beziffert werden.

Ein führender Mitarbeiter des Wirtschaftsministeriums bezeichnete die Summe gegenüber CORRECTIV als außergewöhnlich hoch. Zum Vergleich: Die teuerste Veranstaltung, die das Ministerium zwischen 2021 und 2024 organisiert oder mitausgerichtet hat, kostete rund 1,5 Millionen Euro.

Rund 550 Einladungen gingen an internationale Unternehmen, Finanzinvestoren, große deutsche Konzerne und Start-ups. Als bereits bekannte Teilnehmer werden unter anderem Blackrock, KKR und die Deutsche Bank genannt. Die vollständige Teilnehmerliste veröffentlicht die Bundesregierung nicht. Eine Offenlegung könne die Durchführung und den Erfolg der Veranstaltung beeinträchtigen, heißt es in ihrer Antwort. Bundestagsabgeordnete sind nicht als Teilnehmer vorgesehen.

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Geplant sind vertrauliche, nicht öffentliche Gespräche und einzelne presseöffentliche Programmpunkte. Die konkreten Zugangsbedingungen für Journalistinnen und Journalisten waren am 7. Oktober noch nicht abschließend festgelegt. Auf der Veranstaltungswebsite steht bereits, dass der Gipfel weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden soll.

Netzwerken hinter verschlossenen Türen

Die ESMT richtet die Veranstaltung aus. Die Hochschule war in der Vergangenheit wegen einer Kooperation mit einem ungarischen, der Regierung Viktor Orbáns nahestehenden Institut kritisiert worden.

Die Linke stößt sich vor allem an den Kosten und an der Ausrichtung auf internationale Finanzinvestoren. Lizzy Schubert, finanzpolitische Sprecherin der Linksfraktion, erklärte, für fünf Millionen Euro würden einige hundert Konzernchefs und Investoren zum Netzwerken eingeladen, während Abgeordnete, Presse und Bürgerinteressen außen vor blieben.

Schubert kritisierte außerdem, dass öffentliche Infrastruktur zunehmend als Anlageobjekt für private Investoren behandelt werde. Sie fordert stattdessen mehr öffentliche Finanzierungsmodelle für kommunale Stadtwerke und warnt davor, die Energieversorgung Finanzinvestoren zu überlassen.

Nach dem Gipfel bleibt Friedrich Merz an der ESMT: Er wird anschließend den vierten Berlin Global Dialogue besuchen. Der BGD findet vom Abend des 20. bis zum 22. Oktober statt. Unter dem Leitmotiv „Advancing Alliances for the New Era“ bringt er internationale Staats- und Regierungschefs, Ministerinnen und Minister sowie Führungskräfte aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammen.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Allianzen zwischen Wirtschaft und Politik in einer zunehmend fragmentierten Welt stärken lassen. Der Berlin Global Dialogue wurde 2022 gegründet. Sein jährlicher Gipfel bringt führende Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft in interaktiven Gesprächen zusammen, um Lösungen für globale wirtschaftliche Herausforderungen zu entwickeln. Unterschiedliche Perspektiven und interdisziplinäre Zusammenarbeit sollen dabei eine zentrale Rolle spielen. Beide Veranstaltungen finden an der ESMT statt.

Investitionsoffensive mit Fragezeichen

Der Finanzgipfel kommt in eine Phase, in der Berlin öffentlich Zusammenarbeit demonstrieren will, die wirtschaftliche Lage aber eher nach angezogener Handbremse aussieht. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach am 21. Juli im Kanzleramt von der „größten Investitionsoffensive seit Jahrzehnten“. Die teilnehmenden Unternehmen kündigten an, bis 2028 insgesamt 631 Milliarden Euro aus eigenen Mitteln in die deutsche Wirtschaft zu investieren.

Kleine und mittelständische Unternehmen waren allerdings nicht eingeladen. Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft kritisierte das. Wenige Tage zuvor hatte Finanzminister Lars Klingbeil im Bundestag für öffentliche Rekordinvestitionen von bis zu 115 Milliarden Euro geworben. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing forderte politische Strukturreformen und „große Schritte“.

Kritiker bezeichneten den Investitionsgipfel als Wiederkehr der früheren „Deutschland AG“ und als wenig vielfältig. Auf dem offiziellen Abschlussfoto waren mit Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lediglich zwei Frauen vertreten. FDP-Chef Christian Dürr nannte den Gipfel eine „PR-Show“ und verlangte bessere Standortbedingungen, eine Entlastung des Mittelstands sowie Reformen im Sozialstaat.

Die Zahlen von KfW Research passen nur schwer zur großen Bühne: Im dritten Quartal 2024 lagen die Unternehmensinvestitionen in Deutschland real 6,5 Prozent unter dem Niveau von Ende 2019. Besonders stark gingen Investitionen in Maschinen, Gebäude und Infrastruktur zurück. In den USA, Frankreich und der Europäischen Union insgesamt lagen die Unternehmensinvestitionen wieder über dem Vor-Corona-Niveau; Deutschland erreichte dieses Niveau nicht.

Öffentliche Investitionen stiegen seit 2019 zwar leicht, blieben laut dem zugrunde liegenden Bericht aber hinter dem erforderlichen Umfang zurück. Straßen, Schulen und digitale Netze weisen weiterhin einen wachsenden Substanzbedarf auf. Das klingt weniger nach Gipfelglanz und mehr nach Baustelle.

Kosten, Bürokratie und neue Geschäftsfelder

Laut einer Sonderauswertung der Deutschen Industrie- und Handelskammer bremsen vor allem hohe Energie- und Arbeitskosten sowie ungünstige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen. DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier warnte vor einer Abwanderung von Unternehmen – wegen Energiekosten, Bürokratie und steigender Steuerlast.

Ende Juni beschloss die Bundesregierung ein steuerliches Investitionssofortprogramm, den „Wachstumsbooster“. Es sieht degressive Abschreibungen auf Maschinen und Geräte von bis zu 30 Prozent vor, außerdem eine schrittweise Senkung des Körperschaftsteuersatzes ab 2028 von 15 auf 10 Prozent. Hinzu kommen Abschreibungen für betrieblich angeschaffte Elektrofahrzeuge und eine stärkere Förderung von Forschungsinvestitionen.

Viele Unternehmer halten die Maßnahmen für verspätet und nicht weitreichend genug. Ihre Wirkung hängt unter anderem von geopolitischer Stabilität, Energiepreisen, der Verfügbarkeit von Fachkräften, Digitalisierung und den Marktchancen ab. Große Projekte werden zudem durch das hohe Zinsniveau erschwert, während die Binnennachfrage schwächelt und die geopolitische Lage angespannt bleibt.

Wachstum versprechen vor allem Digitalisierung, Dekarbonisierung, Automatisierung und neue Geschäftsmodelle. Investitionen in Forschung, Software und Datenbanken lagen zuletzt rund 15 Prozent über dem Vor-Krisen-Niveau. Know-how, Patente, Plattformen und KI-Produkte können Marktpositionen und Zukunftsfähigkeit stärken – weniger sichtbar als ein Gruppenfoto, aber möglicherweise nachhaltiger.

Wie unterschiedlich Unternehmen auf die Bedingungen reagieren, zeigt die Immobiliengruppe Dahler. Sie expandiert trotz eines gedämpften deutschen Marktes in die Vereinigten Arabischen Emirate. Im Frühjahr 2025 kündigte das Unternehmen den Markteintritt an und begründete ihn mit internationaler Nachfrage und hoher Transaktionsgeschwindigkeit in Dubai. Auch andere deutsche Firmen wie Gebr. Heinemann expandieren nach Dubai, unter anderem wegen der dortigen Standortbedingungen und Steuervorteile.

Der Standort Deutschland braucht laut dem Bericht konkrete Verbesserungen statt neuer Slogans. Lange, teils mehrjährige Genehmigungsverfahren erschweren Investitionen. Gefordert werden mehr Tempo, Verlässlichkeit und eine digital besser organisierte Verwaltung. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger erklärte, Deutschland solle durch einen modernen, effizienten und bürgernahen Staat zu einem wettbewerbsfähigen Digitalstandort werden.

Der Investitionsgipfel könnte eine Wende einleiten, sofern daraus mehr als Symbolpolitik entsteht. Politik und Wirtschaft sollen gemeinsam den Investitionsstau abbauen; zugleich drängt die Zeit für notwendige Investitionen. Im ehemaligen Staatsratsgebäude werden derweil schon bald die ersten Gespräche beginnen – mit vielen Einladungen, wenigen offenen Plätzen und einer Rechnung, deren genaue Höhe erst später feststeht.