Wenn im Hörsaal plötzlich ein Rettungshubschrauber zum Gesprächsthema wird, dürfte es für viele Kinder spannend werden: Die Kinder-Uni Hannover startet im November in ihr Wintersemester 2026/27. Zum 23. Mal öffnen fünf hannoversche Hochschulen ihre Hörsäle für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren.

Den Auftakt übernimmt die Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Dort geht es um Rettungshubschrauber, Luftrettung und die Frage, wann notärztliche Hilfe aus der Luft kommt. Die Veranstaltungen sind kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Eltern sowie jüngere und ältere Geschwister dürfen allerdings nicht mit in den Vorlesungssaal. Sie können die Termine in einem benachbarten Raum live verfolgen.

Von der Luftrettung bis zum Schauspiel

Das Programm beginnt am 10. November mit „Die Retter in Orange – wann kommt notärztliche Hilfe aus der Luft?“. Am 17. November folgt „Mehr als nur Rechnen! Die wunderbare Welt der Mathematik“. Nach einer Pause steht am 1. Dezember die Frage „Was macht einen Roboter zum Roboter?“ auf dem Plan.

Im neuen Jahr geht es am 9. Februar weiter: „Miau, Wau-Wau, Piep-Piep: Worüber unterhalten sich eigentlich Tiere?“ lautet dann der Titel. Den Abschluss bildet am 16. Februar „Wie man zum Grashüpfer wird: Was macht Bewegung im Schauspiel?“. Alle Vorlesungen finden jeweils von 17:15 bis 18:00 Uhr statt – also genau 45 Minuten, lang genug für ordentlich Wissen, kurz genug, damit niemand unruhig auf dem Stuhl herumrutscht.

Hinter der KinderUniHannover, kurz KUH, stehen die Medizinische Hochschule Hannover, die Leibniz Universität Hannover, die Hochschule Hannover, die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover sowie die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Seit 2003 öffnen die fünf hannoverschen Hochschulen im Wintersemester ihre Hörsäle für Kinder.

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Wissenschaft zum Mitmachen

Lehrende der beteiligten Hochschulen gestalten die Termine und erklären wissenschaftliche Inhalte anschaulich. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen ihre Arbeit vor, führen Experimente durch und bringen aktuelle Themen aus Forschung und Lehre mit. Die Kinder können dabei selbst ausprobieren, wie Wissenschaft funktioniert – nicht bloß zuhören und freundlich nicken.

Im Mittelpunkt stehen unter anderem Notfallmedizin im Rettungshubschrauber, Experimente aus der Mathematik, Merkmale und Entwicklung von Robotern, die Verständigung von Tieren durch Laute und die Bedeutung von Bewegung im Schauspiel. Durchschnittlich kommen zu jeder kostenlosen Veranstaltung rund 300 Kinder.

Ziel der KinderUniHannover ist es, Einblicke in Hochschulen und unterschiedliche Wissenschaftsbereiche zu geben und Neugier sowie Forschungsinteresse zu fördern. Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, Falko Mohrs, unterstützt die KinderUniHannover als Schirmherr. Er dankt den beteiligten Lehrenden und dem Organisationsteam.

Ein frühes Stück Hochschulluft

Kinderuniversitäten ermöglichen Kindern ab etwa zehn Jahren, an universitären Veranstaltungen teilzunehmen und Forschung kennenzulernen. Das Konzept startete 2002 in Tübingen und ist inzwischen an vielen Hochschulen etabliert. Die Zielgruppe sind vor allem Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen fünf bis acht; die Teilnahme ist in der Regel kostenlos.

Oft bekommen die jungen Gäste ein Studienbuch, in dem sie für besuchte Veranstaltungen Stempel sammeln. Ist es vollständig, kann ein Diplom winken, das zur Teilnahme an weiteren Veranstaltungen oder zum Erhalt zusätzlicher Materialien berechtigen kann. Die Vorlesungen behandeln wissenschaftliche Fragen kindgerecht, meist dauert eine Einheit 45 Minuten. Danach bleibt Raum für Fragen an die Professorinnen und Professoren. Forschende greifen teilweise sogar auf Inhalte aus regulären Lehrveranstaltungen zurück, formulieren sie aber altersgerechter.

Das Format ist nicht auf Hörsäle beschränkt. Hochschulen, Museen, Vereine und andere Kooperationspartner können Kinderuniversitäten anbieten, etwa im Rahmen von Projekten wie „Uni auf dem Lande“. Führungen, Präsentationen, Vorlesungen und Schüler*innenlabore gehören zu den häufigen Formen. Für Kinder entsteht so ein früher Kontakt zur Universität – gerade für jene, denen der Zugang zur Hochschule nicht selbstverständlich ist.

Für Universitäten wiederum ist die Kinderuni eine Gelegenheit, gesellschaftliche Verankerung zu zeigen, Kinder und Eltern zu erreichen und auf die eigene Forschungsarbeit aufmerksam zu machen. Als Informationsquellen und Beispiele werden unter anderem das European Children’s Universities Network, die Kinderuni Tübingen, die Kinderuni „auf dem Lande“ der Universität Tübingen, der Bericht zur Kinderuni 2016 der Freien Universität Berlin, eine Übersicht über Kinderuniversitäten in Deutschland, Flyer und Anmeldebogen der Europa-Universität Viadrina, das Kinderuni-ABC der Universität Dortmund sowie Beiträge bei Zeit Online und Wissenschaftskommunikation.de genannt.

Und während in Rostock heute, am 15. Oktober 2026, vielleicht gerade die ersten Jacken gegen den Herbstwind geschlossen werden, beginnt in Hannover bald die Suche nach Antworten: Wie fliegt die Hilfe zum Unfallort? Was verrät ein Tierlaut? Und ab wann ist ein Roboter eigentlich ein Roboter?