In den letzten Jahren wurde die politische Philosophie Chinas zunehmend beleuchtet, besonders die Fragestellungen rund um den Liberalismus. Seit den 1990er Jahren bringen liberale Denker*innen in China bedeutende Beiträge zu dieser Thematik. Doch außerhalb Chinas sind diese Debatten oft wenig bekannt. Ein neues Projekt, das von der VolkswagenStiftung gefördert wird, zielt darauf ab, genau diese Lücken zu schließen. Die Freie Universität Berlin fungiert dabei als Konsortialführerin, zusammen mit Partnerschaften von Dr. Philippe Brunozzi, Dr. Ge Wang und Prof. Mario Wenning.

Das Projekt mit dem Titel „Liberalism in Contemporary Chinese Philosophy“ beschäftigt sich mit dem Einfluss des Liberalismus auf die zeitgenössische politische Philosophie Chinas und untersucht spezifische theoretische Innovationen von drei zentralen chinesischen liberalen Theoretikern. In einer Zeit, in der offener philosophischer Austausch innerhalb Chinas nur eingeschränkt möglich ist, soll das Verständnis für die gegenwärtigen Denkströmungen gestärkt werden.

Ziele und Herausforderungen

Das Projekt hat das Ziel, ein internationales Netzwerk aufzubauen, in dem sich chinesische und europäische Wissenschaftler*innen austauschen können. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Schaffung neuer Dialogräume, um wenig beachtete philosophische Debatten international sichtbarer zu machen. Diese Erkundung der chinesischen Philosophie stellt eine wichtige philosophische Analyse eines vernachlässigten Teils dar und ist zu verstehen im Kontext der Einschränkungen, die chinesische liberale Denker erleben.

Das Projekt wird über einen Zeitraum von 18 Monaten mit einer Gesamtfördersumme von etwa 446.000 Euro, davon knapp 182.000 Euro für die TU Dortmund, durchgeführt. Es ist Teil der Förderinitiative „Aufbruch – Neue Forschungsräume für die Geistes- und Kulturwissenschaften“, die innovative geistes- und kulturwissenschaftliche Forschungsvorhaben unterstützt.

Forschung im Kontext internationaler Beziehungen

Die Forschungsfelder in China sind aktuell stark vom Einfluss der Kommunistischen Partei geprägt. Offene Wissenschaftskooperationen stoßen oft an Grenzen, besonders wenn es um datenschutzrechtliche Bestimmungen und die zivil-militärische Fusion geht. Diese Herausforderungen machen es für Wissenschaftler aus Deutschland nicht gerade einfach, Zugriff auf Daten aus China zu erhalten und Kooperationen sinnvoll zu gestalten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geht daher einen Schritt weiter, um Deutschland und Europa in der China-Kompetenz zu stärken.

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Eindeutige Maßnahmen zur Förderung von Projekten mit Mehrwert, sowie die Unterstützung von Programmen, die Sprachkompetenz und interkulturelle Fähigkeiten entwickeln, stehen hier im Fokus. So sollen unter anderem spezielle Vorhaben zur China-Kompetenz in den nächsten Jahren aufgebaut werden, um der deutschen Wissenschaft neue Impulse zu verleihen.

Durch diese Initiativen und Projekte wird deutlich, dass der Dialog zwischen Ost und West keine Einbahnstraße ist. Das Verständnis für die philosophischen Diskurse in China wird nicht nur mit Blick auf die Wissenschaft, sondern auch im Kontext internationaler Beziehungen immer relevanter. Die Erkenntnisse der Forscher*innen könnten einen wertvollen Beitrag zu einem besseren interkulturellen Verständnis leisten.

Während also die Herausforderungen in der internationalen Wissenschaftslandschaft groß sind, scheinen die Bemühungen, neue Perspektiven zu schaffen und das gegenwärtige politische Denken in China zu vertiefen, auf einem guten Weg zu sein. Der Blick auf den Liberalismus in der chinesischen Philosophie ist dabei nicht nur eine akademische Diskussion, sondern hat auch das Potenzial, wichtige gesellschaftliche Impulse auszulösen.