Am 8. Oktober 2026 schaut die Hochschulwelt nach Bonn – und ein Stück weit auch nach Heidelberg. Die Universität Bonn erreicht im Times Higher Education World University Ranking 2027 weltweit Platz 89. Gegenüber dem Vorjahr geht es damit um drei Plätze nach oben. Im Deutschlandvergleich steigt Bonn um zwei Plätze auf Rang 4.

Vor Bonn liegen die beiden Münchner Universitäten und die Universität Heidelberg. Hinter der Bonner Hochschule folgen die RWTH Aachen, die Humboldt-Universität zu Berlin und die Charité. Schon im August hatte Bonn im Shanghai-Ranking als eine von vier deutschen Universitäten einen Platz unter den Top 100 weltweit erreicht; im ARWU 2026 steht sie auf Platz 69.

Bonn legt in mehreren Bereichen zu

Der Aufwärtstrend zeigt sich in allen betrachteten Vergleichsräumen: weltweit, in Europa und innerhalb der Europäischen Union. Dort belegt die Universität Bonn Platz 15. Besonders stark verbessert hat sie sich in den Kategorien „Research Environment“ und „Industry“. Im Deutschlandvergleich kommen gute Ergebnisse bei „Teaching“ und „Research Quality“ hinzu.

Das THE-Ranking berücksichtigt 2.297 Universitäten aus 118 Ländern und Gebieten, darunter 55 deutsche Hochschulen. Die Ausgabe wurde am 30. September 2026 veröffentlicht. Bewertet werden Lehre mit 29,5 Prozent, Forschungsumgebung mit 29 Prozent, Forschungsqualität mit 30 Prozent, internationale Ausrichtung mit 7,5 Prozent und Industriekooperationen mit 4 Prozent.

Die Bonner Platzierung steht dabei in einem größeren Umbruch. Die Vorherrschaft westlicher Universitäten an der Weltspitze gerät laut Times Higher Education zunehmend unter Druck. Asiatische Hochschulen verbessern sich nach einer kurzen Pause wieder – möglicherweise verändert sich die globale Hochschulordnung gerade grundlegend, langsam, aber sichtbar.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Oxford bleibt vorn, Asien rückt näher

Die University of Oxford führt das THE-Ranking zum elften Mal in Folge an. Der Vorsprung auf das MIT beträgt gerade einmal 0,1 Punkte. Oxford ist stärker bei Forschungsproduktivität, internationaler Koautorenschaft und beim Verhältnis von Doktoranden zu Beschäftigten. Das MIT punktet dagegen beim Studierenden-Beschäftigten-Verhältnis, bei der Zitationswirkung und bei der Forschungsstärke.

Auf Platz 3 liegen Princeton und Stanford gemeinsam. Cambridge fällt von Platz 3 auf Platz 5, Harvard von Platz 5 auf Platz 6. Caltech bleibt Siebter, das Imperial College London Achter. Yale steigt auf Rang 9 und teilt sich diesen Platz mit der University of California, Berkeley, die dort ebenfalls bleibt.

Richtig Bewegung kommt aus Ostasien. Die Tsinghua University steigt nach drei Jahren auf Platz 12 auf Rang 11 und überholt die ETH Zürich. Damit liegt die bestplatzierte asiatische Universität vor der führenden Hochschule Kontinentaleuropas. Tsinghuas Aufstieg hängt vor allem mit mehr ausländischen Wissenschaftlern und Studierenden zusammen; bei der internationalen Koautorenschaft bleibt die Universität schwächer.

Die Peking University liegt auf Platz 13. Die National University of Singapore, kurz NUS, verbessert sich um zwei Plätze auf Rang 15. Erstmals stehen damit drei asiatische Universitäten unter den Top 15. Hamish Coates zufolge gewinnt Asien im Hochschulbereich weiter an Bedeutung und ist inzwischen die größte Hochschulregion weltweit.

Englischsprachige Hochschulen profitieren weiterhin kräftig von ihrer Reputation. Bei mehreren anderen Kennzahlen gibt es allerdings Rückgänge, auch bei der Forschungsqualität. Simon Marginson von der University of Bristol führt die nachhaltige Leistungsfähigkeit von Hochschulen vor allem auf ausreichende öffentliche Finanzierung zurück.

Finanzdruck im Vereinigten Königreich

Das Vereinigte Königreich bekommt die finanziellen Probleme besonders deutlich zu spüren. Institutionelle Einnahmen, Forschungseinnahmen und Industrieeinnahmen entwickeln sich im internationalen Vergleich schlechter, Forschungsstärke und Forschungsproduktivität sinken deutlich.

Die starke Reputation hält britische Hochschulen trotzdem in der Spitzengruppe. UCL kehrt erstmals seit 2022 in die Top 20 zurück und liegt gemeinsam auf Platz 17. Die London School of Economics and Political Science steigt nach fünf Jahren Rückgang wieder in die Top 50 auf Platz 47. Unter den Top 200 befinden sich 25 britische Hochschulen, eine weniger als im Vorjahr: Zwölf verbesserten sich, drei blieben unverändert, zehn fielen zurück.

Auch die USA zeigen bei den meisten Kennzahlen eine schlechtere Gesamtleistung, darunter Forschungsstärke, Zitationswirkung und die Zahl internationaler Studierender. Sie stellen dennoch weiterhin sieben der zehn besten Hochschulen. Die University of California, San Diego macht zehn Plätze gut und liegt nun auf Rang 37. In den Top 200 sind 53 US-Hochschulen vertreten, zwei weniger als im Vorjahr; 33 Prozent verbesserten sich, 46 Prozent fielen zurück.

Frankreichs vier bestplatzierte Universitäten verlieren jeweils ungefähr zehn Plätze. Das Land kommt nun auf drei Hochschulen in den Top 200, nach fünf im Vorjahr. Ostasien und die ASEAN-Region entwickeln sich dagegen insgesamt besser, vor allem bei den Forschungswerten. Die ASEAN-Region legt zusätzlich bei der Lehre zu.

Chinas dreijährige Stagnation ist beendet. Nun gehören 17 chinesische Universitäten zu den Top 200, gegenüber 13 seit dem Ranking 2024. 71 Prozent der chinesischen Hochschulen in dieser Gruppe verbessern ihre Position. China legt bei den meisten Kennzahlen zu, verliert aber bei Forschungsstärke und internationaler Koautorenschaft.

Futao Huang erklärt den Rückgang internationaler Koautorenschaft unter anderem mit geopolitischen Spannungen, Forschungssicherheitsbedenken, Exportkontrollen und größerer Vorsicht. Chinas internationale Forschungsnetzwerke würden sich demnach eher neu ordnen, als dass die Forschungskapazität insgesamt schwächer werde.

In Südostasien bleibt NUS führend. Die Nanyang Technological University steigt von Rang 31 auf Rang 28. Beide Verbesserungen beruhen vor allem auf höherer Reputation. Singapurs Hochschulsystem gilt als stabil, ist aber wegen seiner begrenzten Größe und geografischen Lage eingeschränkt. Malaysia erreicht erstmals die Top 200; insbesondere die Werte für internationale Studierende und Beschäftigte steigen. Das steht im Zusammenhang mit dem Ziel der Regierung, Malaysia als internationalen Hochschulstandort zu etablieren.

Die kombinierten Durchschnittswerte von USA und Großbritannien liegen nur knapp über denen von China, Singapur und Hongkong. USA und Großbritannien sind deutlich stärker bei internationalen Beschäftigten, Koautorenschaften und Studierenden. China, Singapur und Hongkong führen bei Industriekennzahlen, besonders bei Einnahmen. Bei Forschungsqualität, Forschungsumfeld und Lehre liegen die westlichen Länder leicht vorn, bei Industrie aber hinter der asiatischen Vergleichsgruppe. Asien verzeichnet höhere jährliche Zuwächse und holt dadurch auf.

Fusionen, Demografie und neue Namen

Japan zeigt derweil Anzeichen eines Rückgangs. Die University of Tokyo fällt auf Platz 27, die Kyoto University auf den gemeinsamen Rang 62. Das Institute of Science Tokyo, 2024 durch eine Fusion gegründet, verliert fast 20 Plätze, bleibt aber in den Top 200. Der demografische Rückgang belastet das japanische Hochschulsystem.

Fusionen von Hochschulen und Hochschulgruppen nehmen weltweit zu: 2017 waren vier fusionierte Einrichtungen im Ranking vertreten, 2026 bereits 30, 2027 nun 35. Adelaide University fällt nach der Fusion der University of Adelaide mit der University of South Australia von Rang 133 auf den gemeinsamen Rang 141. City St George’s, University of London, bleibt nach der Fusion 2024 im Band 326–350.

Auch Université Paris Cité rutscht nach anfänglichem Aufstieg infolge der Fusion aus den Top 200 und liegt nun gemeinsam auf Rang 201. Das Institut Polytechnique de Paris fällt von Rang 68 auf Rang 75; den Aufstieg gegenüber der früheren École Polytechnique hat die Einrichtung bislang nicht deutlich beschleunigt.

Langfristig könnten Fusionen laut Marginson Vorteile bringen, besonders bei größenabhängigen Kennzahlen wie Gesamtforschung und Zitationszahlen. Die Anpassungen könnten allerdings mindestens ein Jahrzehnt dauern. Das ist an Hochschulen ungefähr die Zeitspanne, in der anderswo schon wieder drei Strategiepapiere umbenannt werden.

Australien bleibt trotz des westlichen Abwärtstrends relativ stabil. Zehn australische Hochschulen stehen weiterhin in den Top 200. Die University of Melbourne steigt um drei Plätze auf den gemeinsamen Rang 34. Rückgänge gibt es bei Forschungsproduktivität, Doktoranden-Beschäftigten-Verhältnis, Studierenden-Beschäftigten-Verhältnis und Forschungsstärke. Verbesserungen zeigen sich bei Forschungs- und institutionellen Einnahmen, Reputation und Zitationswirkung.

In Lateinamerika ist die University of São Paulo mit Rang 141 die bestplatzierte Hochschule. Brasilien kehrt damit in die Top 200 zurück und stellt 58 gerankte Hochschulen;