Universität Freiburg kehrt ab 2027 als Exzellenzuniversität zurück
Die Universität Freiburg wird ab dem 1. Januar 2027 wieder den Titel „Exzellenzuniversität“ tragen. Das hat die Exzellenzkommission am 2. Oktober 2026 entschieden. Freiburg setzte sich dabei mit vier weiteren Universitäten und Hochschulverbünden gegen insgesamt elf Bewerber durch. Für die Universität ist das ein Comeback mit Vorgeschichte: 2007 war sie schon einmal Exzellenzuniversität, 2012 ging der Status verloren, 2019 scheiterte der Versuch, ihn zurückzugewinnen.
Für sieben Jahre fließen nun zusätzliche Fördermittel in Millionenhöhe, größtenteils finanziert vom Bund. Einzeluniversitäten erhalten nach Angaben der Landesregierung jährlich 10 bis 15 Millionen Euro, Hochschulverbünde 15 bis 28 Millionen Euro. Danach werden alle geförderten Standorte erneut wissenschaftlich geprüft.
Freiburgs Antrag: zwei Cluster, ein großer Plan
Grundlage der Freiburger Bewerbung waren zwei fachübergreifende Exzellenzcluster. „CIBSS – Centre for Integrative Biological Signalling Studies“ untersucht, wie Zellen miteinander kommunizieren und welche neuen Therapien gegen Krebs und Infektionskrankheiten daraus entstehen könnten. „Future Forests“ widmet sich der Frage, wie Wälder dem Klimawandel standhalten können. Zusammen bildeten die Cluster die Basis für den Antrag „The Future Research University: Sparking Change That Matters“.
Der Exzellenzwettbewerb besteht aus zwei aufeinander aufbauenden Förderlinien: Exzellenzcluster und Exzellenzuniversität. Am 22. Mai 2025 gab der Wissenschaftsrat die Förderentscheidungen für die Cluster bekannt. Freiburg erhielt damals zwei Zusagen – für das bestehende CIBSS und für das neu eingereichte Future Forests. Damit war die Universität antragsberechtigt für die zweite Förderlinie.
Die Fristen waren eng gesetzt: Die Absichtserklärung zur Teilnahme musste am 27. Juni 2025 vorliegen, der Selbstbericht am 1. August 2025, der Antrag für die Förderlinie Exzellenzuniversität am 12. November 2025. Anfang Juni 2026 empfing Freiburg schließlich ein internationales Gutachtendenteam zu einem Ortsbesuch. Der Wissenschaftsrat nutzt diese Besuche zur Einzelevaluation; bewertet wurden die im Antrag beschriebenen Konzepte, Leistungen und Strukturen. Bei Campusführungen präsentierte die Universität im Juni die Inhalte ihrer Bewerbung.
Viele Universitätsmitglieder waren an Vorbereitung und Durchführung beteiligt. Dazu kamen Partner aus dem regionalen Transferökosystem, den europäischen Verbünden EUCOR, EPICUR und LERU sowie aus globalen Partnerschaften. Gearbeitet wurde in universitätsweiten thematischen Arbeitskreisen, etwa zu Forschung, Governance und Transfer, in Fokusgruppen und Feedbackrunden. Mitglieder entwickelten Skizzen und Anträge für Exzellenzcluster, bereiteten den Ortsbesuch vor und wirkten an unterschiedlichen Beteiligungsformaten mit.
„Sparks“ für Forschung, Lehre und Transfer
Im Mittelpunkt des Antrags stehen eine Neudefinition des universitären Selbstverständnisses im 21. Jahrhundert und die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnis mit gesellschaftlicher Verantwortung. Freiburg verspricht sich lösungsorientierte Beiträge zu Klima, medizinischen Therapien sowie kultureller und digitaler Transformation. Interdisziplinäre Forschung gehört ebenso zum Konzept wie eine Lehre, die kritisches Denken und Selbstreflexion fördern soll, und der Transfer von Wissen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik.
Gezielte Maßnahmen, die Universität nennt sie „Sparks“, sollen Veränderungen in allen Bereichen anstoßen. Es geht um Strukturen, aber auch um eine Kultur des Vertrauens, der Zugehörigkeit und des gemeinsamen Engagements. Eingebettet ist der Antrag in die langfristige Zukunftsagenda „UFR 2040“, die Forschung, Lehre, Transfer, Universitätskultur und Governance strategisch weiterentwickeln soll.
Der neue Status soll zusätzliche langfristige Finanzierung ermöglichen, die Forschung strategisch voranbringen und international sichtbare Forschungsprofile und -strukturen ausbauen. Erwartet werden außerdem eine höhere internationale Reputation, bessere Chancen bei der Gewinnung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Talenten und Kooperationspartnern sowie größere Spielräume für interdisziplinäre Projekte und neue Karriere- und Fördermodelle. Für Studium, Lehre und Transfer könnten forschungsnahe Lehre, bessere Infrastruktur und eine stärkere gesellschaftliche Vernetzung spürbar werden.
Baden-Württemberg bleibt vorne – Konstanz verliert Förderung
Baden-Württemberg bleibt gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen bundesweit führend. Im Land liegen die Exzellenzstandorte beim Karlsruher Institut für Technologie, an den Universitäten Heidelberg, Tübingen und Konstanz – wobei Freiburg ab 2027 dazukommt. Für die Universität Konstanz endet die Förderung 2027, weil sie die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt. Ein kleiner Stich für den Wissenschaftsstandort am Bodensee, gerade heute, am 3. Oktober 2026, hier vor Ort.
Heidelberg, Tübingen und das KIT hatten ihren Status bereits im März bis mindestens 2033 verlängert. Freiburg gehört damit zu den fünf neu ausgewählten Standorten. Die weiteren Titel gingen an die Universitäten Jena und Köln, an die Rhein-Main-Universitäten aus Darmstadt, Frankfurt und Mainz sowie an den Hochschulverbund Ruhr-Innovation-Lab aus Bochum und Dortmund. Beworben hatten sich sieben Einzeluniversitäten und vier Hochschulverbünde.
Einzeluniversitäten benötigen mindestens zwei Exzellenzcluster, Hochschulverbünde mindestens drei. Exzellenzcluster fördern projektbezogen international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten oder Verbünden, auch wissenschaftsbereichsübergreifende Vorhaben. Die Förderung dauert sieben Jahre, eine zweite siebenjährige Periode ist möglich; ausgeschrieben wird die Förderlinie alle sieben Jahre. Geförderte Forschende können gemeinsam in innovativen Feldern arbeiten, Nachwuchskräfte ausbilden und internationale Spitzenkräfte gewinnen. Universitäten mit Clustern können zudem eine Universitätspauschale zur Stärkung ihrer Organisation und strategischen Ausrichtung beantragen.
Ein Wettbewerb mit langem Atem
Die Exzellenzstrategie ist das wichtigste Bund-Länder-Programm zur Förderung universitärer Spitzenforschung. Bund und Länder beschlossen 2016, die frühere Exzellenzinitiative dauerhaft weiterzuentwickeln. Die Strategie baut auf der Exzellenzinitiative von 2007 bis 2017 auf: Deutschlands Wissenschaftsstandort soll im internationalen Wettbewerb gestärkt, die internationale Sichtbarkeit erhöht, wissenschaftliche Spitzenleistung ermöglicht und Universitätsprofile geschärft werden. Vernetzung und Kooperation im Wissenschaftssystem gehören ebenso dazu wie langfristige und strategische Investitionen in Hochschulen.
Die im März 2026 veröffentlichten Evaluationen der bestehenden Exzellenzuniversitäten bescheinigten ihnen eine höhere internationale Sichtbarkeit in der Spitzenforschung, Fortschritte bei angewandter Forschung und Wissenstransfer sowie Weiterentwicklungen bei Personal, Lehre, Gleichstellung und Vielfalt. Auch andere Hochschulen erhielten dadurch Impulse. Die Förderung von Exzellenzuniversitäten ist dauerhaft angelegt, aber alle sieben Jahre müssen die Voraussetzungen erneut nachgewiesen werden.
In der zweiten Förderphase wurden am 22. Mai 2025 insgesamt 70 Exzellenzcluster ab 2026 bewilligt. Ab dem 1. Januar 2027 stellen Bund und Länder jährlich 747 Millionen Euro bereit: 539 Millionen Euro für Exzellenzcluster und 208 Millionen Euro für Exzellenzuniversitäten und -verbünde. Der Bund übernimmt 75 Prozent, das jeweilige Sitzland 25 Prozent.
Zu den zehn bereits bestehenden Exzellenzuniversitäten beziehungsweise -verbünden gehören RWTH Aachen, Berlin University Alliance, Universität Bonn, TU Dresden, Universität Hamburg, Universität Heidelberg, Karlsruher Institut für Technologie, LMU München, TU München und Universität Tübingen. Neu hinzugekommen sind das Ruhr Innovation Lab mit Ruhr-Universität Bochum und TU Dortmund, die Rhein-Main-Universitäten mit TU Darmstadt, Goethe-Universität Frankfurt am Main und Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie die Universität Freiburg, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Universität zu Köln.
Der Zeitplan lief in mehreren Schritten: Im Mai 2025 fiel die Förderentscheidung für die Cluster, im Januar 2026 begann deren Förderung. Für bestehende Fördernehmer startete die Evaluation mit der Einreichfrist der Selbstberichte im August 2025. Neuanträge mussten Mitte November 2025 eingereicht werden; Ortsbesuche bei bestehenden Exzellenzuniversitäten und -verbünden fanden von Oktober bis Dezember 2025 statt. Im März 2026 bewertete das Expertengremium die Evaluationsergebnisse, von April bis Juni folgten die Ortsbesuche bei den Neuanträgen. Im Oktober 2026 fiel die Förderentscheidung, im Januar 2027 beginnt die Förderung der neuen Exzellenzuniversitäten und -verbünde.
Über die Förderung entscheidet eine 39-köpfige Exzellenzkommission mit Expertinnen und Experten aus allen Wissenschaftsbereichen sowie den zuständigen Bundes- und Landes
