Wer am Sonntag, dem 8. November 2026, in Halle-Beesen unterwegs ist, kann den Auftakt der Musikreihe „Viele für Frieden“ erleben. Die „Ambassadeurs“ spielen um 14 Uhr in der St. Elisabethkirche. Anlass ist die Ökumenische FriedensDekade, die vom 8. bis 18. November unter dem Motto „couragiert widerständig“ stattfindet.

Zwei weitere Konzerte folgen: am 13. November um 19 Uhr in der St. Briccius-Kirche in Trotha und am 14. November um 19:30 Uhr in der St. Laurentiuskirche in Halle. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erbeten. Die zehntägige Reihe endet am Buß- und Bettag, dem 18. November 2026.

Drei Kirchen, ein musikalischer Faden

Die „Ambassadeurs“ sind bereits an unterschiedlichen Orten und in wechselnden Besetzungen aufgetreten – unter anderem im Halleschen Dom, in der St. Laurentiuskirche, in der Nikolaikirche Wettin und beim Templersommer. Ihr Programm reicht von Heinrich Schütz bis John Lennon. Das klingt nach einer weiten Strecke, ist aber genau der Gedanke hinter der Reihe: unterschiedliche Stimmen, Zeiten und musikalische Farben nebeneinander stehen lassen.

Nach Angaben des Organisators und Kontrabassisten Joachim „Akki“ Schulz bringt jedes Ensemblemitglied ein eigenes Lied ein. Die Stücke sollen ohne umfangreiche Moderation und politische Einordnung für sich stehen. Kein langer Vortrag zwischen zwei Nummern, sondern Musik, die ihren eigenen Raum bekommt.

Im Evangelischen Kirchenkreis Halle-Saalkreis sind zusätzlich Friedensgebete und Andachten geplant. Die FriedensDekade will Frieden, Gerechtigkeit und Verantwortung angesichts von Kriegen, gesellschaftlichen Spannungen, wachsender Ungleichheit und Zukunftssorgen ins Gespräch bringen. Ihr Motto betont Menschen, die sich für andere einsetzen, Unrecht widersprechen und Hoffnung bewahren.

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Das Programm im Kirchenkreis

Die Konzerttermine sind Teil eines dichten Veranstaltungsplans:

  • 8. November, 14:00 Uhr: Friedenskonzert der „Ambassadeurs“ in der Elisabeth-Kirche Halle-Beesen
  • 8. November, 18:00 Uhr: Eröffnung der FriedensDekade in der Kirche Gimritz
  • 9. November, 18:00 Uhr: Pogromgedenken an der Wilhelm-Külz-Straße/Jerusalemer Platz in Halle (Saale)
  • 10. November, 18:00 Uhr: Gottesdienst zur FriedensDekade in der katholischen Kirche St. Petri in Wettin
  • 11. November, 18:00 Uhr: Andacht zur FriedensDekade in der Lutherkirche Halle (Saale)
  • 12. November, 18:00 Uhr: Gottesdienst zur FriedensDekade im Kirchgemeinderaum Rothenburg
  • 13. November, 19:00 Uhr: Friedenskonzert der „Ambassadeurs“ in der St.-Briccius-Kirche Trotha
  • 14. November, 19:30 Uhr: Friedenskonzert der „Ambassadeurs“ in der St.-Laurentiuskirche Halle (Saale)
  • 15. November, 10:00 Uhr: Gottesdienst am Mahnmal an der Endhaltestelle „Frohe Zukunft“
  • 16. November, 18:00 Uhr: Gottesdienst zur FriedensDekade am Mahnmal Brachwitz
  • 18. November, 18:00 Uhr: Gottesdienst zur FriedensDekade in der Kirche St. Johannis Babtistae Domnitz

Beteiligt sind Gemeinden, Gruppen und Initiativen im Kirchenkreis Halle-Saalkreis. Weitere Informationen gibt es unter www.friedensdekade.de.

Warum die „Dekade“ zehn Tage dauert

Die FriedensDekade wird seit 1980 von Kirchen und Friedensgruppen organisiert und findet jährlich in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag statt. Daher die Bezeichnung „Dekade“. 2026 gibt es Aktionen, Gebete und Konzerte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die Idee entstand in den Niederlanden. Dort hatte der Interkirchliche Friedensrat eine Friedenswoche eingeführt, um das kirchliche Engagement für Frieden zu stärken und entsprechende Politik zu unterstützen. 1979 empfahl die Vollversammlung des Ökumenischen Jugendrats in Europa, EYCE, das Konzept ihren Mitgliedern. West- und Ostdeutschland übernahmen es 1980 unabhängig voneinander.

Im Herbst 1980 regte die ökumenische Jugendarbeit an, am Ende des Kirchenjahres Friedensdekaden in den Gemeinden durchzuführen. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Jugend, AGCJ, und die Kommission für Kirchliche Jugendarbeit, KKJ, des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR erarbeiteten dafür Materialien; das Sekretariat des Bundes veröffentlichte sie. Eigentlich war die Aktion nur ein- oder zweimal geplant. Die positive Resonanz von Jugendgruppen und Pfarrgemeinden machte daraus eine regelmäßige Einrichtung.

Aus einem Projekt der kirchlichen Jugendarbeit wurde eine Aufgabe der gesamten Gemeinde, zunehmend ökumenisch und lokal gestaltet. Die Friedensdekaden förderten die Zusammenarbeit von Kirchen und außerkirchlichen Gruppen, die Gemeinschaft der Kirchen sowie den Zusammenhalt christlicher Gruppen in Ost- und Westdeutschland. Auch das Friedensthema fand dadurch einen festen Platz im Kirchenjahr.

Früh verbreiteten die Dekaden Themen wie Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Sie beeinflussten die Entwicklung nachhaltiger Umweltpolitik und das kirchliche Verantwortungsbewusstsein für die Schöpfung. Hinzu kamen die Vertiefung des christlichen Friedenszeugnisses und die Meinungsbildung in Kirchen und Gemeinden.

Zwischen „Schwertern“ und gemeinsamer Arbeit

In der DDR war von Beginn an das Motiv „Schwerter zu Pflugscharen“ das Kennzeichen der Friedensdekaden. Als viele Jugendliche das Symbol Anfang der 1980er Jahre als Aufnäher trugen, kam es zu Konflikten mit dem Staat. Die Auseinandersetzungen machten christlichen Gruppen nach Darstellung des Artikels die staatliche Unterdrückung und deren aus ihrer Sicht unmoralischen Charakter bewusster. Auch Themen und Texte der Friedensdekaden wurden kontrovers diskutiert.

Christliche Gruppen verstanden die Kirchen dabei zunehmend als Lerngemeinschaft, die mit anhaltender Hoffnung zum Frieden beitragen könne. Ökumenische Besuchergruppen aus anderen Ländern nahmen regelmäßig an Friedensdekaden in der DDR teil, brachten eigene Erfahrungen in den Dialog ein und übernahmen Anregungen für ihre Arbeit – unter anderem für Friedenswochen in US-amerikanischen Kirchen. Zehn Tage lang gemeinsam über Frieden nachdenken, sprechen und beten: Für Christen in der DDR verband sich diese Arbeit mit Erfahrungen der „Kraft der Schwachen“ und der Hoffnung des Glaubens.

Nach der „Ökumenischen Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ 1988/89 beteiligte sich auch die katholische Kirche an Vorbereitung und Durchführung. Zu den jährlichen Themen wurden Materialien herausgegeben. Am 24. Februar 1991 äußerte die Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR in Berlin den Wunsch, die Friedensdekaden-Arbeit nach der deutschen Einheit in der Evangelischen Kirche in Deutschland, EKD, fortzuführen.

In Westdeutschland war 1980 erstmals zu einer Friedenswoche aufgerufen worden – beim Festival der Friedensdienste, das Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste, ASF, und die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, AGDF, organisierten. Die Initiative fiel in eine Phase intensiver Aktivitäten der westdeutschen Friedensbewegung. Innerhalb dieser Bewegung entstanden verschiedene Gruppen, darunter christlich orientierte Zusammenschlüsse aus unterschiedlichen Kirchen. Daraus ging unter anderem die Trägergruppe „Ökumenische Dekade für Frieden in Gerechtigkeit“ hervor.

Nach der Wiedervereinigung erschwerten unterschiedliche Leitworte und Materialien aus Ost und West die gemeinsame Arbeit. 1992 beschlossen die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, ACK, und die Trägergruppe, ein „Gesprächsforum Ökumenische FriedensDekade“ einzurichten. Es sollte Initiativen und Kirchen aus Ost und West zusammenführen und ein gemeinsames, biblisch orientiertes Thema sowie einen gemeinsamen Plakatentwurf festlegen. Die ACK fasste den Beschluss am 28. und