Am 9. Juli 2026 trauert die akademische Welt um einen herausragenden Wissenschaftler: Jan Tonnemacher. Geboren 1940 in Berlin, stand er für eine Generation von Forschenden, die von den gesellschaftlichen Umbrüchen der 1960er Jahre geprägt wurden. Tonnemacher war ein multidimensionaler Experte in der Medien- und Kommunikationswissenschaft. Seine Forschungsthemen reichten von Kommunikationspolitik über Medienökonomie bis hin zu neuen Kommunikationstechnologien und Publikumsforschung. Sein lebenslanges Engagement für die kritische Auseinandersetzung mit Medien und deren Wandel bleibt unvergessen.

Tonnemacher war in der Rolle eines führenden Experten für neue Medien im deutschsprachigen Raum und zählt zu den Pionieren der Medienprognostik. Er begleitete wissenschaftlich die Einführung innovativer Medien wie Bildschirmtext und Video-Konferenzsysteme und stellte stets die Frage, wie Medienwandel gesellschaftlich verantwortlich gestaltet werden kann. Sein Schaffen war geprägt von Weitblick, Praxisnähe und kritischer Unabhängigkeit, was ihn zu einer einflussreichen Figur in der Medienlandschaft machte.

Akademische Laufbahn und Engagement

Tonnemacher studierte Volkswirtschaftslehre und Publizistik an der Freien Universität Berlin. Nach seinem Abschluss warteten verschiedene berufliche Stationen, wie journalistisches Arbeiten in Toronto und Tätigkeiten in der empirischen Wirtschafts- und Medienforschung in Allensbach und Basel, auf ihn. Er übernahm zudem die Leitung des Presse- und Informationsreferats der Technischen Universität Berlin und war am Heinrich-Hertz-Institut tätig, wo er neue Kommunikationstechnologien erforschte. Seine akademische Karriere umfasste eine Promotion 1975, eine Habilitation 1977 und die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor 1982.

Sein Wechsel an die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt im Jahr 1991 führte zur Stärkung des Bereichs Public Relations. Dort machte er frühzeitig Akzente im Online-Journalismus und analysierte den digitalen Medienwandel, wodurch er seine Studierenden auf die Herausforderungen der modernen Medienlandschaft vorbereitete. Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren, und seine offene, herzliche Art wird vielen in Erinnerung bleiben.

Gesellschaftliche Verantwortung und die Rolle der Medien

Tonnemacher thematisierte stets die gesellschaftliche Verantwortung der Medien und die Rolle der Publizistik im Nationalsozialismus. Bereits in den letzten Jahren seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war er aktiv und nahm an der Jahrestagung der DGPuK im Jahr 2025 in Berlin teil. Dies unterstreicht sein kontinuierliches Engagement für eine verantwortungsvolle Medienforschung und den Dialog über die Herausforderungen des Journalismus in modernen Gesellschaften.

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Im Kontext einer sich ständig verändernden Medienlandschaft, wie sie auch in der Betrachtung von bpb.de thematisiert wird, bleibt Tonnemachers innovative Herangehensweise an die Medienprognostik besonders relevant. Die Entwicklungen im Bereich der Kommunikation, die durch digitale Transformation beeinflusst werden, werfen Fragen auf, die in der Forschung heute wie damals von Bedeutung sind.

Jan Tonnemacher wird als engagierter, diskussionsfreudiger Wissenschaftler in Erinnerung bleiben, dessen Arbeiten und Ansichten weiterhin inspirierend wirken. Sein Beitrag zur Medienforschung und seine Leidenschaft für Jazz und Schlagzeugspiel werden in den Herzen seiner Kolleg:innen und Studierenden lebendig bleiben.