Warnemünde bleibt Deutschlands Kreuzfahrt-Drehscheibe – trotz Aus für den Stadthafen
Wer heute am 4.10.2026 an der Uni Rostock über Warnemünde spricht, kommt an großen Zahlen kaum vorbei. Im vergangenen Jahr wurden dort 165 Schiffsanläufe von 35 Kreuzfahrtschiffen mit insgesamt 592.000 Passagieren registriert. An 126 Tagen war der Hafen vom Kreuzfahrttourismus geprägt. Warnemünde zählt damit weiterhin zu den wichtigsten Kreuzfahrthäfen Deutschlands – neben Kiel, wie auch die Branche betont.
Zwischen Seekanal, Altem Strom und Stadtzentrum liegen die Kreuzfahrtschiffe an den Liegeplätzen P1 bis P4, P7 und P8. Einige große Schiffe weichen in den Rostocker Überseehafen mit den Liegeplätzen LP31 und LP41 aus. Auch Ultra-Luxusliner wie die „Scenic Eclipse II“ machen in Warnemünde fest. Der Hafen gilt laut einem Überblick zudem als beliebtester deutscher Kreuzfahrthafen für internationale Seereisende und als wichtiger Start- und Zielhafen für deutschsprachige Gäste.
Der Stadthafen bleibt für Luxusschiffe ein schwieriges Ziel
Eigentlich sollte das maritime Leben näher an die Innenstadt rücken. Rostock plante 2019, kleine Kreuzfahrtschiffe, Megayachten und Großsegler bis in den Stadthafen zu lotsen. Dafür schaffte die Stadt unter anderem einen 200 Meter langen Sicherheitszaun an, um exklusive Bereiche abzusperren. Eine neue Aufenthaltsqualität sollte den Stadthafen für Reedereien attraktiver machen.
Umgesetzt wurde der Plan bislang nicht. Laut Senator Chris von Wrycz Rekowski bleibt der erhoffte Anziehungseffekt durch die Neugestaltung des Areals zunächst aus. Kleinere Kreuzfahrtschiffe bevorzugen nach Angaben der Stadt sowie nach Gesprächen mit Reedereien und Schiffsmaklern weiterhin Warnemünde.
Das hat wenig mit fehlender Romantik und viel mit Fahrzeit zu tun: Die rund zwölf Kilometer lange Revierfahrt bis zum Stadthafen dauert jeweils etwa eine Stunde flussaufwärts und flussabwärts. Dafür werden Schlepper und zwei Lotsen benötigt, was die Hafenanlaufkosten erhöht. Das schmale, vergleichsweise flache Fahrwasser ist nautisch anspruchsvoll. Schiffe mit etwa 130 bis 140 Metern Länge sicher zu manövrieren und zu drehen, ist wegen des begrenzten Manöverraums schwierig.
Ein solcher Anlauf wäre laut Stadt nur bei guten bis sehr guten Wetterbedingungen möglich. Im Stadthafen fehlt außerdem eine Landstromversorgung. Die Schiffsmotoren können dort daher nicht abgestellt werden, ohne dass während der Liegezeit Emissionen vermieden werden. Warnemünde bietet für Tagesausflüge kürzere Wege – unter anderem mit dem Zug nach Berlin. Das wiegt im Fahrplan offenbar mehr als der Blick auf die Innenstadt.
Die Stadt will das Vorhaben, kleinere Luxusyachten in den Stadthafen zu lotsen, deshalb nicht weiterverfolgen. Der Senator bewertet die Rahmenbedingungen für die kleine Kreuzschifffahrt dort insgesamt als ungeeignet. Gelegentliche außerplanmäßige Besuche von Megayachten, Großseglern oder kleinen Kreuzfahrtschiffen bleiben aber möglich. In den vergangenen Jahren liefen unter anderem die Megayachten „Rief Chief“ und „Maverick“ im Stadthafen ein; beide waren zuletzt 2025 dort.
2026: volle Kalender, wechselnde Liegeplätze
Für die Saison 2026 führt der veröffentlichte Anlaufkalender Passagieranläufe vom 29. März bis 29. Dezember auf – mit Ankunfts- und Abfahrtszeiten, Schiff, Reederei und Liegeplatz. Die Saison soll am 29. März mit der AIDAdiva beginnen und voraussichtlich am 29. Dezember mit der „Spirit of Adventure“ enden. Gemeldet wurden von 20 Kreuzfahrtreedereien 162 beziehungsweise an anderer Stelle 163 Anläufe, 34 Kreuzfahrtschiffe, 95 Passagierwechselanläufe und 68 Transitanläufe.
AIDA Cruises soll mit AIDAdiva, AIDAmar und AIDAluna insgesamt 65 Reisewechselanläufe durchführen. Drei Schiffe sollen Warnemünde 2026 erstmals anlaufen: die Evrima am 18. Juli, die „Scenic Eclipse II“ am 21. August und die „Seven Seas Grandeur“ am 23. August. Größtes Schiff der Saison soll die „Sky Princess“ mit 145.281 BRZ und 330 Metern Länge werden. Erwartet wird sie am 29. April, 3. Juni und 16. September.
Auf der Liste stehen außerdem Ambition und Ambience von Ambassador Cruise Line, Nordstjernen von Vestland Classic, Sky Princess von Princess Cruises, Viking Neptune, Viking Vela, Viking Sky, Viking Saturn und Viking Jupiter von Viking Ocean Cruises sowie Spirit of Adventure von Saga Cruises. Rotterdam und Nieuw Statendam gehören zur Holland America Line, Mein Schiff 7 zu TUI Cruises, die MSC Magnifica zu MSC Cruises und die Norwegian Sun zur Norwegian Cruise Line.
Hinzu kommen Carnival Legend von Carnival Cruise Line, Insignia, Marina, Sirena, Vista und Regatta von Oceania Cruises, Borealis von Fred. Olsen Cruise Lines, Silver Spirit von Silversea Cruises, Evrima und Ilma von der Ritz-Carlton Yacht Collection, Azamara Journey von Azamara Cruises, Arcadia von P&O Cruises, Seven Seas Navigator, Seven Seas Mariner und Seven Seas Grandeur von Regent Seven Seas Cruises sowie Le Champlain von Ponant.
Im Kalender stehen ausschließlich Anläufe mit Passagieren an Bord. Technische Anläufe und Panoramafahrten vor Warnemünde fehlen. Termine und Liegeplätze können sich kurzfristig ändern; der Artikel übernimmt keine Gewähr und verweist für aktuelle Änderungen auf Rostock Port. Ein eingebundenes Schiffsradar auf Basis von VesselFinder zeigt aktuelle Positionen. Nutzer können hinein- und herauszoomen sowie Schiffsnamen, IMO-Nummer und Geschwindigkeit abrufen – eine kleine digitale Hafenbeobachtung, wenn draußen gerade kein Bug am Fenster vorbeischiebt.
Von der Rekordsaison zurück zur Normalität
2025 begann die Saison am 13. April mit der AIDAmar. Angemeldet waren 23 Reedereien, 167 Anläufe und 36 Schiffe. AIDA Cruises plante mit AIDAdiva und AIDAmar 68 Reisewechselanläufe. Viking Vela, SeaDream2, Carnival Miracle, Vista, Viking Saturn, Ilma und Le Laperouse liefen 2025 erstmals Warnemünde an. Die Sky Princess war mit 145.281 BRZ und 330 Metern Länge das größte Schiff; Anläufe waren am 4. Juni und 23. Juli vorgesehen.
Die historische Tabelle weist für 2025 165 Anläufe, 35 Schiffe und 592.000 Passagiere aus. Die Werte in Klammern sind geplante Angaben. Für 2024 stehen 147 Anläufe von 37 Schiffen und 532.000 Seereisende, 2023 waren es 130 Anläufe und 410.000 Passagiere. Im Artikel werden für 2023 an anderer Stelle 133 Anläufe von 30 Schiffen und rund 411.000 Seereisende genannt; 2022 waren es 139 Anläufe und 294.000 Passagiere. Der Ausfall von St. Petersburg infolge des seit Februar 2022 andauernden Krieges in der Ukraine beeinflusste weiterhin Ostseekreuzfahrten und Anlaufzahlen.
2024 legten Kreuzfahrtschiffe an 113 von 365 Tagen an, beteiligt waren 22 nationale und internationale Reedereien. Größtes Schiff war die Norwegian Getaway mit 145.655 BRZ und einer Kapazität von rund 4.200 Passagieren. Bei 95 Anläufen fanden vollständige oder teilweise Passagierwechsel statt. AIDA Cruises führte mit AIDAdiva und AIDAmar 69 Reisewechselanläufe durch, TUI Cruises mit Mein Schiff 7 bei sechs Anläufen Passagierwechsel. Ocean Albatros, Viking Neptune, Spirit of Adventure, Coral Princess, Caribbean Princess, Mein Schiff 7, Azamara Onward, Sirena und Nordstjernen liefen erstmals an.
Von den 532.000 Seereisenden 2024 kamen 195.000 aus Deutschland, 51.000 aus den USA, 15.000 aus Großbritannien, 7.300 aus Kanada, 5.500 aus Australien und 4.600 aus Italien. Weitere 36.100 Menschen stammten aus 136 Nationen. Mehr als 97.000 Passagiere besuchten Warnemünde, Rostock, Mecklenburg-Vorpommern oder Berlin als Tagesgäste; 435.000 Reisewechselpassagiere begannen oder beendeten ihre Kreuzfahrt in Warnemünde.
Auch an der Infrastruktur lässt sich der Betrieb ablesen: 23 Schiffe nutzten bei 95 Anläufen die direkte Abwasserentsorgung, dabei wurden rund 35
