Medizin und Pharma zwischen Milliardenwachstum und Fachkräftemangel
Medizin und Pharma gehören zu den Branchen, in denen Zukunft nicht nach Hochglanz klingt, sondern nach Stationsflur, Laborlicht und dem leisen Piepen eines Monitors. Ihr gemeinsames Ziel: Krankheiten behandeln oder Gesundheit erhalten. In Deutschland wächst der Bedarf – und mit ihm der Druck auf Unternehmen, Kliniken und Beschäftigte.
Für 2025 sollen die Gesundheitsausgaben laut Statistischem Bundesamt auf geschätzte 579,5 Milliarden Euro gestiegen sein. Zugleich investierten 86 Prozent der deutschen Pharmaunternehmen im Jahr 2024 zusammen knapp 12 Milliarden Euro in Innovationen. Seit 2010 ist die Zahl der Beschäftigten in der Pharmabranche um 29 Prozent gestiegen.
Viele offene Stellen, wenig Nachwuchs
Ganz reibungslos läuft das Wachstum allerdings nicht. In der Pharmaindustrie bleibt fast ein Viertel der offenen Stellen unbesetzt. In den kommenden zehn Jahren gehen dort außerdem mehr als 36.000 Beschäftigte in Rente. Auch im medizinischen Bereich fehlt Nachwuchs; als möglicher Grund gilt die begrenzte Zahl an Studienplätzen.
Wie viel am Ende auf dem Gehaltszettel steht, lässt sich trotzdem nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Das durchschnittliche Bruttojahresgehalt in der Medizin- und Pharmabranche wird bei kununu mit einem nicht ausgefüllten Wert angegeben. Das Nettogehalt hängt unter anderem von Steuerklasse, Freibeträgen und persönlichen Faktoren ab. Ein Gehaltsrechner kann da zumindest eine erste Orientierung liefern.
Entscheidend sind vor allem Fachrichtung und Spezialisierung, Unternehmensgröße und Arbeitgeber, Abschluss und Qualifikationsniveau, Berufserfahrung und Karrierestufe sowie der konkrete Tätigkeitsbereich. In der Pharmaindustrie verdienen Beschäftigte in Forschung und Entwicklung in der Regel mehr als Mitarbeiter:innen in der Produktion. In der Medizin wirkt sich die Fachrichtung ebenfalls deutlich auf das Einkommen aus.
Gefragt sind zunehmend Spezialist:innen an der Schnittstelle von Medizin und Technologie – auch, weil künstliche Intelligenz in der Medizin an Bedeutung gewinnt. Neben klassischen medizinischen Berufen wird etwa Key Account Management genannt: eine Tätigkeit, die medizinische Expertise mit strategischer Verantwortung verbindet.
Abschluss, Arbeitgeber und Bundesland
Bildungsabschluss und Qualifikationsniveau haben in beiden Branchen großes Gewicht. Hochschulabsolvent:innen steigen in der Pharmabranche durchschnittlich mit rund 51.723 Euro brutto jährlich ein. Für eine Tätigkeit als Ärzt:in ist ein Hochschulabschluss erforderlich.
Auch der Name auf dem Firmenschild macht sich bemerkbar. Große Pharmakonzerne wie Bayer oder Boehringer Ingelheim zahlen üblicherweise mehr als mittelständische Unternehmen. In der Medizin unterscheiden sich die Gehälter je nach Arbeitgeber – zwischen Universitätskliniken, kommunalen Krankenhäusern und Privatpraxen liegen mitunter Welten.
Regional verdienen Fachärzt:innen laut Medizinio in Baden-Württemberg und Bayern am meisten; ostdeutsche Bundesländer liegen deutlich darunter. In der Pharmaindustrie finden sich die bestbezahlten Standorte ebenfalls vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, wo viele große Konzernzentralen angesiedelt sind. Die Gehälter in der Pharma- und Medizinbranche haben sich in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich positiv entwickelt.
Wer nicht Pharma oder Medizin studiert hat, kann trotzdem hineinfinden – der Quereinstieg ist möglich, aber schwieriger als in manchen anderen Branchen. Im medizinischen Bereich führen Wege etwa in die Pflegehilfe oder zur Alltagsbetreuung. Teilweise reicht dafür ein mehrwöchiger Pflegebasiskurs; das Jahresbruttogehalt liegt in diesen beiden Tätigkeiten ungefähr bei 32.000 Euro.
In der Pharmaindustrie erfolgt der Quereinstieg häufig über den pharmazeutischen Außendienst. Dort hängt das Gehalt oft von Leistung, Zusatzqualifikationen und Verkaufserfahrung ab. Auch Produktion, Qualitätskontrolle und Dokumentation bieten Einstiegsmöglichkeiten für Quereinsteiger:innen mit naturwissenschaftlichem Hintergrund.
Was in den Gesundheitsausgaben steckt
Der große Ausgabenblock umfasst mehr als Arztbesuche und Medikamente. Zu den Gesundheitsausgaben zählen Prävention, Behandlung, Rehabilitation und Pflege ebenso wie Verwaltungskosten. Hinzu kommen Investitionen von Einrichtungen des Gesundheitswesens, die die Versorgung sicherstellen sollen.
Nicht enthalten sind Leistungen und Güter, die die Gesundheit nicht oder nur mittelbar fördern, etwa medizinisch nicht notwendige Schönheitsoperationen oder private Käufe von Fitnessgeräten. Erfasst werden die Käufe der inländischen Bevölkerung – auch dann, wenn sie im Ausland getätigt werden.
Vorleistungen wie die Arzneimittelproduktion und der Verkauf von Medikamenten in Apotheken erscheinen dabei nicht als eigener Endpunkt: Sie werden indirekt über die Preise der Endprodukte berücksichtigt. Der erweiterte Leistungsbereich umfasst außerdem Einkommensleistungen, etwa die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Leistungen zum Ausgleich krankheitsbedingter Folgen sowie Forschung und Ausbildung im Gesundheitswesen.
Wer es genauer wissen will, findet die Aufteilung nach Einrichtungen in der Tabelle „Gesundheitsausgaben nach Einrichtungen“. Sie enthält Daten aus den letzten drei Erhebungsjahren.
Ein Blick auf die Länder
Die Länder- und Bundesrechnung weist für 2023 Gesundheitsausgaben von insgesamt 500,779 Mrd. € aus. Gegenüber 2022 waren das −0,1 %. Pro Einwohnerin und Einwohner entfielen 5.925 €; der Anteil am Bruttoinlandsprodukt lag bei 12,0 %.
| Bundesland | Gesundheitsausgaben 2023 | Veränderung | Je Einwohner | Anteil am BIP |
|---|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 63,2965 Mrd. € | −0,1 % | 5.597 € | 10,0 % |
| Bayern | 78,5153 Mrd. € | −0,3 % | 5.858 € | 10,1 % |
| Berlin | 23,1801 Mrd. € | −1,0 % | 6.151 € | 11,7 % |
| Brandenburg | 16,5007 Mrd. € | +1,7 % | 6.402 € | 17,1 % |
| Bremen | 3,6945 Mrd. € | −0,8 % | 5.368 € | 9,2 % |
| Hamburg | 11,5030 Mrd. € | +0,3 % | 6.051 € | 7,5 % |
| Hessen | 38,7540 Mrd. € | +0,4 % | 6.050 € | 10,9 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | 10,0202 Mrd. € | −0,7 % | 6.151 € | 16,9 % |
| Niedersachsen | 46,9829 Mrd. € | +0,8 % | 5.764 € | 12,7 % |
| Nordrhein-Westfalen | 110,2214 Mrd. € | −0,5 % | 6.068 € | 13,0 % |
| Rheinland-Pfalz | 24,3367 Mrd. € | −0,2 % | 5.841 € | 13,5 % |
| Saarland | 6,0471 Mrd. € | −2,2 % | 6.086 € | 14,4 % |
| Sachsen | 23,5586 Mrd. € | −0,1 % | 5.763 € | 14,9 % |
| Sachsen-Anhalt | 13,5630 Mrd. € | −0,2 % | 6.211 € | 17,3 %</td |
