Am 3. Oktober 2026 bleibt im Leipziger Neuseenland eine entscheidende Frage offen: Reicht das Wasser, um weitere Tagebauseen wie geplant zu fluten? Sinkende Grundwasserstände und niedrige Flusspegel könnten die Vorhaben in Mitteldeutschland um mehrere Tage – oder deutlich länger – verzögern.

Betroffen sind unter anderem die noch aktiven Braunkohletagebaue Vereinigtes Schleenhain südlich von Leipzig und Profen in Sachsen-Anhalt. Facharbeitsgruppen untersuchen derzeit, welche Wassermengen künftig überhaupt für die Flutung zur Verfügung stehen. Gleichzeitig müssen die gesetzlichen beziehungsweise ökologischen Mindestabflüsse in den Flüssen eingehalten werden. Ob und wie stark sich die bisherigen Zeitpläne ändern, ist noch offen.

Der Pereser See bleibt ein großes Vorhaben

Im Tagebau Vereinigtes Schleenhain soll der Pereser See entstehen. Nach den bisherigen Planungen beginnt die Flutung etwa 2039. Vorgesehen sind rund zwölf Quadratkilometer Fläche, etwa 430 Millionen Kubikmeter Wasser und eine maximale Tiefe von bis zu 80 Metern. Damit wäre der Pereser See das größte Gewässer im Leipziger Neuseenland.

Martin Kreßner, Bergbausanierungsexperte von der TU Bergakademie Freiberg, rechnet bei einem geringeren Wasserangebot möglicherweise mit längeren Sanierungszeiträumen, zusätzlichen technischen Maßnahmen und höheren Kosten. Der Bergbaukonzern Mibrag sieht bislang keinen Anlass, die grundsätzliche Planung zu ändern. Nach eigenen Angaben berücksichtigt das Unternehmen mehrjährige Niederschlagsreihen, darunter auch trockene Jahre.

Knifflig könnte es vor allem bei der Flutung der letzten Restlöcher werden. Dafür wird Wasser von außerhalb der Tagebaue benötigt. Nach den bisherigen Plänen sollen unter anderem Mulde und Weiße Elster genutzt werden. Doch die Grundwasserstände in Sachsen und Sachsen-Anhalt liegen vielerorts aktuell etwa 50 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel. Zahlreiche Flüsse führen nach dem trockenen Sommer weiterhin deutlich weniger Wasser als üblich.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Ein dichtes Netz von Messstellen

Wie kleinteilig die Beobachtung des Wassers ausfällt, zeigt die Messstellenliste der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Sie umfasst zahlreiche Messstellen und Messorte in Deutschland. Die Einträge bestehen überwiegend aus einer Messstellenbezeichnung, teilweise einer Orts- oder Gebietsbeschreibung und einer Kennziffer in Klammern.

Vertreten sind unter anderem Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Neben Grundwassermessstellen, häufig mit der Abkürzung „GWM“, finden sich Pegel sowie Messstellen mit Bezeichnungen wie „Pegel“, „MP“, „OP“, „UP“ oder „Flach/Tief“. Auch Landes- und Regionalmessstellen sind aufgeführt – ebenso Messstellen an Wasserwerken, Deponien, Kläranlagen, Kieswerken und Verkehrswegen.

Die Namen reichen von Germersheim, Worms, Trier, Dresden, Halle und Potsdam bis zu detaillierten Angaben mit Straßen, Fluren, Gewässern und technischen Anlagen. Viele Orte tauchen mehrfach auf, jeweils mit unterschiedlichen Messstellen oder Messhorizonten. Dazu gehören Jockgrim, Wörth am Rhein, Hoerdt, Leimersheim, Germersheim, Speyer, Neupotz, Rheinzabern, Karlsruhe, Kehl, Riedlingen, Altheim, Aitrach und Urlau.

In den abschließenden Listenabschnitten erscheinen ähnliche oder identische Bezeichnungen und Kennziffern wiederholt. Genannt werden dort beispielsweise „1057 Boebingen“, „1341 I Woerth am Rhein“, „3342 RASTATT STW-KA“, „AH-1 WELBERGEN“, „AH-25 VREDEN GRMAST“, „Altmersleben-Butterhorst“, „Arendsee Süd“, „Beverbruch 3/6“, „Beveringen OP“, „Bredow, Siedlung Glien“, „DIEBURG“, „Donstorf“, „Ehra-Lessien I“, „GWM 7N SATTENBEUREN“, „Hennigsdorf, 1,3 km v. Trappen-A.“, „Kuschkow“, „Langwege“, „Leitenbach 2“, „Lengefeld“, „LETTGENBRUNN“, „Lockstaedt OP“, „Mahdel“, „Martfeld“, „MEINHEIM 429“, „Muelsen-St-Niclas“, „Nauen“, „NAUHEIM“, „PFAFFENHAUSEN 82A“, „Rodewald MB I“, „SCHOELLENBACH“, „Sehlde“, „SPEINSHART Q3“, „Stolpe, Birkenallee“, „Südgeorgsfehner Moor“, „Suttorf 261/7R“, „VI-14 – HANDORF –“, „Walda“, „Walsen“, „WG 70 TAPPENAU“ und „Wusterhausen, Bahnlinie“.

Wasserplanung zwischen Tagebau und Fluss

Für die Fachleute an der TU Freiberg ist das keine bloße Rechenaufgabe auf dem Papier. Jede zusätzliche Entnahme aus Mulde oder Weißer Elster muss mit den Abflüssen der Flüsse, dem Grundwasser und den ökologischen Anforderungen zusammenpassen. Sinkt der Pegel weiter, verschiebt sich der Spielraum – und am Ende vielleicht auch der Zeitplan.

Die dritte herangezogene Quelle, ein PDF der Bundesanstalt für Gewässerkunde, enthält überwiegend binäre und komprimierte PDF-Daten. Ein lesbarer Nachrichtenartikel oder überprüfbare inhaltliche Informationen lassen sich daraus nicht rekonstruieren. Für die Einordnung der aktuellen Wasserlage liefert dieses Dokument daher keine weiteren belastbaren Angaben.

Während draußen die Messstellen weiter Daten sammeln, bleibt beim Pereser See vorerst vieles an den alten Planungen hängen: Flutungsbeginn etwa 2039, zwölf Quadratkilometer Wasserfläche, 430 Millionen Kubikmeter Volumen. Ob die Rechnung aufgeht, hängt am Ende an etwas ziemlich Unromantischem – daran, wie viel Wasser tatsächlich kommt.