An der Universität Potsdam sind Webseiten und Online-Dienste vorsorglich abgeschaltet worden. Auch das Klinikum „Ernst von Bergmann“, einige Internetangebote der Landeshauptstadt Potsdam und Dienste des Landkreises Dahme-Spreewald sind betroffen. Für Studierende, Beschäftigte und Bürger heißt das: Manche Seiten bleiben leer, Formulare sind nicht abrufbar, Termine lassen sich vorübergehend nicht online buchen. Ein ziemlich unpraktischer Stillstand.

Auslöser ist eine neu entdeckte, schwerwiegende Sicherheitslücke in PHP, einer weltweit verbreiteten Programmiersprache. Sie steckt unter anderem hinter Blogs, Nachrichtenportalen, Onlineshops und Content-Management-Systemen wie WordPress. Auch in anderen Bundesländern wurden Online-Angebote zeitweise vom Netz genommen.

Vorsicht statt Hackerangriff

Die Universität Potsdam erklärte, die Abschaltung sei eine Vorsichtsmaßnahme und kein Hinweis auf einen Hackerangriff. Der Landkreis Dahme-Spreewald folgt nach eigenen Angaben dringenden Sicherheitsempfehlungen und lässt die betroffenen Dienste bis zur Installation des offiziellen Updates offline. Einschränkungen gibt es dadurch unter anderem bei der Terminvergabe für Bürger und beim Abruf von Formularen.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, kurz BSI, stufte die Lage als bedrohlich ein und forderte zur schnellen Installation der Sicherheitsupdates auf. Nach aktuellem Kenntnisstand sind alle bekannten PHP-Versionen bis mindestens PHP 5 betroffen. Derzeit kann nicht ausgeschlossen werden, dass Angreifer aus der Ferne Schadcode auf Webservern mit PHP-Anwendungen ausführen.

Updates werden am Nachmittag erwartet

Das BSI teilte am 21. Oktober 2026 aus Bonn mit, dass die Sicherheitsupdates für PHP am 21. Oktober 2026 um 16:00 Uhr deutscher Zeit erwartet werden. Entwickler stellen Patches für unterschiedliche PHP-Versionen bereit. Organisationen sollen deshalb personelle Ressourcen vorbereiten, damit unmittelbar reagiert werden kann – nicht erst nach einer langen Abstimmungsrunde.

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Die Behörde erwartet eine kurzfristige, großflächige Ausnutzung innerhalb weniger Stunden nach der Veröffentlichung. Laut BSI-Vizepräsident Thomas Caspers könnten Angreifer KI-gestützte Werkzeuge nutzen, um die Schwachstellen schnell zu analysieren und Exploits zu entwickeln. Bei einem erfolgreichen Angriff wären umfangreiche Kampagnen denkbar, durch die IT-Systeme in verschiedenen Bereichen kompromittiert werden.

IT-Sicherheitsverantwortliche und Betreiber sollen die Patches direkt nach der Veröffentlichung auf PHP-Webservern installieren, den Patchstatus anhand des zugehörigen Advisories überprüfen und exponierte PHP-Webserver verstärkt auf Auffälligkeiten überwachen.

Webshops und Hochschulseiten im Blick

Die Warnung betrifft nicht nur große Behördenangebote. Nach Einschätzung des BSI und einer ergänzenden Einordnung des Branchenberichts könnten nahezu alle bekannten PHP-Versionen rückwirkend bis mindestens PHP 5 betroffen sein. Damit geraten Webanwendungen, Content-Management-Systeme und Online-Shops weltweit in den Blick – darunter WordPress, TYPO3, WooCommerce und Shopware.

Möglich wäre eine Remote Code Execution, also die Ausführung von Schadcode aus der Ferne auf einem Webserver. Angreifer könnten dadurch auf vertrauliche Daten zugreifen oder betroffene IT-Systeme vollständig kompromittieren. Als mögliche Folgen einer ungeschützten Schwachstelle werden Betriebsausfälle, Datenverlust und haftungsrechtliche Konsequenzen genannt. Das klingt trocken, kann für eine Organisation aber sehr schnell teuer und chaotisch werden.

Unternehmensleitungen sollen unverzüglich das eigene IT-Team oder den Systemdienstleister informieren. Sicherheitsupdates für die jeweils eingesetzte PHP-Version gehören nach ihrer Veröffentlichung ohne Verzögerung auf alle Webserver. Zusätzlich sollte der Patchstatus anhand des offiziellen Sicherheits- beziehungsweise Herstelleradvisories kontrolliert werden.

Öffentlich erreichbare PHP-Webserver sollten verstärkt auf ungewöhnliche Zugriffe, Lastspitzen und Auffälligkeiten in den Server-Logs überwacht werden. Ebenso wichtig ist die Verfügbarkeit aktueller Backups aller Serversysteme, damit nach einer möglichen Kompromittierung reagiert werden kann. Für die Universität Potsdam und die anderen betroffenen Einrichtungen in Brandenburg bedeutet das zunächst: offline bleiben, prüfen, patchen – und hoffen, dass die Formulare bald wieder dort auftauchen, wo man sie erwartet.

Quelle: Tagesspiegel
Weitere Informationen: BSI
Einordnung: Mittelstand-Nachrichten