32 neue Studiengänge in Niedersachsen: Zwischen Pflege, Medizintechnik und Wasserstoff
Zum Wintersemester 2026/27 kommen an Hochschulen und Universitäten in Niedersachsen und Bremen zahlreiche neue Studiengänge hinzu. Während an den meisten Einrichtungen die Vorlesungen bereits begonnen haben, bleibt das Angebot an einigen Hochschulen unverändert. Auch an der Uni Osnabrück, dem Ort dieses Berichts, startet zum Wintersemester kein neuer Studiengang.
In Niedersachsen zählt das Wissenschaftsministerium 32 neue Studiengänge. Werden Promotions- und Teilstudiengänge mitgerechnet, sind es insgesamt 45. Die Anpassung trifft bei Studierenden auf großes Interesse – kein Wunder, denn Arbeitswelt und wissenschaftliches Wissen verändern sich laufend, und mit ihnen die Anforderungen an Hochschulen.
Quereinstieg ins Lehramt und neue Wege in der Pflege
Besonders hervorgehoben wird der neue Quereinstiegs-Master für das Lehramt an Haupt- und Realschulen. Er startet im Wintersemester an den Universitäten Lüneburg und Hildesheim. Angesprochen sind Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen, die an Haupt-, Real-, Ober- oder Gesamtschulen unterrichten möchten. Voraussetzung ist ein Bachelorabschluss in mindestens einem Unterrichtsfach. Wer ein zweites Fach nicht mitbringt, kann die nötigen Grundlagen in einem separaten Programm erwerben.
An der Hochschule Hannover beginnt ein Bachelorstudiengang zur erweiterten Pflegepraxis. Der neue Pflege-Bachelor ist nach Hochschulangaben bereits ausgebucht. Er reagiert auf steigende Anforderungen durch den demografischen Wandel und die zunehmende Komplexität des Gesundheitswesens – ein Bereich, in dem der Arbeitskräftebedarf seit Jahren spürbar ist.
Auch an der Universität Hannover ist der Andrang groß: Dort gingen mehr Bewerbungen ein, als Studienplätze verfügbar sind. Neu starten der Bachelorstudiengang Digital Business sowie ein Bachelorstudiengang Medizintechnik, den die Universität gemeinsam mit der Medizinischen Hochschule Hannover anbietet.
Von Batterien bis zur angewandten Statistik
Im Medizintechnik-Studium geht es unter anderem um Künstliche Intelligenz und Robotik in der Medizin, die Arbeit mit Stammzellen und die Entwicklung von Gehhilfen für Menschen mit Gehbehinderungen. An der Universität Hannover sollen außerdem Nachhaltigkeitsthemen stärker in bestehende Studiengänge einfließen. Mehr Gewicht bekommen dort auch Kompetenzen in Künstlicher Intelligenz und Unternehmensgründung.
In Braunschweig können Studierende künftig Batterie- und Wasserstofftechnologien studieren. Der neue Master an der TU Braunschweig knüpft an die dortigen Forschungskompetenzen an; Studierende sollen vom entsprechenden Forschungsumfeld profitieren. Gerade bei solchen Themen liegen Labor, Hörsaal und die großen Fragen der künftigen Energieversorgung ziemlich dicht beieinander.
Die Universität Göttingen bietet erstmals Angewandte Statistik im Bachelor an. Promovierende der Theologischen Fakultät Göttingen können künftig außerdem den „PhD“-Titel erwerben.
In Bremen beginnen fünf neue Studiengänge: zwei Masterstudiengänge zu Prozessentwicklung und Nachhaltigkeit, ein Masterstudiengang zu digitalen Medien, ein Bachelorstudiengang zu Sport und Gesundheit sowie ein Bachelorstudiengang zum öffentlichen Gesundheitswesen. Die Universität berichtet von großer bis sehr hoher Nachfrage. Der Masterstudiengang Digital Media soll die Internationalisierung und die Zielgruppe des Studienangebots erweitern.
Studienangebot bleibt beweglich
Nicht jede Änderung bedeutet Zuwachs. Der Masterstudiengang Romanistik International an der Universität Bremen wurde wegen zu geringer Nachfrage eingestellt. Studiengänge können im Zuge der Weiterentwicklung auch zusammengelegt oder umbenannt werden, wenn sich Inhalte und Anforderungen deutlich verändern.
Hinter den neuen Angeboten stehen mehrere Überlegungen: Hochschulen wollen aktuelle Anforderungen von Wissenschaft, Gesellschaft und Arbeitsmarkt aufgreifen, bestehende Forschungskompetenzen mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen verbinden und auf neue Technologien sowie Berufsfelder vorbereiten. Auch der konkrete Arbeitskräftebedarf spielt eine Rolle.
In Niedersachsen entstehen laut Wissenschaftsministerium nahezu jedes Jahr neue Studiengänge an den 20 staatlichen Hochschulen. Parallel werden bestehende Angebote verändert oder wegen zu geringer Nachfrage eingestellt. Bei größeren Veränderungen von Inhalten und Anforderungen werden teilweise auch die Studiengangsnamen angepasst. Der Hochschulplan ist also kein fertiger Stundenplan, sondern eher etwas, an dem ständig weitergeschraubt wird.
Die Universität Osnabrück bietet zum Wintersemester keinen neuen Studiengang an. Anderswo im Nordwesten sitzen dafür bereits viele Erstsemester in neuen Veranstaltungen – manche vermutlich noch mit dem Lageplan in der Hand, andere schon mitten in einem Fach, das es vor kurzem in dieser Form noch gar nicht gab.
