In der Mainzer Innenstadt läuft seit März ein verstärkter Polizeieinsatz gegen Drogenkriminalität. Die Ermittlungsgruppe „Szene“ des Polizeipräsidiums Mainz kontrolliert dort regelmäßig Menschen, bei denen ein Zusammenhang mit Drogen bestehen könnte. Unterstützt wird sie von der Einsatzhundertschaft des Polizeipräsidiums Einsatz, Logistik und Technik.

Mehr als 1.100 Menschen wurden dabei überprüft. In 250 Fällen stellten die Einsatzkräfte Gegenstände oder Beweismittel sicher: Messer, Schlagringe, Pfeffersprays, größere Mengen Bargeld und verschiedene Drogen. Zu den sichergestellten Drogenmengen machte die Polizei keine Angaben. Mehr als 160 Strafverfahren wurden eingeleitet, überwiegend wegen Handels mit Cannabis. Weitere Verfahren betrafen Kokain, Amphetamin und Ecstasy.

Kontrollen an bekannten Brennpunkten

Im Blick der Ermittler stehen unter anderem die Kaiserstraße, der Mainzer Hauptbahnhof, das Bleichenviertel und der Bereich um die Bonifaziustürme. In der laufenden Saison wurden nach Angaben der Polizei bereits mehr als 800 Personen kontrolliert und durchsucht. Über 100 Strafanzeigen wurden aufgenommen, erneut vor allem wegen Cannabis-Handels. Auch Kokain, Amphetamin und Ecstasy wurden sichergestellt.

Zusätzlich erteilte die Polizei mehr als 200 Platzverweise. In 16 Fällen kamen mehrmonatige Aufenthalts- und Betretungsverbote für bestimmte Bereiche hinzu. Bürgerinnen und Bürger übermittelten der Polizei außerdem zahlreiche Videos, Bilder und weitere Hinweise. Diese führten laut Polizei mehrfach zu Ermittlungserfolgen.

Mehr als 30 Festnahmen oder Ingewahrsamnahmen gab es bei den Maßnahmen. Dabei vollstreckten die Einsatzkräfte elf Haftbefehle. Die Ermittlungsgruppe „Szene“ soll noch bis Oktober in der Mainzer Innenstadt eingesetzt werden.

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Hinweise aus der Bevölkerung

Wer Beobachtungen melden möchte, kann sich weiterhin an die Kriminalpolizei Mainz wenden. Erreichbar ist die Ermittlungsgruppe unter 06131/65-33999 oder per E-Mail an kdmainz.egszene@polizei.rlp.de. Gerade Bilder und Videos können für die Ermittler wichtig sein – manchmal steckt in einer scheinbar beiläufigen Aufnahme der entscheidende Hinweis.

Der größere Zusammenhang

Unter Drogen- beziehungsweise Rauschgiftkriminalität werden Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz, dem BtMG, zusammengefasst. Sie gilt als Teil der Organisierten Kriminalität und der Straßenkriminalität. Deutschlandweit registrierte die Polizei 2023 rund 347.000 Rauschgiftdelikte, zwei Prozent mehr als 2022. Rund 208.000 Fälle betrafen Cannabis, das seit dem 1. April 2024 teilweise legalisiert ist.

Die polizeiliche Aufklärungsquote bei Rauschgiftdelikten ist seit Jahren leicht rückläufig, liegt aber weiterhin bei über 90 Prozent. Für 2023 wurden außerdem rund 55.500 Drogenhandelsdelikte registriert; Cannabis war dabei mit Abstand die am häufigsten betroffene Substanz. Illegale Betäubungsmittel werden häufig nach Deutschland geschmuggelt, wobei der Zoll teils mehrere Tonnen beschlagnahmt.

Im Bereich des Drogenhandels ermittelten die Behörden circa 45.300 Tatverdächtige. 58,2 Prozent von ihnen hatten die deutsche Staatsangehörigkeit. Der Konsum illegaler Drogen wird als gesundheitliches und gesellschaftliches Problem beschrieben. Die Zahl der Drogentoten stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf rund 2.230 im Jahr 2023. Als häufige Todesursache gelten gesundheitliche Langzeitschäden infolge übermäßigen Drogenkonsums. Bezogen auf die Einwohnerzahl verzeichnete Bremen mit knapp fünf Drogentoten je 100.000 Einwohner den höchsten Wert.

Die Angaben stammen aus einer Veröffentlichung des Statista Research Department vom 17. Dezember 2025. Von der Uni Saarland aus wirkt Mainz nicht weit weg – und doch beginnt der größere Blick auf Drogenkriminalität oft mit einem Kontrollpunkt an einer Straße, einem Hinweis per Handy oder einer Tasche, die bei einer Kontrolle geöffnet wird.