Neues Promotionskolleg in Vechta: Gerechtigkeit in ländlichen Räumen im Fokus
Am 8. Juli 2026 fand an der Universität Vechta die Auftaktveranstaltung des neuen Promotionskollegs „Gerechtigkeitsdimensionen nachhaltigkeitsorientierter Transformationsprozesse in ländlichen Räumen“ statt. Dieses Kolleg wird von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert und fokussiert sich auf die sozialen Auswirkungen von Nachhaltigkeitstransformationen, welche in der Gesellschaft als „Transformationsschmerzen“ wahrgenommen werden können. Hierbei werden Fragen der sozialen Gerechtigkeit aufgegriffen, die bisher wenig erforscht sind.
Zahlreiche Teilnehmer – darunter Forschende der Universität, kommunale Vertreter und Nachwuchswissenschaftler – kamen zusammen, um die Leitlinien des Kollegs zu diskutieren. Ein Grußwort des Interimspräsidenten der Universität, Professor Dr. Thomas Bals, betonte die Unterstützung der Institution für das Kolleg. Der Landrat des Landkreises Vechta, Tobias Gerdesmeyer, hob die Offenheit der Region für neue Entwicklungen hervor und sekundierte, dass man bereit sei, als Reallabor für Transformationsprozesse zu fungieren.
Vorträge und Diskussionen zur sozialen Gerechtigkeit
Die Veranstaltung beinhaltete beeindruckende Vorträge von Professor Dr. Ingolfur Blühdorn von der Wirtschaftsuniversität Wien und Professorin Dr. Annett Steinführer vom Thünen Institut Braunschweig. Blühdorn sprach über die „ökologische Unregierbarkeit“ und die Überforderung der Gesellschaft in Transformationsprozessen. Steinführer hingegen befasste sich mit den unterschiedlichen Gerechtigkeitsauffassungen in ländlichen Räumen, die einen maßgeblichen Einfluss auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt haben.
Eine Podiumsdiskussion mit Blühdorn, Steinführer, Miriam Bömer vom DGB Bremen und Gerdesmeyer vertiefte die Themen gerechte und nachhaltige Transformationen. Hierbei wurden die Herausforderungen und Möglichkeiten sozialer Gerechtigkeit in den Mittelpunkt gestellt. Besonders der Bereich der sozialen Gerechtigkeit ist von zentraler Bedeutung, da er sich, wie eine Studie von Becker und Hauser der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, auf verschiedene Dimensionen wie Chancen-, Leistungs-, Bedarfs- und Generationengerechtigkeit stützt, die teils in Konkurrenz zueinander stehen.
Forschungsansatz und Ziele des Kollegs
Das Promotionskolleg wird zwischen 09/2024 und 10/2028 gefördert und sieht die Durchführung von insgesamt acht Dissertationsprojekten vor. Ziel ist es, die Forschungslücke in Fragen der sozialen Gerechtigkeit zu schließen und einen Vergleichsansatz anzuwenden. Hierunter fallen Themen wie Dekarbonisierung, Energiewende, Digitalisierung und Naturschutzpolitik. Das Kolleg ist unter der Leitung von Professor Dr. Jana Zscheischler und Professor Dr. John Oliver Engler am VISTRA der Universität Vechta angesiedelt.
Die Diskussionen und die Posterpräsentation der geplanten Promotionsarbeiten zeigten den Austausch mit der nächsten Wissenschaftlergeneration und das Interesse an interdisziplinären Ansätzen in der Untersuchung ländlicher Transformationsprozesse. Angesichts des gesellschaftlichen Wandels und der damit verbundenen Herausforderungen ist es entscheidend, die verschiedenen Dimensionen sozialer Gerechtigkeit zu verstehen und in den Transformationsprozess zu integrieren.
In der heutigen Zeit, in der soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten verstärkt spürbar werden, wird die Forschung an den sozialen Gerechtigkeitsaspekten immer relevanter. Der Grundsatz des sozialen Rechtsstaates, verankert im deutschen Grundgesetz, stellt dabei eine feste Grundlage für die Zielsetzungen des Kollegs dar, die politische Entscheidungen durch wissenschaftliche Erkenntnisse zu untermauern.
