An der Frankfurter Goethe-Universität studierte Da-Hye Lee Lehramt. Dort trainierte Johannes Munkelt die Fußballmannschaft – und fand offenbar Gefallen an Lees Spiel. Er holte sie gemeinsam mit weiteren Spielerinnen der Universitätsmannschaft zu den Offenbacher Kickers. Seit der Saison 2021/22 trägt die heute 33-Jährige das OFC-Trikot, inzwischen läuft ihre siebte Saison am Bieberer Berg.

Am Sonntag um 14 Uhr wartet auswärts die Reserve des Karlsruher SC, aktuell Tabellenzweiter. Lee kennt diese Duelle gut: In ihren sechs Jahren beim OFC hat sie häufig gegen Karlsruhe gespielt, allerdings mit wechselnden Erfahrungen. Trainer Munkelt nennt den KSC einen langjährigen, qualitativ starken Gegner, der sich für diese Saison noch einmal verstärkt habe.

Vom Feld ins Tor

Dass Lee heute die klare Stammtorhüterin und älteste Spielerin der Regionalliga-Frauen ist, war lange nicht absehbar. Beim TuS Makkabi Frankfurt begann sie in einer Jungenmannschaft mit dem Fußball, später wechselte sie zu den Mädchen des 1. FFC Frankfurt. Bis zu ihrem 18. Lebensjahr spielte sie im Feld.

Im Tor hatte sie bei den Jungen gelegentlich ausgeholfen. Der dauerhafte Wechsel kam erst, als beim FFC in einer Saison beide Torhüterinnen ausfielen. Lee übernahm zunächst für den Rest der Spielzeit zwischen den Pfosten – und blieb dort. Nach der Fusion des FFC mit Eintracht Frankfurt spielte sie in der zweiten Mannschaft und stand gelegentlich im Profikader.

Die Nummer eins beim OFC betrachtet sie trotzdem nicht als Selbstverständlichkeit. Ihre Erfahrung will Lee aktiv einbringen, am Spielaufbau teilnehmen und ihn von hinten heraus leiten. Das klingt nach viel Verantwortung, und nach Arbeit: Jeder Angriff beginnt im Idealfall schon dort, wo sie den Ball in der Hand oder am Fuß hat.

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Remis statt Belohnung

Den Saisonstart bewertet Lee als durchwachsen. Die Ergebnisse würden die Leistungen des Teams nicht vollständig widerspiegeln. Häufig spielte Offenbach unentschieden – auch in Partien, in denen die Mannschaft überlegen war, ihre Chancen aber nicht nutzte. Das ist im Fußball die unangenehme Rechnung: viel Aufwand, wenig Zählbares.

Der OFC steht aktuell auf dem siebten Tabellenplatz. Das große Ziel bleibt die Qualifikation für die ab der kommenden Saison neu gegründete dritte Liga. Dafür braucht es Punkte, gerade gegen Mannschaften wie Karlsruhe.

Ihre bisherigen Höhepunkte hat Lee trotzdem nicht vergessen: zwei Hessenpokalsiege, ein DFB-Pokalspiel vor mehr als 4.000 Zuschauern gegen den FC Bayern München und ein 4:0-Derbysieg gegen Eintracht Frankfurt, mit dem der Klassenerhalt gesichert wurde. Die Mannschaft beschreibt sie als familiär. Mit ihr möchte sie künftig weitere Erfolge feiern.

Eine Liga mit fünf Gesichtern

Die Regionalliga ist seit 2004 die dritthöchste Spielklasse im deutschen Frauenfußball. Organisiert wird sie von den DFB-Regionalverbänden in fünf Staffeln: Nord, Nordost, West, Süd und Südwest. Die Staffelgrößen sind nicht gleich: In Südwest spielen 14 Mannschaften, in Nord, Nordost, West und Süd jeweils zwölf. Jede Mannschaft tritt in einer Saison zweimal gegen jedes andere Team an.

Grundsätzlich qualifizieren sich die Meister sportlich für den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Seit der Saison 2020/21 steigt der Meister der Regionalliga Süd direkt auf. Die Meister der übrigen Staffeln spielen in Relegationspartien um zwei weitere Aufstiegsplätze: Nord gegen Nordost sowie West gegen Südwest, jeweils mit Hin- und Rückspiel. Wegen der Aufstockung der Bundesliga auf 14 Mannschaften zur Saison 2025/26 stiegen in der Saison 2024/25 einmalig alle Regionalliga-Meister direkt in die 2. Bundesliga auf.

Normalerweise steigen die drei letztplatzierten Mannschaften in die höchste Spielklasse ihres jeweiligen Bundeslandes ab; in Nord und Nordost sind es jeweils zwei Teams. Die Zahl der Absteiger kann größer werden, wenn Mannschaften aus der 2. Bundesliga in die betreffende Regionalliga absteigen. Während der von der Corona-Pandemie betroffenen Spielzeiten galten teilweise abweichende Regelungen und Staffelgrößen. Die drei Regionalliga-Aufsteiger sind außerdem zur Teilnahme am DFB-Pokal berechtigt.

Für die Saison 2026/27 werden als aktuelle Meister Holstein Kiel im Norden, Hertha BSC im Nordosten, der 1. FC Köln II im Westen, der 1. FC Saarbrücken im Südwesten und die TSG 1899 Hoffenheim II im Süden genannt.

Historisch gewachsen, regional verteilt

Die Regionalliga Nord wurde 1986 als Oberliga Nord gegründet und ist für Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zuständig. Bis zur Einführung der Bundesliga 1990 qualifizierten sich die jeweils bestplatzierten Mannschaften der vier Verbände für die deutsche Meisterschaftsendrunde. Ab 1990 war die Oberliga Nord die zweithöchste Spielklasse, 1994 wurde sie in Regionalliga Nord umbenannt. Seit der Einführung der 2. Bundesliga 2004 ist sie drittklassig.

Die Regionalliga Nordost entstand 1990 als Oberliga Nordost. In der Saison 1990/91 war sie die höchste Spielklasse im Gebiet des Nordostdeutschen Fußballverbandes, ab 1991 die zweithöchste. 1995 folgte die Umbenennung in Regionalliga Nordost, seit 2004 ist auch sie dritthöchste Spielklasse.

Im Westen gibt es die Regionalliga seit 1985 – sie war damit die erste verbandsübergreifende Spielklasse im deutschen Frauenfußball. Sie umfasst die Verbände Niederrhein, Mittelrhein und Westfalen. Bis 1990 qualifizierten sich die jeweils bestplatzierten Mannschaften für die deutsche Meisterschaftsendrunde, ab 1990 war die Liga zweithöchste Klasse. Seit 2004 steht sie auf der dritten Stufe. In einem genannten Aufstiegsfall verzichteten Bocholt und der zweitplatzierte VfL Bochum; dadurch stieg die SGS Essen II auf.

Die Regionalliga Süd wurde 2000 gegründet und ist damit die jüngste Regionalliga Deutschlands. Bis 2004 nahmen ihre Meister an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga teil. Mit der Einführung der 2. Bundesliga wurde sie zunächst aufgelöst, 2007 auf Wunsch der Vereine aber wieder eingeführt. Seitdem ist sie dritthöchste Spielklasse. In einem genannten Fall verlor Eintracht Frankfurt die Aufstiegsrunde, woraufhin der zweitplatzierte SV Weinberg aufstieg. In einem weiteren Fall verzichtete der SC Freiburg II auf den Aufstieg; Eintracht Frankfurt konnte wegen der bereits in der 2. Bundesliga spielenden zweiten Mannschaft des fusionierten 1. FFC Frankfurt ebenfalls nicht aufsteigen. Dadurch kam der SC Würzburg Heuchelhof zum Zug.

Im Südwesten wurde die Liga 1996 als Oberliga Südwest gegründet. Sie umfasst Rheinland, Saarland und Südwest. Bis 1990 qualifizierten sich die jeweils bestplatzierten Mannschaften für die deutsche Meisterschaftsendrunde, ab 1990 war die Spielklasse zweithöchste Klasse. Im Jahr 2000 erfolgte die Umbenennung in Regionalliga Südwest, seit 2004 ist sie dritthöchste Spielklasse.

Für Offenbach geht es nun erst einmal nach Karlsruhe. Lee wird wieder hinten stehen, dirigieren, mitspielen – und vermutlich ziemlich genau wissen, dass ein weiterer schöner Angriff nichts bringt, wenn der Ball nicht ins Tor geht.