Sonntags in die Bibliothek: Northeim prüft Open Library mit RFID-Technik
Wer am 24. Oktober 2026 in Göttingen an einer Bibliothekstür steht, könnte sich künftig öfter fragen: Ist heute wirklich geschlossen? Ab dem 1. Januar dürfen Bibliotheken aufgrund eines Beschlusses des Koalitionsausschusses auch an Sonn- und Feiertagen öffnen. Rechtlich sollen sie damit anderen Kulturorten wie Konzerthäusern, Theatern, Kinos und Museen gleichgestellt werden.
Für das Medienzentrum Northeim ist damit allerdings noch nichts entschieden. Geprüft wird, ob künftig flexiblere Öffnungszeiten möglich sind – etwa mit einem Zugang ohne anwesendes Personal und mithilfe von RFID-Technologie. „Open Library“ oder „FlexiBib“ heißen solche Modelle unter anderem in Hamburg und Freiburg. Auch die Stadtbibliothek Göttingen erprobt derzeit eine personalfreie Nutzung zu ausgewählten Öffnungszeiten.
Northeim prüft, aber rechnet erst einmal
Mit den derzeit verfügbaren personellen Ressourcen wäre eine Öffnung an Sonn- und Feiertagen in Northeim nicht möglich. Bevor dort also jemand sonntags zwischen Regalen stöbern kann, müssten zunächst die Kosten für die technischen Voraussetzungen geklärt werden. Die Lösung ist noch nicht beschlossen.
Hinzu kommt: Das Medienzentrum umfasst nicht nur die Stadtbücherei, sondern auch die Kreisbildstelle. Bei möglichen Änderungen müssten die Rahmenbedingungen beider Bereiche berücksichtigt werden. Das klingt weniger nach einem schnellen Knopfdruck als nach einer ordentlichen Runde Planung, Kostenprüfung und Abstimmung.
Der Tag der Bibliotheken findet seit 1995 jedes Jahr am 24. Oktober statt. Ins Leben gerufen wurde er vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. In der Stadtbibliothek Göttingen gibt es an diesem Tag von 11 bis 16 Uhr einen Bücherverkauf. Für Kinder läuft von 12 bis 14 Uhr außerdem eine Malaktion.
Die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen öffnet ihr Programm von 10 bis 17 Uhr: Angeboten werden Führungen und Vorträge zu historischen Sammlungen, der Restaurierungswerkstatt und den Bibliotheksmagazinen. Anmeldungen sind online und vor Ort möglich.
Was RFID im Bibliotheksalltag leisten kann
RFID-Tags werden über Funkwellen mit Strom versorgt und kommunizieren per Funk. Für eine personalfreie Ausleihe ist das praktisch, aber nicht magisch. Metall und Wasser können die Tags beeinflussen oder abschirmen. Metallisch beschichtete Bucheinbände können die RFID-Nutzung sogar verhindern; die Tag-Antenne funktioniert in der Regel nicht zuverlässig in direkter Nähe zu Metalloberflächen.
Auch CDs, Laptops im Rucksack oder weitere RFID-Tags in einem dünnen Buchstapel können stören. Solche Materialien schränken Reichweite und Lesbarkeit ein. Ein Tag sollte deshalb nicht direkt auf ihnen kleben. Wird er außen auf einem metallischen Gegenstand angebracht, ist das Abschirmungsproblem übrigens nicht automatisch gelöst. Der Gegenstand muss grundsätzlich von Funkwellen durchdrungen werden können – mindestens von der Seite, auf der das Tag sitzt.
Wasser schirmt RFID-Tags ebenfalls ab. Dadurch können sogar Menschen die Erkennung beeinflussen. Eine vollständige Erkennungsrate in einem Sicherheitsgate ist deshalb nicht realistisch. Für Medien, bei denen eine Unwucht stören würde, etwa Schallplatten oder CDs, sind RFID-Tags nicht geeignet. Dort sollten sie an der Außenhülle angebracht werden; bei CDs kann zusätzlich der Metallanteil die RFID-Funktion beeinträchtigen.
Warum Barcodes trotzdem bleiben könnten
Barcodes müssen nach der Einführung von RFID nicht zwingend weitergeführt werden. Ihre weitere Verwendung hat aber zwei Vorteile: Das Medium bleibt maschinenlesbar identifizierbar, und bei einem Ausfall der RFID-Komponenten kann die Identifikation per Barcode fortgesetzt werden.
Sind die unter dem Barcode codierten Zeichen sichtbar, können Menschen das Medium beziehungsweise den Band ebenfalls eindeutig identifizieren. Barcodes lassen sich außerdem auf ein papierbeschichtetes RFID-Tag aufbringen. Ein kleines Stück analoge Rückversicherung also, falls die Funktechnik einmal ausgerechnet dann schlappmacht, wenn jemand gerade am Sonntagabend noch schnell ein Buch zurückgeben möchte.
Die technischen Hinweise stammen aus einem gekürzten Auszug aus dem „Handbuch IT in Bibliotheken“. Das Handbuch steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 (CC BY 4.0). Die Planungshilfe „Open Library 2026“ der zuständigen Fachstelle enthält in der vorliegenden Quelle keine lesbaren Nachrichteninhalte, sondern komprimierte Binärdaten eines PDF-Dokuments.
Ob Northeim künftig sonntags ohne Personal öffnet, bleibt damit offen. In Göttingen läuft bereits ein Test zu ausgewählten Öffnungszeiten, während am Tag der Bibliotheken zwischen Bücherverkauf, Kinderfarben, historischen Sammlungen und Bibliotheksmagazinen ohnehin einiges los ist.
