In der Altmark hat die Erde in der Nacht zu Dienstag kurz geruckelt. Das Beben erreichte die Stärke 2,4 und wurde vom Thüringer Seismologischen Netz zwischen Kalbe und Klötze lokalisiert. Für die Region ist das keine alltägliche Nachricht: Erdbeben treten dort äußerst selten auf.

Nach Angaben des Fachportals „Erdbebennews“ war es sogar das bislang stärkste nachgewiesene Erdbeben der Region. Rund 9.000 Menschen in der Umgebung könnten die Erschütterungen leicht gespürt haben – vielleicht als kurzes Zittern, ein leises Knacken oder als Moment, in dem plötzlich doch alles im Zimmer wackelte. Schäden sind bei einer Magnitude von 2,4 allerdings nicht zu erwarten.

Seltenes Rucken in der Altmark

Die Messung stammt vom Thüringer Seismologischen Netz. Weiterführende sachliche Angaben aus der dazu genannten Quelle der Universität Jena lassen sich nicht ergänzen, weil der dortige Artikeltext nicht lesbar beziehungsweise offenbar beschädigt oder verschlüsselt ist.

Ein Blick auf historische Erdbeben in Deutschland zeigt, wie weit die Spannweite möglicher Ereignisse reicht. Für die Altmark bleibt das aktuelle Beben trotz seiner regionalen Bedeutung ein sehr kleines Ereignis. In der deutschen Erdbebengeschichte finden sich jedoch deutlich stärkere Erschütterungen – mitunter mit erheblichen Folgen.

Von Gera bis Basel

Bereits für 1073 wird ein Erdbeben im Süden Dänemarks genannt, das in den Annalen des Klosters Esrom für 1077 erwähnt wurde. Das damalige Herzogtum Schleswig umfasste ungefähr das heutige Nord- und Südschleswig. Bei Gera wurden am 24. November 1346 und am 24. Mai 1366 Beben mit den Intensitäten VIII beziehungsweise VII–VIII verzeichnet.

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Am 18. Oktober 1356 erschütterte das Basler Erdbeben die Region. Historischen Angaben zufolge starben 100 bis 2.000 Menschen. Die Magnitude lag zwischen 6,2 und 6,9, die Intensität bei XI–X. Auch das Beben vom 15. September 1590 südlich von Neulengbach in Österreich war bis nach Sachsen spürbar. Im rund 300 Kilometer entfernten Frankenstein, heute Ząbkowice Śląskie, neigte sich ein Kirchturm. Er ist inzwischen als Schiefer Turm von Frankenstein bekannt. Magnitude 6,0, Intensität IX.

Am 14. Februar 1648 traf eine ungewöhnliche Naturkatastrophe die holsteinischen Elbmarschen und Uetersen: Erdbeben, Feuersbrünste, Orkan und Fastelabendsflut kamen zusammen. Zwischen Hamburg und Glückstadt wurden zahlreiche Gebäude zerstört, elf Kirchtürme umgeweht oder zum Einsturz gebracht; viele Menschen starben.

Wenn Mauern reißen und Türme kippen

Für den 8. März 1728 ist ein Erdbeben bei Lahr und Kenzingen verzeichnet, ohne weitere Angaben zur Schadenswirkung. Beim Beben von Düren am 18. Februar 1756 kamen zwei Menschen ums Leben. Der Turm der Aachener Augustinerkirche geriet in Schräglage und musste später abgerissen werden, in Aachen stürzten mehrere Häuser und rund 300 Schornsteine ein. Eine Kaserne in Jülich wurde zerstört; Risse entstanden in der Dürener Stadtmauer, an den Mauern der Burg Nideggen und des Klosters Wenau. In Bad Münstereifel stürzte ein Turm der Stadtmauer ein. Das Beben erreichte Magnitude 6,4 und Intensität VIII.

Auch die südliche Grafschaft Lippe und der Teutoburger Wald wurden am 19. Januar 1767 erschüttert. In Heiligenkirchen wurde ein Kirchturm beschädigt. In Schlangen gingen Häuser, Öfen und Türen kaputt, die Kirchentür sprang auf. Oerlinghausen meldete Risse im Kirchengewölbe, im Detmolder Schlossgraben brach dick gefrorenes Eis. Die Intensität lag bei VI–VII. Das Beben von Alfhausen am 3. September 1770 erreichte Stärke VII und gilt als stärkstes bekanntes Erdbeben in Norddeutschland.

Am 29. Juli 1846 bebte es westlich von St. Goar, um 21:24 Uhr Ortszeit. Elf Gebäude wurden beschädigt, die Intensität betrug VII. Beim Mitteldeutschen Erdbeben von Schmölln am 6. März 1872 entstanden unter anderem Schäden am Mauerwerk der Burg Posterstein; die Magnitude lag bei 5,5. In Tollhausen stürzten am 26. August 1878 Giebel ein, Mauern und Schornsteine wurden beschädigt, ein Mensch starb. Magnitude 5,9, Intensität VIII.

Das Beben von Lenzkirch am 22. Januar 1896 ereignete sich um 00:46 Uhr. Sein Epizentrum lag im Lenzkircher Graben, einem Seitenast des Bonndorfer Grabens. Es war in Baden und der Schweiz wahrnehmbar und erreichte Intensität VI–VII.

Das 20. Jahrhundert: große Reichweiten, schwere Schäden

In Albstadt-Ebingen dauerte das Beben vom 16. November 1911 um 22:26 Uhr sieben Sekunden. 6.250 Gebäude wurden beschädigt, der Schaden betrug etwa 750.000 Mark. Die Erschütterungen waren von Braunschweig bis in die Toskana spürbar; in Konstanz stürzten die Spitze des Münsterturms und Statuen am Reichspostgebäude herab. Magnitude 6,1, Intensität VIII.

Am 25. Juni 1935 bebte die Erde zwischen Herbertingen, Moosheim und Marbach um 18:19 Uhr. In mehreren oberschwäbischen Orten entstanden Schäden, 6.250 Gebäude wurden beschädigt. Der Schaden wurde auf 750.000 Reichsmark geschätzt, die Kirchen in Herbertingen und Kappel wurden zerstört. Wahrnehmbar war das Beben bis Wien, Dresden, Koblenz und Genf; in Moskau und Beirut wurde es registriert. Magnitude 5,6, Intensität VII–VIII.

Für Albstadt, Tailfingen, Onstmettingen und Pfeffingen ist am 28. Mai 1943 ein Beben mit Magnitude 5,6 und Intensität VIII dokumentiert. Beim Rheinlandbeben von Euskirchen am 14. März 1951 lag das Epizentrum vier Kilometer östlich der Stadt; um 9:47 Uhr kam es zu erheblichen Schäden und mehreren Verletzten. Magnitude 5,2, Intensität VII–VIII. Neustadt im Schwarzwald folgte am 19. September 1965 mit Magnitude 4,6.

Am 3. September 1978 beschädigte ein Beben um 6:08 Uhr vor allem Albstadt und die Umgebung. Die Schadenssumme lag bei rund 275 Millionen DM, die Burg Hohenzollern wurde schwer beschädigt. Magnitude 5,7, Intensität VII–VIII. In Vacha-Völkershausen löste am 13. März 1989 ein bergbaubedingter Gebirgsschlag sechs Verletzte aus; fast 80 Prozent der Ortsbebauung wurden beschädigt. Das führte zu großflächigen Abrissen, darunter sämtlicher historischer Gebäude. Magnitude 5,6, Intensität VIII–IX.

Das Beben nahe Roermond in den Niederlanden am 13. April 1992 brachte Häuser zum Wackeln, Schornsteine und Dachziegel stürzten herab, Bäume fielen um. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt, die Sachschäden auf deutscher Seite beliefen sich auf etwa 150 Millionen DM. Magnitude 5,9, Intensität VII. In Teutschenthal bei Halle-Neustadt folgte am 11. September 1996 ein bergbaubedingtes Beben ohne Verletzte, Magnitude 5,6, Intensität VI–VII.

Die Erschütterungen von Lorch am 21. Oktober 1997 wurden von Stuttgart bis Ulm wahrgenommen; Magnitude 3,7, Intensität V. Im saarländischen Lauterbach bebte es am 21. Juni 2001 bergbaubedingt. Im Saarland gab es keine Schäden, im französischen Freyming-Merlebach stürzte jedoch ein Stollen ein. Sieben Bergleute wurden teilweise schwer verletzt, eine Person starb. Magnitude 3,8. Nur zwei Tage später wurden bei Kerkrade nahe Aachen sechs Menschen verletzt, mehrere Schornsteine stürzten ein. Magnitude 4,0.

Jüngere Beben, oft