Universität Hamburg streicht Studiengänge und setzt Wirtschaftsinformatik aus
An der Universität Hamburg werden aus Spargründen mehrere Studiengänge gestrichen oder vorerst nicht mehr zugelassen. Betroffen sind der Bachelor Software-System-Entwicklung, Bachelor und Master Wirtschaftsinformatik sowie der Master Kosmetikwissenschaft. Für Studierende in Lüneburg und anderswo ist das ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, wie eng die Hochschulen inzwischen kalkulieren müssen.
Die Universität spricht von veränderten Rahmenbedingungen und einem Konsolidierungskurs des Senats. Studienangebot und Studienplatzkapazitäten der MIN-Fakultät – Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften – sollen neu ausgerichtet werden. Frei werdende Kapazitäten sollen unter anderem dem Bachelor Informatik zugutekommen.
Software-System-Entwicklung vor dem Aus
Der Bachelorstudiengang Software-System-Entwicklung soll eingestellt werden. Die Zulassungen sollen sofort gestoppt werden; einen entsprechenden Beschluss fasste der Fakultätsrat Informatik. Das Präsidium der Universität muss noch zustimmen. Nach Angaben der Studierendeninitiative „Bits gegen Cuts“ wurde die Entscheidung allerdings bereits vor Monaten getroffen.
Vor zwei Wochen hatte die Universität auf ihrer Website noch erklärt, dass wegen der Sparmaßnahmen keine Studiengangschließungen vorgesehen seien. Gegenüber dem NDR bestätigte sie nun die Kürzungen. Bereits eingeschriebene Studierende sollen ihr Studium regulär fortsetzen und abschließen können.
In dem Bachelorstudiengang fallen 50 Plätze weg. Die wesentlichen Inhalte der Software-System-Entwicklung wurden nach Angaben der Universität in den Studiengang Informatik integriert. Dort soll die Zahl der Studienplätze um 53 auf 201 steigen. Trotzdem bleibt im akademischen Jahr 2027/28 unterm Strich ein Nettoverlust von 60 Bachelorplätzen.
Wirtschaftsinformatik pausiert ab 2027/28
Die Zulassung zu Bachelor und Master Wirtschaftsinformatik wird ab dem Wintersemester 2027/2028, kurz: 2027/28, ausgesetzt. In dem Bachelorstudiengang entfallen 63 Plätze. Zusammen mit Software-System-Entwicklung sind das 113 Bachelorplätze weniger. Wie viele Masterplätze beim Wegfall des Masterstudiengangs Wirtschaftsinformatik betroffen sind, teilte die Universität nicht mit.
Die Fakultäten MIN und Betriebswirtschaft prüfen, ob die Studiengänge in veränderter Form fortgeführt werden können oder ob zentrale beziehungsweise wesentliche Studieninhalte auf anderem Weg erhalten bleiben. Wer bereits eingeschrieben ist, soll sein Studium beenden können. Für viele Betroffene dürfte trotzdem erst einmal Unsicherheit bleiben. Der AStA berichtet von großer Unruhe unter den Studierenden.
Auch der Master Kosmetikwissenschaft wird gestrichen. Die einzige Professur wird aus Spargründen nicht wiederbesetzt. Außerdem entspricht der Studiengang nach Angaben der Universität in seiner aktuellen Form nicht mehr vollständig der strategischen Ausrichtung der MIN-Fakultät.
Opposition macht Wissenschaftsbehörde verantwortlich
In der Hamburgischen Bürgerschaft stießen die Pläne auf Kritik. CDU-Fraktionschef Dennis Thering machte SPD und Grüne für den Sparkurs verantwortlich und kritisierte das Vorgehen der Wissenschaftsbehörde. Die Linken-Wissenschaftspolitikerin Xenija Melnik-Üzüm erklärte, die finanzielle Kürzung gefährde die Autonomie der Hochschulen; als Linken-Fachsprecherin bezeichnete sie die Maßnahmen außerdem als erheblichen Einschnitt für die freie Wissenschaft.
Die Wissenschaftsbehörde erklärte dagegen, die Universität habe die Maßnahmen eigenständig beschlossen. Der Konsolidierungskurs des Senats und die veränderten Rahmenbedingungen nennt die Universität selbst als Begründung.
Was Zahlen über Studienverläufe zeigen können
Wie viele Studierende ihr Studium tatsächlich abschließen oder abbrechen, lässt sich inzwischen genauer untersuchen als früher – allerdings nicht mit jeder gewünschten Detailtiefe. Der Statistische Bericht zur Studienverlaufsstatistik enthält unter anderem Abschlussquoten. Sie zeigen den Anteil der Studienanfängerinnen und Studienanfänger im ersten Fachsemester, die ein Bachelorstudium innerhalb von acht Semestern oder ein Masterstudium innerhalb von sechs Semestern nach Beginn des Fachstudiums erfolgreich abschließen.
Die Studienverlaufsstatistik wurde 2017 eingeführt. Für Staatsexamensstudiengänge gibt es derzeit noch nicht genügend Berichtszeiträume, um Abschlussquoten zu berechnen. Geplant sind deshalb entsprechende Berechnungen sowie längere Beobachtungszeiträume für Bachelor- und Masterstudiengänge.
Vor 2017 veröffentlichte das Statistische Bundesamt sogenannte Erfolgsquoten. Dafür wurden Aggregatdaten der Prüfungsstatistik zu Absolventinnen und Absolventen, aufgeschlüsselt nach dem Jahr der Ersteinschreibung, mit Aggregatdaten der Studierendenstatistik zu Studienanfängerinnen und Studienanfängern zusammengeführt. Die Quoten zeigten den Anteil der erfolgreichen Studierenden, erlaubten wegen ihrer Datengrundlage aber nur hochaggregierte Auswertungen.
Als Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher gelten ehemalige Studierende, die ihr Erststudium ohne Hochschulabschluss beendet haben. Das aktuelle Angebot der Hochschulstatistik umfasst bislang vor allem Kennzahlen zum Studienerfolg. Im Statistischen Bericht und in der Datenbank GENESIS-Online stehen Erfolgsquoten zum Anteil der Studierenden mit einem ersten Hochschulabschluss zur Verfügung. Durch den Vergleich von Studienanfänger- und Absolventenzahlen unter Einbeziehung des Jahres der Ersteinschreibung sind hochaggregierte Aussagen zum Studienerfolg möglich.
Die neue Studienverlaufsstatistik soll künftig fachlich und regional differenziertere Angaben liefern und Studienabbruchquoten auf Basis amtlicher Mikrodaten berechenbar machen. Eine bereits verfügbare alternative Quelle ist die Absolventenbefragung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, der DZHW GmbH. Für die jungen Menschen, die nun an der Universität Hamburg vor verschobenen oder gestrichenen Perspektiven stehen, bleiben solche Quoten trotzdem erst einmal Zahlen auf Papier.
