In einer Zeit, in der ökologische, soziale und geopolitische Krisen viele Lebensbereiche durcheinanderwirbeln, rückt das Konzept der „just transition“ zunehmend in den Fokus. Dieses politische Konzept, das Anfang der 1990er Jahre von amerikanischen Gewerkschaftern geprägt wurde, zielt darauf ab, Arbeiterinnen und Arbeiter in der fossilen Brennstoffindustrie vor den negativen Auswirkungen der Klimapolitik auf ihre Arbeitsplätze und Renten zu schützen. Immer wieder wird deutlich, dass sozial schwache Bevölkerungsgruppen häufig an vorderster Front stehen, wenn es darum geht, Umweltgesetze durchzusetzen, wie etwa beim Asbestverbot in Frankreich. Die gegenwärtige Krisensituation könnte nun eine Chance darstellt, um den Wandel zu einer gerechten Gesellschaft zu fördern, berichtet Bauhaus-Universität Weimar.
In diesem Kontext findet am Dienstag, den 28. April 2026, eine Podiumsdiskussion an der Bauhaus-Universität Weimar statt, die das Thema der umweltverträglicheren Gestaltung von Beschaffungsprozessen aufgreift. Unter dem Titel „Von der Krise zur Alternative: Sparpolitik in der Hochschule als Chance für eine just transition?“ werden Expertinnen und Experten über Strategien und Partnerschaften diskutieren, die lokale Bürgerinitiativen, Vereine, Gewerkschaften sowie Unternehmen einbinden. Ziel ist es, zur sozio-ökologischen Umgestaltung industrieller und logistischer Arbeitsorganisationen beizutragen und Alternativen zu entwickeln, die sowohl Klimaanpassungen als auch Verbesserungen der Arbeitsbedingungen miteinander verbinden.
Einblicke in die „just transition“
Das Konzept der „just transition“ verfolgt nicht nur den Nebeneffekt des Umweltschutzes; es geht auch um eine sozial gerechte Ausgestaltung des Wandels, wie das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) hervorhebt. Es wird eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit verschiedenen Ländern angestrebt, um Klimaschutz, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und soziale Gerechtigkeit in Einklang zu bringen. Damit sollen soziale und wirtschaftliche Nachteile, die beim Umbau der Wirtschaft entstehen, abgemildert und neue Perspektiven eröffnet werden.
Ein Beispiel liefert Südafrika, wo der Umstieg von Kohle auf erneuerbare Energien zunächst mit Arbeitsplatzverlusten einherging, jedoch auch neue Arbeitsplätze in der Solar- und Windenergie schuf. Um diesen Strukturwandel sozial abzusichern, hat das BMZ gemeinsam mit anderen Gebern eine Just Energy Transition Partnership (JETP) initiiert, die Beschäftigte im Kohlesektor unterstützt, neue berufliche Perspektiven zu entwickeln. In Mpumalanga werden stillgelegte Kraftwerke in Trainingszentren umgewandelt, um Beschäftigte auf die neuen Gegebenheiten vorzubereiten.
In Indien beispielsweise fördert das BMZ im Bundesstaat Andhra Pradesh über 100.000 kleine landwirtschaftliche Betriebe, die auf klimaangepasste, ökologische Landwirtschaft umsteigen. Diese Maßnahmen verhelfen Familien zu höheren Einkommen und stärken ihre Fähigkeit, zukünftige Krisen besser zu bewältigen. Zudem wird in der Zusammenarbeit mit Frauenorganisationen die Rolle der Landwirtinnen gestärkt, was auch zur Gleichberechtigung beiträgt, so das BMZ.
Die Veranstaltung in Weimar verspricht also nicht nur spannende Diskussionen, sondern auch praktikable Ansätze für den dringend benötigten Strukturwandel in vielen Bereichen. Es lohnt sich, dabei zu sein und vielleicht den einen oder anderen Input mit nach Hause zu nehmen. Der Eintritt ist kostenfrei und bietet eine Gelegenheit, Teil eines wichtigen Diskurses zu werden.
Die Veranstaltung findet statt im Institut für Europäische Urbanistik, Belvederer Allee 5, Weimar, ab 17.30 Uhr. Mit dabei sind hochkarätige Gäste wie Prof. Cécile Cuny von der Universität Straßburg, Frank Günther von ver.di Thüringen und Julia Langhammer vom DGB Hessen-Thüringen. Die Moderation übernehmen M. Sc. Tanja Potežica und Dr. Elodie Vittu von der Bauhaus-Universität Weimar.